Deutschlands Inseln im Winter Steife Brisen, stille Tage

Wenn auf Deutschlands Inseln der Winterwind weht, wird es erst so richtig gemütlich: Wer Natur und Einsamkeit sucht, wird dort fündig. Überraschend ist aber, was sie sonst noch zu bieten haben.

SRT

Daunenjacke, Mütze und Handschuhe - das ist die Kleiderordnung für einen Strandspaziergang auf einer Nord- und Ostseeinsel im Winter. In der kalten Jahreszeit zeigen sich die Inseln von ihrer stürmischsten, aber auch von der gemütlichsten Seite.

Unerschrockene werden belohnt mit menschenleeren Stränden, wunderbar klarer Luft, tosenden Wellen, einem Verwöhnprogramm in den vielen Wellness-Tempeln, aber auch mit ganz besonderen Urlaubsüberraschungen, die es im Sommer so nicht gibt. Diese sechs Ferieninseln im Norden haben sich für ihre Wintergäste einiges einfallen lassen.

Spiekeroog - Tango hinter den Dünen

Anfang Januar locken heiße Rhythmen Tanzwütige nach Spiekeroog. Wenn am Abend die Bürgersteige hochgeklappt werden, beginnt ein rauschendes Tanzfest. Beim Tangofestival (31. Dezember bis 7. Januar) platzt das Insel-Gästehaus "Kogge" aus allen Nähten, es wird getanzt bis in die Puppen. Angeboten werden Kurse für Könner wie für Anfänger. Auch wer nur mal gucken möchte, ist eingeladen und wird vielleicht vom Tangofieber infiziert.

Nach einer durchtanzten Nacht freuen sich nicht nur die Teilnehmer auf einen erholsamen Strandspaziergang zum Auslüften in der salz- und jodhaltigen Seeluft. Danach geht es in den Wellness- und Badetempel der Insel, das "DünenSpa". Dort werden Urlauber den ganzen Winter über mit Thalasso-Behandlungen, Massagen und Meerwasserbädern verwöhnt. In der Dünensauna kommt man neben dem Schwitzen sogar ins Träumen. Der Blick aus dem Panoramafenster bietet ein ständig wechselndes Naturtheater aus Dünen, Meer und Himmel.

Helgoland - Robbenbaby-Watching

Deutschlands einzige Hochseeinsel bietet seinen Besuchern in den Wintermonaten ungebändigte Natur mit bis zu zwölf Meter hohen Wellen. Da wagt sich kaum jemand vor die Tür. Außer es ist Zeit zum "Hummerbudenzauber".

Traditionell bilden die kleinen, kunterbunten Holzbuden am 2. und 3. Adventswochenende eine stimmungsvolle Kulisse für den Helgoländer Weihnachtsmarkt. Jeden Tag wird ein Fenster mehr beleuchtet, bis am Heiligen Abend 24 Fenster erstrahlen. Zur Stärkung gibt es Leckereien aus Pütt und Pann, Punsch, Lebkuchen und Waffeln.

Ein besonderes Erlebnis in der Wintersaison sind die Geburten der Kegelrobben auf der Helgoländer Düne. Ab Anfang November bis etwa Ende Januar können sich Besucher bis auf 30 Meter den kleinen Robben nähern und die Geburt und Aufzucht der Babys aus nächster Nähe erleben. Ein Naturschutzbeauftragter begleitet die Tierfreunde.

Sylt - Wintermärchen für Romantiker

Zwischen November und März gönnt sich Sylt eine Verschnaufpause vom Trubel in den Sommermonaten. Doch auf genau diese Ruhe und Abgeschiedenheit freuen sich unerschrockene Romantiker. Sie stapfen dick eingepackt und mit roten Wangen über schneebedeckte Dünen. Eine steife Nordseebrise pustet den Kopf frei und das Reizklima stärkt die Abwehrkräfte.

Wer schon immer mal eine Wattwanderung machen wollte, der sollte das in der kalten Jahreszeit versuchen. Das Erlebniszentrum Naturgewalten in List bietet auch im Winter Wattführungen an. Die Gruppen sind dann kleiner und die Luft ist klarer.

