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Urige Tipps für Köln: Wo Niedecken spielt und Biolek speist

Stadttour Köln: Mit Promis durch die Rheinmetropole Fotos
DPA

Eine Kneipe mit Charakter, ein Brauhaus, in dem der Koch auch mal das Kochen vergisst, ein Park im Café: Richtig urige Tipps für Köln kann man nur bei wahren Lokalpatrioten abstauben. BAP-Sänger Wolfgang Niedecken und Alfred Biolek mit Insider-Tipps.

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Köln ist keine Schönheit wie Hamburg oder München und erst recht keine Weltstadt wie Berlin. Und doch hängen die Kölner an ihrer Metropole. Karnevalslieder wie "Viva Colonia" und "Hey Kölle - Du bes e Jeföhl" bezeugen das. Der subtile Charme der Millionenstadt erschließt sich am besten, wenn man sich von Kölner Lokalpatrioten Tipps geben lässt.

Wolfgang Niedecken ist in der Kölner Südstadt aufgewachsen - in der Severinstraße hatte sein Vater ein Lebensmittelgeschäft Zur Großansicht
Christoph Driessen / TMN

Wolfgang Niedecken ist in der Kölner Südstadt aufgewachsen - in der Severinstraße hatte sein Vater ein Lebensmittelgeschäft

Einem wie Wolfgang Niedecken. Heimat ist für den 63-Jährigen die Severinstraße - ein uralter römischer Ausfallweg, der heute das Herz der Kölner Südstadt bildet. In dieser viel besungenen, urkölschen Straße ist für den BAP-Sänger fast jedes Haus mit einer Kindheitserinnerung verknüpft. Vor dem Eckhaus Severinstraße 1 - direkt gegenüber dem mittelalterlichen Stadttor - deutet er auf das Fenster ganz links in der zweiten Etage: "Da bin ich aufgewachsen, ich hatte hinten das letzte Zimmer." Im Erdgeschoss betrieb sein Vater Josef ein Lebensmittelgeschäft.

Zwischen den Ständen eines Bauernmarktes schaut er an der spitztürmigen Severinskirche empor, einer der zwölf wunderschönen romanischen Kirchen der Stadt: Dort ist er getauft worden, zur Kommunion gegangen und Messdiener gewesen. Niedecken mag ihn, den "Dorfzustand hier", der auch für andere Kölner "Veedel" so typisch ist.

Die Anfänge von BAP sind mit dem Namen "Chlodwig-Eck" in der Annostraße 1-3 verbunden. Hier gaben sie ihre ersten Konzerte, feierten ihre Plattenerfolge. "Ja", sagt Niedecken, "ich weiß schon, wo ich hingehör."

Der Stadtgarten ist Kölns älteste Parkanlage - Alfred Biolek wohnt hier gleich um die Ecke Zur Großansicht
Stadtgarten Köln / Laurence Vournard / TMN

Der Stadtgarten ist Kölns älteste Parkanlage - Alfred Biolek wohnt hier gleich um die Ecke

Auch Alfred Biolek hat sich von Anfang an in Köln wohlgefühlt: "Es ist eine offene Stadt, sie schließt niemanden aus. In München gehört lang nicht jeder mit dazu. In Köln schon." Der 80-Jährige wohnt im Belgischen Viertel, dem Genießerviertel von Köln voller Restaurants, Straßencafés und origineller kleiner Läden.

Der ehemalige "alfredissimo!"-Moderator empfiehlt unter anderem sein Stammlokal "Acht". Auch die Tapas-Bar "Ouzeria" schätzt er, und seinen Milchkaffee trinkt "Bio" bevorzugt im Café-Restaurant "Stadtgarten", das er von seiner Wohnung aus sehen kann. Der Stadtgarten ist Kölns älteste Parkanlage voller knorriger Baumriesen.

Überquert man vom Belgischen Viertel aus die Innere Kanalstraße - eine der berüchtigten Schnellstraßen, die Köln überall durchschneiden - kommt man ins Multikulti-Viertel Ehrenfeld. Es ist schon von Weitem an der mächtigen Kuppel der Zentralmoschee zu erkennen.

Streng genommen sei er kein Kölner, sagt Günter Wallraff, sondern Ehrenfelder Zur Großansicht
Christoph Driessen / TMN

Streng genommen sei er kein Kölner, sagt Günter Wallraff, sondern Ehrenfelder


Dies ist die Heimat von Günter Wallraff. Keine hundert Meter von seiner Wohnung entfernt pocht Ehrenfelds Hauptschlagader, die Venloer Straße. Tagsüber droht hier ständig der Verkehrsinfarkt: Autos parken in der zweiten Reihe, Lieferwagen blockieren den Radweg. Doch mitten in diesem Chaos sieht man Cafébesucher seelenruhig am Straßenrand sitzen, Tee trinken und das Gesicht in die Sonne halten. Diese entspannte Grundhaltung ist typisch für Ehrenfeld.

Günter Wallraff kennt hier jede Ecke. Da ist die über 40 Jahre alte Taverne "Alekos", dem Vernehmen nach Kölns ältester Grieche. Da ist die Traditionsgaststätte "Haus Scholzen", wo man Wochen im Voraus buchen muss. Und da ist das Weinhaus "Secco", in dem Wallraff seinen 70. Geburtstag gefeiert hat. "Streng genommen bin ich kein Kölner, sondern Ehrenfelder", stellt der Enthüllungsjournalist klar. "Hier sind Zugewanderte aus allen möglichen Kulturen. Und: Es gelingt. In den Schulen wachsen die Kinder zusammen auf."

