Tarifstreit Bahn-Kunden müssen mit Streiks rechnen

Droht dem Zugverkehr in Deutschland erneut Chaos? Im Tarifkonflikt mit der Lokführergewerkschaft GDL und der Deutschen Bahn zeichnet sich ein weiterer Streik ab. Ein Ultimatum hat der Transportkonzern verstreichen lassen.

GDL-Mitglieder im Streik: Ultimatum abgelaufen (Archivbild)
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GDL-Mitglieder im Streik: Ultimatum abgelaufen (Archivbild)


Berlin - Streik oder nicht Streik? Diese Frage müssen sich weiterhin auch die Kunden der Deutschen Bahn stellen. Bei ihrer Planung sollten Reisende ab Donnerstag Verspätungen oder Zugausfälle einkalkulieren. Ob die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) tatsächlich wieder zum Arbeitskampf aufrufen wird, ist aber noch unklar.

In dem Tarifpoker hat die Bahn auf ein Ultimatum der GDL reagiert. In einem Schreiben an den GDL-Vorsitzenden Claus Weselsky lehnte es der Transportkonzern ab, ein von der GDL vorgelegtes sogenanntes Protokoll zu unterschreiben. Zugleich bekräftigte sie, dass aus ihrer Sicht Kernforderungen der GDL erfüllt seien und schlug vor, am 26. Februar weiterzuverhandeln.

Die GDL bestätigte den Eingang des Schreibens und kündigte eine Prüfung an. Der für Mittwoch geplante Ablauf werde sich nicht ändern, sagte GDL-Sprecherin Gerda Seibert. Demnach werden Hauptvorstand und Tarifkommission in Frankfurt über den Verhandlungsstand beraten und dann eine Entscheidung über eine Wiederaufnahme der Arbeitskämpfe treffen. Die GDL hatte im vergangenen Herbst sechsmal bundesweite Lokführerstreiks organisiert.

"Nicht mit Pistole auf die Brust"

Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber lehnte es ab, das Papier der GDL wie gefordert zu unterzeichnen. Es gebe nicht den Stand der gemeinsamen Verhandlungen wieder, sondern enthalte Maximalforderungen der Gewerkschaft. Weber fügte hinzu: "Verhandlungen verlaufen nicht nach dem Prinzip Pistole auf die Brust."

Unabhängig davon habe die Bahn die Kernforderungen der GDL erfüllt: "Die GDL kann Tarifverträge für alle Berufsgruppen machen, es gibt keine Vorbedingungen und die DB stimmt einem Lösungskonzept für einen Flächentarifvertrag zu, das die GDL in der Verhandlung selbst skizziert hat", hieß es in der Mitteilung der Bahn.

Die GDL will sich nach eigenem Bekunden Tarifverträge auch für Berufsgruppen jenseits der Lokführer durchsetzen - und zwar unabhängig von Tarifabschlüssen der Bahn mit der konkurrierenden Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG.

Die GDL hatte die Bahn aufgefordert, bis Mittwoch um 11.00 Uhr ein Protokoll zu unterzeichnen, das den Verhandlungsstand aus Sicht der Gewerkschaft wiedergibt. Geschehe dies nicht, werde er am selben Tag den GDL-Spitzengremien eine Fortsetzung der Streiks empfehlen, schrieb der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky am Samstag. Drei Tage zuvor hatte er die Tarifverhandlungen für gescheitert erklärt. Die Bahn hatte sich überrascht gezeigt und sah keinen Grund dafür.

joe/dpa



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insgesamt 56 Beiträge
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f14-tomcat 17.02.2015
1. Das ist Erpressung
von der GDL. Wird Zeit das dieses Gesetz im Juli kommt und solchen Spartengewekschaften einen Riegel vor geschoben wird.
wokram 17.02.2015
2. Schon wieder Streik bei der DB?
Was will die GDL? Sie will wohl allein bestimmen, was alle Mitarbeiter bei der DB verdienen? Kompromissbereitschaft sehe ich hier wenig. Dabei sollen die Kunden, die gar nichts dafür können, worum es bei diesem endlosen Tarifstreit überhaupt geht. Aufruf an DB und GDL: Verhandeln statt streiken!
einwerfer 17.02.2015
3. War zu erwarten,
dass die Bahn wieder einen harten Kurs fährt. Das Tarifeinheitsgesetz befindet sich in der parlamentarischen Beratung und kann ganz gut ein bischen Unterstützung durch schimpfende Bahnkunden gebrauchen.
mischamai 17.02.2015
4. das Ende der Geduld
Viele Menschen sind extrem betroffen von der Schließung der Schiersteiner Brücke.sollte man hier die einzige Möglichkeit der Verbindung nun noch willkürlich kappen so kommt es zum Eklat.Ganz sicher ist das Schluss mit lustig,das wollen wir mal sehen.
claus.w.grunow 17.02.2015
5. Gdl
Diese Gewerkschaft disqualifiziert sich selbst. Zum eigenen Schutz sollten die Arbeitnehmer die GDL verlassen. Die Alternative wäre Hartz iV. Claus Weselsky ist ein Zerstörer, der das Wohl der GDL Mitglieder auf's Spiel setzt, so wie die VCP.
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