Danach wärmt man sich am besten bei einem gemütlichen Teeseminar auf. Im Teehaus Janssen in Westerland und im Teekontor Keitum erfahren die Besucher allerlei Neues und Spannendes rund um das aromatische Getränk. Turbulent geht es dagegen in der "Sansibar" zu, Deutschlands berühmtester Strandhütte. Dort ist auch bei eisigem Wind und Minustemperaturen die Bude immer voll.

Amrum - Wattwanderung im Winter

Winterwanderer begegnen auf Amrum oft stundenlang keiner Menschenseele. Ab November kann dann auch mal der "blanke Hans", der gefürchtete Nordseesturm, bis an die Dünenkante laufen.

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Deutsche Inseln im Winter: Strände, Stürme, herrliche Stille

Sehr urig hingegen wird die Insel zu Weihnachten und Neujahr. Am Silvesterabend ziehen die "Hulken", verkleidete Gestalten, von Haus zu Haus und wünschen ein "seegent nei juar", ein gesegnetes neues Jahr.

Ein spannendes Naturerlebnis ist eine Winterwanderung übers Watt bis zur Nachbarinsel Föhr. Damit keiner friert, teilt der Wattführer Dark Blome Wathosen aus. Anschließend kehrt man in ein gemütliches Gasthaus ein und stärkt sich mit einer fangfrischen Nordseescholle.

Nach einer kurzen November-Ruhepause öffnet ab Weihnachten auch wieder das "AmrumBadeland". Dort können sich Urlauber im Meerwasser-Wellenbad, in der Saunalandschaft und bei einem orientalischen Rasul entspannen.

Fischland-Darß-Zingst - Lagerfeuerromantik am Ostseestrand

Von Ende Oktober bis März beginnt in Graal-Müritz jeden Freitag eine Fackelwanderung entlang des Strands, an deren Ende ein Lagerfeuer und ein heißes Getränk warten. Ein tolles Erlebnis für die ganze Familie!

Sehr gemütlich ist auch eine Kremserfahrt, eine Kutschfahrt für zehn bis zwölf Personen, in die Kernzone des winterlichen Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft. Start ist von November bis Mai immer am Wochenende um elf Uhr am Bernsteigweg Prerow in Richtung Leuchtturm Darßer Ort.

Unterwegs erfahren die Fahrgäste einiges über die Entstehung des Nationalparks. Wer dann die 134 Stufen des Darßer Leuchtturms bis zum Umgang in 30 Metern Höhe hinaufsteigt, der wird mit einem fantastischen Blick über die Inseln, den Darßwald und die Ostsee belohnt.

Rügen - Für Schatzsucher und Sturmwanderer

Für Bernsteinfischer auf Rügen beginnt die Saison im Winter. Denn nur richtig große Stürme spülen das Ostseegold aus dem Meer an den Strand. Dafür sind Schatzsucher oft schon in den frühen Morgenstunden unterwegs.

Doch auch Langschläfer können auf Deutschlands größter Insel auf Entdeckung gehen. Eine abwechslungsreiche Rundwanderung führt von Binz zum Jagdschloss Granitz mit der berühmten gusseisernen Wendeltreppe. Wer die 154 Stufen geschafft hat, wird mit einem prächtigen Blick bis nach Usedom belohnt.

Eine wildromantische Silvesterstimmung erwartet Wanderer am Kap Arkona. Am letzten Tag des Jahres beginnt um 13 Uhr eine geführte Wanderung dorthin. Ein rauer, eisiger Wind pfeift um die Ohren und manchmal ist der Sturm so laut, dass man sein eigenes Wort nicht mehr versteht. Idyllischer ist dagegen ein Besuch des Königstuhls. Den gigantischen Kreidefelsen hat man im Winter oft für sich ganz alleine. An Tagen mit Schietwetter bieten dann zahlreiche Wellnesstempel wohlige Entspannung. Und in wirklich harten Wintern bietet die Ostsee sogar fast arktische Erlebnisse.

Sybille Boolakee, srt

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