Im Kölner Brauhaus "Päffgen" hatte Alice Schwarzer - Wahl-Kölnerin - ein Erlebnis der besonderen Art Zur Großansicht
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Im Kölner Brauhaus "Päffgen" hatte Alice Schwarzer - Wahl-Kölnerin - ein Erlebnis der besonderen Art


Viele Köln-Besucher wollen ein richtiges Brauhaus erleben - dafür ist die Kölsch-Stadt schließlich weithin bekannt. Eines der ursprünglichsten ist das "Päffgen" in der Friesenstraße. Dort hatte Alice Schwarzer - Wahl-Kölnerin seit 1976 - ein Erlebnis der besonderen Art mit der französischen Philosophin Simone de Beauvoir: Der Gast aus Paris hatte rheinischen Sauerbraten bestellt, aber nach einer Stunde stand immer noch nichts auf dem Tisch. Schwarzer ging in die Küche: "Sagt mal Leute, was ist denn los?" Die Antwort: "Der Koch ist besoffen!" Madame de Beauvoir bekam einen Lachanfall. Und Schwarzer schätzt bis heute "die selbstverständliche Offenheit der Kölner, die Herzlichkeit der Begegnung, die Selbstironie".

Nach so viel Kölschem mag einem der Sinn nach einer eher international gefärbten Location stehen. Ideal wäre dann das Kino "Metropolis", das alle Filme im Original zeigt. Hier trifft sich Kölns beachtliche englischsprachige Exil-Gemeinde.

Und vielleicht begegnet man sogar Charlotte Roche, 36, die das Kino als gebürtige Britin zu schätzen weiß. Das angrenzende Agnesviertel ist ein Schmuckstück mit vielen Gründerzeitfassaden und urgemütlichen Bars und Cafés. Die Autorin von "Feuchtgebiete" will jedenfalls nie mehr da weg. Als sie vor einiger Zeit auf dem Amt gefragt wurde, ob ihre Adresse noch stimme, hat sie geantwortet: "Ja. Und das bleibt auch so. Für immer."

Christoph Driessen/dpa/cpo/beh

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1. Das Lebensgefühl ist ansteckend!
kenterziege 14.03.2015
In Köln kann man sich sauwohl fühlen. Die Stadt ist Multikulti im besten Sinn. In der vierten Generation ist selbst de Kevin e Kölsch Jong! Von allen deutschen Grosstädten ist hier am meisten Toleranz zu Haus!
2. Ja Kölle ist ein Gefühl
Broeselbub 14.03.2015
Bin seit 30 Jahren Exilkölner. Das Heimweh habe ich nie ablegen können. So sind nur wir Kölner. Wenn die FC Hymne läuft rieselt es eiskalt den Rücken herunter. Einmal Kölner immer Kölner.
3. Na Broeselbub dann nichts wie zurück nach Köln!
haltetdendieb 14.03.2015
Ja ich wohne in der Norddeutschen Plattebene und habe auch zu Köln eine besonders Beziehung. Köln ist neben Berlin meine Lieblingsstadt in Deutschland. Und natürlich mein heimatliches Lüneburg. Aber sowohl Köln als auch Berlin sind schöne weltoffene Städte mit Menschen mit denen man schnell ins Gespräch kommt. Köln war und ist meine heimliche Liebe!
4. Na klar - et hätt noch immer jood jejange
lorenzcarla 14.03.2015
nur dass Köln die unfähigste Stadtverwaltung, die chaotischten Verkehrsverhältnisse, die republik-miesesten U-Bahn-Bauer bzw. die entsprechenden Klüngel-Baukontrolleure, die engsten und ungemütlichsten Einkaufs- und Flanierstraßen hat. Äwwer: Die Weihnachtsmärkte sind Klasse, an Karneval (und auch das ganze Jahr über) ist aber auch JEDER willkommen, Köln hat die freundlichsten Verkäuferinnen und die sensationell unfreundlichsten "Köbese" (Männer, die das Bier in Brauhäusern bringen). In keiner deutschen Stadt kann man eigentlich Fremde so locker ansprechen und Fan eines oft chaotischen Fußballvereins sein, der keine Heimspiele gewinnt, aber immer ein ausverkauftes Stadion hat. So. Ich bin übrigens gerne ne Bergische Jong, bin gerne in Köln...
5. Köln
Hank Hill 14.03.2015
hat in seiner langen Geschichte viel erlebt, und das erklärt die Gelassenheit seiner Bewohner. Die kölsche Mentalität ist gekennzeichnet von Fatalismus. Wenn man sowieso nichts machen kann, warum sich dann über einen Zustand aufregen ? Oder sich überhaupt in Bewegung setzen. Ein wichtiges Merkmal der Mentalität spürt man nur, wenn man für eine Zeit lang die Stadt verläßt. In fast allen Gegenden Deutschlands definieren sich die Einheimischen über ihre Herkunft. Sie sind nicht unfreundlich zu Fremden, aber Zugereiste bleiben Zugereiste, manche ein Leben lang. In Köln ist das etwas anders. Der in Köln geborene (Kölsche) ist natürlich auch stolz auf seine Herkunft. Es hindert ihn aber nicht daran einen anderen, fremden, zugereisten Menschen als Kölner zu akzeptieren. Und dieser kleine, feine Unterschied bewirkt, daß Menschen aus den verschiedensten Gegenden der Welt sich hier wohl und auch schnell heimisch fühlen. Im Prinzip läuft alles auf die Formel raus: "Entweder bist Du einer, oder Du bist keiner".
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