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12. Dezember 2012, 11:54 Uhr

Kölner Weihnachtsmärkte

"It's sooo christmassy"

Sie beißen in Bratwürste, lassen sich vom Punsch benebeln und jagen bunten Christbaumkugeln hinterher: Touristen aus aller Welt kommen dieser Tage nach Köln, um Weihnachtsstimmung zu tanken. Manche haben Lust auf Romantik - andere auf einen kräftigen "Gluhwein"-Rausch.

Köln - Es weht ein schneidender Wind, es geht Schneeregen nieder, aber Karin Hewlett, 71, findet es "lovely". Sie liebt die deutschen Weihnachtsmärkte, und deshalb ist sie hierhergekommen, nach Köln. Die Domstadt zieht mit ihren Märkten bundesweit die meisten Besucher an.

"It's sooo christmassy", sagt mit heftigem Kopfnicken auch Marion Burrell, 42, die Tochter von Mrs. Hewlett. Und das Wetter? "Ist in England viel schlimmer." Dort habe es Überschwemmungen gegeben. Weihnachtsmärkte gebe es in England übrigens auch, doch die seien stark überzuckert: hohe Kunstschnee-Dichte, starke Kitschtendenz.

Patty Leyendecker und Margaret Doud sind aus Dallas, Texas. Dort ist das warme Klima dem Aufkommen weihnachtlicher Gefühle abträglich. Hier dagegen finden die beiden Damen die Schneeschauer romantisch: "I love it", sagt Margaret. Sie begreift nicht, dass manche Deutsche zum Weihnachtseinkauf nach New York fliegen. "Warum sollte man das tun, wenn man das hier vor der Haustür hat?" Dabei deutet sie nach hinten, auf die Stände im Blockhüttenstil und ein Krippen-Arrangement. Die beiden Freundinnen kommen jedes Jahr im Dezember nach Deutschland und besuchen dort immer einen anderen Markt.

Thor aus Trondheim in Norwegen sagt: "Ich komme für das deutsche Bier." Die Niederländerin Hetty Geerarts hat bereits eine Wurst in ihrem Magen verstaut. Zudem hat sie es auf wärmende Getränke abgesehen. Deutschland, das Land, in dem Punsch und "Gluhwein" fließt. Doreen Vancouter und Ruth Harbert aus einem nördlichen Vorort von London wiederum verschmähen Speisen und Spirituosen. Sie konzentrieren sich auf die Jagd nach Weihnachtsgeschenken, schönem Kunsthandwerk und Christbaumschmuck.

Vor allem um die Mittagszeit, wenn die Busse mit den Tagestouristen da sind, wird an jeder Ecke Englisch gesprochen. Aus den Lautsprechern tönt ein Goldkehlchen: "Stille Nacht, heilige Nacht." Die kolossale Kathedrale im Hintergrund verleiht den Eindrücken zusätzliches Gewicht.

Abends, wenn die Lichter angehen, sind die meisten Touristen schon weg. Nicht aber die beiden Londoner Natasha, 21, und Dom, 22. Eng umschlungen stehen sie am Eingang des Markts und blicken auf den Dom, dem die Flutlichtscheinwerfer ein blasses Nachthemd übergezogen haben. Das Paar ist eigens für den Weihnachtsmarkt nach Köln geflogen, "es ist sein Weihnachtsgeschenk", sagt Natasha. Sie sind noch nie auf einem Weihnachtsmarkt gewesen, aber sie haben eine Vorstellung davon, wie es sein sollte: "Romantisch - und christmassy."

Christoph Driessen/dpa/jus

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