Tierische Wandertouren: Kinderquatsch mit Kamel

Kinder zum Wandern zu motivieren ist die einfachste Sache der Welt: Man muss ihnen nur einen Ausflug mit exotischen Tieren vorschlagen. In Deutschland können Familien mit Kamelen, Ziegen und sogar Lamas auf Tour gehen - ein paar Biologie-Lektionen sind inklusive.

Wandern mit Tieren: Per Wüstenschiff durchs Allgäu Fotos
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Mangfalltal - Kamele? Hier in Bayern? Zwei Wanderer bleiben ungläubig stehen. Eine kleine Kamel-Karawane zieht auf dem Waldweg an ihnen vorbei, mitten im idyllischen Mangfalltal, einem Wandergebiet nahe München. Bequem zwischen den beiden Höckern sitzend, schaukeln die Reiter durch den Wald, passieren Bauern auf ihren Feldern und Kühe auf Weiden. Exotik vor heimeliger Kulisse.

"Das ist viel besser als normales Wandern", ruft Anna. Die 12-Jährige umarmt den langen Hals ihres Kamels, wuschelt begeistert durch das wollweiche Fell, macht es sich mal verkehrt herum, mal im Damensitz auf dem Kamelrücken bequem. All das erträgt die Stute Gina gelassen. Erhobenen Hauptes stolziert sie mit Anna auf dem Buckel an einer Herde Kühe vorbei, die verdutzt das Grasen unterbrechen.

Doch jeder Kamelreiter in spe sei gewarnt: Geht es bergab, verwandelt sich der elegante Gang der Wüstenschiffe in plumpes, rasantes Geholper. Die Kamelhöcker wackeln hin und her, der Reiter hoppelt im Sattel auf und ab, Hände klammern sich im Fell fest. Die Kinder kreischen vor Vergnügen. "Kamele kennen nur drei Gänge: Langsam, schnell und Rodeo. Das war der zweite Gang", erklärt Kamelführer Konstantin Klages grinsend.

Exotischer Rasenmäher-Ersatz

Ein fehlender Rasenmäher und viel Land - das war der Ausgangspunkt von Konstantins Kameltouren im Mangfalltal. "Um das Gras kurz zu halten, hat mein Vater eines Tages drei Zirkuskamele mit nach Hause gebracht", erzählt der 24-Jährige. Statt nach dem Abitur zu studieren, beschloss Konstantin, die kleine Farm auszubauen. Heute besitzt der selbst ernannte "Naturbua" elf Kamele.

Auch im Allgäu können dem ahnungslosen Wanderer an einer Wegbiegung plötzlich Kamelreiter begegnen. Hier in Seeg hat Christine Sieber ihre Farm. Die ehemalige Bürokauffrau kennt sich aus mit den exotischen Tieren. Als einzige Frau hat sie mit gerade einmal 26 Jahren an einem Kamelrennen in den Arabischen Emiraten teilgenommen. Und gewonnen. "Das hat mich darin bestärkt, eine Kamelfarm zu betreiben", sagt die heute 38-Jährige.

"Wer weiß, was der Unterschied zwischen Kamel, Dromedar und Trampeltier ist?" Vor jedem Ausritt stellt Christine Sieber die Frage aller Kamelfragen. "Ganz einfach: Ein Trampeltier hat zwei Höcker, ein Dromedar nur einen, und beide gehören zur Familie der Kamele", erklärt sie. Die Kinder hören aufmerksam zu. So ein Ausflug zur Kamelfarm ist etwas anderes als eine langweilige Biologiestunde.

Ziegen mit Charakter

Kindergemecker gibt es auch bei den Trekking-Touren von Jörg Jacobi nicht. Höchstens seine Ziegen, die das Gepäck der Wanderer tragen, meckern ab und zu. "Aber sicher nur aus Freude", sagt Jörg Jacobi augenzwinkernd. Brav wie gut erzogene Hunde laufen die Ziegen neben den Wanderern her. Eine Leine brauchen die zahmen Tiere nicht.

"Jede Ziege hat ihren eigenen Charakter, und dementsprechend sucht sie sich ihren menschlichen Wanderbegleiter aus", erklärt Jörg Jacobi. Energiegeladene Kinder laufen mit den Leithammeln vorne weg, die Träumer und Müßigen unter den Wanderern bilden mit den Tieren das Schlusslicht, die hie und da genüsslich am Wegrand herumknabbern.

Insgesamt besitzt der gelernte Landwirtschaftsmeister und Erlebnistherapeut 40 Ziegen. Im Naturgebiet rund um den Bodensee unternimmt er seine Touren. Nicht nur Familien, auch gestresste Büromenschen begleiten ihn dabei. Für Jörg Jacobi leicht zu erklären. "Ab einer gewissen Zeit, wenn jeder seinen Platz in der Truppe gefunden hat und Ruhe eingekehrt ist, wird das Wandern mit Tieren zu einer Art Meditationsreise."

Weil Ziegen bis zu 40 Prozent ihres eigenen Gewichts tragen können, eignen sie sich nicht nur für entspannte Familienausflüge. Die Schweizerin Sandra Egli bietet anspruchsvolle Bergtouren an, zum Beispiel durch die Granit-Landschaft des Gotthard Massivs. Für ihre Wanderungen mit Lupo, "dem Boss", Nino, "dem Noblen" und ihren fünf anderen Ziegen ist sie bereits mit dem Tourismus-Innovationspreis "Milestone 2005" ausgezeichnet worden.

Lamaflüstern auf Usedom

Auch Lamas eignen sich als Trekking-Begleiter. Schon die Inkas nutzten sie als Lasttiere auf ihren Fußmärschen durch die Anden. Was in Südamerika funktioniert, geht auch auf der Insel Usedom in Vorpommern. Hier bietet Christine Harloff Touren mit den sensiblen Tieren an. "Lamas eignen sich gut für Kinder, weil sie sich dem Tempo ihres jeweiligen Herrchens anpassen", sagt sie. Aber im Gegensatz zu Kamelen und Ziegen sind die Tiere ganz schön wählerisch.

Den langen Hals stolz erhoben, blickt Lama Kusco seinen Wanderkameraden in spe mit großen Augen an. "Na, mal sehen, wie du dich anstellst", scheint er zu denken. Lamas lassen sich nicht wie Hunde ausführen, das heißt konkret: Wenn hektisch an der Leine gezogen wird, schaltet das Tier auf stur und bleibt einfach stehen. "Zum Lamaflüsterer wird nur, wer dem Tier ruhig entgegentritt und versucht, eine Vertrauensbasis zu schaffen. Autorität allein hilft nicht weiter", erklärt Christine Harloff.

"Lamas werden deswegen auch zum Therapiewandern bei verhaltensauffälligen Kindern eingesetzt", sagt Silke Philipp-Odermatt, die am Vogelsberg in Osthessen Wanderungen mit Lamas anbietet. Wie bei den Ziegen probieren sich Menschen mit stressigen Berufen auch als Lama-Wanderer aus. "Die Tiere machen kleine Alltagsfluchten möglich", erklärt Philipp-Odermatt.

Bleibt noch eine Frage: Spucken Lamas nun oder nicht? "Untereinander spucken Lamas schon, etwa aus Futterneid. Aber Menschen werden nicht angespuckt", sagt Harloff. "Und wenn der Wanderer doch etwas abkriegt, dann stand der Wind wohl ungünstig."

Patrizia Schlosser, dpa

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