Reisetipps von Väterbloggern "Die große weite Welt in Klein"

Kindern ist egal, wohin die Reise geht, sagt Thomas Guntermann vom Familienblog "Ich bin dein Vater". In einer neuen Serie verraten Eltern ihre Tricks für traumhafte Ferien.

Thomas Guntermann

Über das Blog
    Thomas Guntermann, Thomas Lemken und Janni Orfanidis betreiben das Familienblog "Ich bin dein Vater". Unter dem Slogan "Früher waren wir cool, jetzt sind wir Väter" schreiben die Kommunikationsmanager aus Köln über den Kita-Alltag, Bobo Siebenschläfer und Familienurlaube. Wie macht man das Wohnmobil kindersicher? Was gehört in den Koffer? Wohin soll die Reise gehen? "Es muss nicht immer Sri Lanka sein", sagt Guntermann.
  • Familienblog "Ich bin dein Vater"

SPIEGEL ONLINE: Wo in Deutschland ist Urlaub mit der Familie am schönsten?

Guntermann: Im Hochsauerland, in der Gegend rund um Winterberg. Im Naturschutzgebiet Bruchhauser Steine gibt es buggyfreundliche Wanderwege, versteckte Waldhütten und Hochsitze. Das fühlt sich an wie die große, weite Welt in Klein. Familienausflüge dorthin sind ein Traum, weil sich alle vergnügen. Wir Eltern lieben Outdoor-Erlebnisse, wandern viel und sind am liebsten draußen. Unser zweijähriger Sohn kann die ganze Zeit spielen - und alle sind glücklich.

SPIEGEL ONLINE: Was ist wichtig bei der Auswahl des Ferienziels?

Guntermann: Man muss Orte finden, an denen alle eine gute Zeit haben. Kindern ist es völlig egal, ob sie in Südafrika oder am Astenturm durch die Wälder streifen - Abenteuer bleibt Abenteuer.

SPIEGEL ONLINE: Wie hat sich das Reisen durch Ihr Kind verändert?

Lemken: Bevor ich Kinder hatte, habe ich Resorts mit Animationsprogramm verabscheut. Ich konnte mir nicht vorstellen, mein Kind auch noch im Urlaub fremdbetreuen zu lassen. Doch dann trat Orry in mein Leben, der Kinderfreund der Center Parcs. Rote Klamotten, grüne Haare, bunte Shows.

Meine erste Reaktion: Wir brauchen Orry nicht! Wenn hier einer ein Top-Unterhaltungsprogramm liefert, dann bin das ich und nicht der Typ aus dem Marketinghandbuch. Doch auf einmal standen wir inmitten von 30 anderen Kindern, ihren Eltern - und: Orry! - vor einer Bühne und probten eine Gruppenchoreografie.

Was ich vor wenigen Jahren noch belächelt hätte, erfüllte mich auf einmal mit purem Glück. Ich freute mich darüber, dass sich mein Kind von gleichaltrigen Fremden an die Hand nehmen ließ - und sich sogar äußerst geschickt beim Ententanz anstellte.

SPIEGEL ONLINE: Wie hält man Kinder auf einer langen Autofahrt bei Laune?

Guntermann: Bis zur Stadtgrenze reichen entgegenkommende Busse, Baggaaah oder Lastaaah - und im besten Fall noch ein paar Tütatas oder Polideis. Dann kommt der kritische Part: die Autobahn. Bei einer Fahrt von mehreren Stunden helfen nur Hörbücher und ein Boxensystem, das es erlaubt, die Lautstärke für Vordersitze und Rückbank getrennt zu regeln. Vorne: Stufe 0, hinten: Stufe 10.

Wir beginnen meistens mit dem Titelsong von "Feuerwehrmann Sam" bei gedrückter Repeat-Taste. Inzwischen kennen wir ihn und seine Freunde so gut, dass wir für die komplette Besetzung Psychogramme angelegt haben: Heli-Pilot Tom dichten wir eine erotische Beziehung zum Protagonisten an. Der Vater von Norman Price und Liebhaber von Dills bleibt unbekannt, lediglich das Graffiti aus "Abenteuer in der Höhle" verrät, dass es da wohl mal jemanden gegeben hat.

Die Story und das monotone Rauschen des Fahrtwinds sorgen für einen hoffentlich 90-minütigen Mittagsschlaf. Dann kommt Phase drei: gekochte Eier und Stullen - und hoffentlich bald die Ankunft am Zielort.

SPIEGEL ONLINE: Welche Nacht im Familienurlaub war unvergesslich?

Lemken: Als meine Tochter ein knappes Jahr alt war, hielt ich es für eine großartige Idee, mit ihr, meiner Frau und dem Auto nach Spanien zu düsen, Zwischenstopp in Avignon inklusive. Dort erfuhr ich, wie es ist, zu dritt in einem zwölf Quadratmeter kleinen Zimmer eingepfercht zu sein, wenn das Kind nicht schlafen kann und stattdessen über einen Zeitraum von sechs Stunden das gesamte Hotel zusammenbrüllt. Diese Nacht verfolgt mich bis heute.

Ich werde sie allerdings trotzdem immer in guter Erinnerung behalten. Wegen des Sonnenaufgangs an der berühmten Brücke von Avignon, vor der Kulisse der wundervollen Altstadt. Gegen 4.30 Uhr habe ich es nicht mehr im Zimmer ausgehalten, das Kind in den Kinderwagen gepackt und bin raus. Die Promenade der Rhone grenzt fast bis an das Hotel, ich schob hier also auf und ab, bis das Kind endlich einschlief. Außer meiner Tochter und mir waren da nur noch ein paar Klubgänger auf dem Heimweg.

SPIEGEL ONLINE: Jetzt mal ehrlich! Dachten Sie schon mal auf Reisen: "Schade, dass das Kind dabei ist!"?

Orfanidis: Na klar. Wenn man am Strand relaxen und ein Konterbier trinken möchte - stattdessen aber Sandburgen baut und Kindern hinterhersprintet, die ohne jegliche Gefahrenkenntnisse in die Wellen hechten. Oder wenn man einfach essen gehen möchte, abends an der Strandpromenade. Romantischer Mondschein, luftige Hose, Slipper ohne Socken. Doch dann muss das Kind schlafen, du musst es besänftigen, und nicht selten kommt es vor, dass das Einschlafprozedere länger dauert, als die Restaurants geöffnet haben.

Die Fragen stellte Julia Stanek

Reisen mit Kindern - Traumurlaub oder Chaoskommando?

    Was haben Sie mit Ihren Kindern auf Reisen durch Deutschland und die Welt erlebt? Erzählen Sie uns Ihre größten Urlaubspannen, absurde Situationen im Hotel - oder unvergessliche Reisemomente mit Ihrem Nachwuchs.

    Schreiben Sie eine Mail an spon_reise@spiegel.de mit dem Betreff "Familienurlaub" - gerne mit einem passenden Foto! Eine Auswahl von Anekdoten und Bildern werden wir bei SPIEGEL ONLINE präsentieren. Mit der Einsendung erklärt der Absender, dass er die Rechte an dem Material besitzt und mit der Veröffentlichung einverstanden ist.

Mehr zum Thema
Newsletter
Die schönsten Reiseziele: Nah und Fern


insgesamt 30 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
frenchie3 03.08.2016
1. Wie wahr, wie wahr
Nur an eines hätte ich niemals gedacht: das Kind allein im Hotel zu lassen. Der Zwerg wurde eingepackt und schlief notfalls im Restaurant ein. Kam aber selten vor denn auch so was gehört zum Abenteuer. Na ja, ich kann gut angeben, unsere Kleine war auch bei größtem Unmut kein Quengelkind.
katie_beckett 03.08.2016
2.
Ziemlich unerträglich diese 'wir haben Kinder und das Leben ist anders und schwerer als früher' Geschichten. Zeigen Sie doch mal Familien mit behinderten Kindern - da ist das Leben anders und nicht leicht. Wenn man das aufzeigen würde sind viele normale Familien Herausforderungen dann keine mehr ... und man könnte seine Familie dann auch ohne Hipster Ratgeber managen und genießen!!!
hansfrans79 03.08.2016
3.
Zitat von katie_beckettZiemlich unerträglich diese 'wir haben Kinder und das Leben ist anders und schwerer als früher' Geschichten. Zeigen Sie doch mal Familien mit behinderten Kindern - da ist das Leben anders und nicht leicht. Wenn man das aufzeigen würde sind viele normale Familien Herausforderungen dann keine mehr ... und man könnte seine Familie dann auch ohne Hipster Ratgeber managen und genießen!!!
Ziemlich unerträglich ist vor allen Dingen Ihre schlechte Laune. Was soll dieses Aufplustern auf dem Rücken behinderter Kinder? Und was kommt als nächstes? Die Familie, die z.B. ein Kind verloren hat und es noch schwerer hat als die Familie mit behindertem Kind? Ihr Leistungsfetisch ist wirklich ekelhaft!
Velociped 03.08.2016
4. gut und gut
Natürlich kann während der Autofahrt ein Hörbuch die Aufmerksamkeit der Kinder fesseln. Ein Video tut das noch mehr. Die Animation ist prima und das Babysitting am Abend ebenso. Doch was ist wirklich "gut"? Gerade wenn der Urlaub Qualitytime ist an denen die Kinder besonders viel Zeit mit ihren Eltern - insbesondere Väter - verbringen, so sind diese Ablenkungsmannöver vielleicht doch nicht ganz so gut, wie sie aussehen. Wenn auf der Fahrt (vielleicht im Zug) ein Buch gemeinsam angesehen wird, so verbindet das mehr als eine Hörspiel-CD. Wenn gemeinsam gesungen wird, so verbindet das mehr als die Musik, die hinten laut aufgedreht wird aber vorne nicht zu sehr stören soll. Insgesamt bleibt die Frage nach der Art des Urlaubs: Ist es ein Familienurlaub, bei der alle zusammen ein kindgerechtes Programm machen. Eine gemeinsame Bergwanderung von Hütte zu Hütte, eine gemeinsame Radtour mit Zelt oder ein Segeltörn sind da besonders schön. Selbst Grossstädte kann man kindgerecht gemeinsam entdecken. Oder ist es ein Ferienaufenthalt der Familie, bei der jeder sein Ding macht - am besten in einem Ressort weil da alles gleichzeitig möglich ist und es genug Spassangebote gibt, so dass niemand Kompromisse machen muss und scheinbar trotzdem niemand zu kurz kommt?
globalundnichtanders 03.08.2016
5.
Zitat von katie_beckettZiemlich unerträglich diese 'wir haben Kinder und das Leben ist anders und schwerer als früher' Geschichten. Zeigen Sie doch mal Familien mit behinderten Kindern - da ist das Leben anders und nicht leicht. Wenn man das aufzeigen würde sind viele normale Familien Herausforderungen dann keine mehr ... und man könnte seine Familie dann auch ohne Hipster Ratgeber managen und genießen!!!
Ich finde um weg vom Hipster Ratgeber zu kommen muss es mindesten eine nepalesische Bergbauernfamilie mit Conterganfolgeschäden sein, deren Urlaub im Center Parc hier beschrieben wird. Dann sind auch behinderte Kinder keine Herausforderung mehr und man kann diese dann auch ohne Hipsterratgeber managen!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.