Trekkingurlaub in Deutschland Mit Zelt und Rucksack in die Wildnis

Wildes Campen ist in Deutschland verboten. Doch es gibt Trekkingplätze, die nur über Wanderwege erreichbar sind. Fünf Tipps für Nächte in der Wildnis.

imago/ Westend61

Zelt, Plumpsklo, Campingkocher und Ameisenstraße - von einem einsamen Nachtlager im Wald oder auf einer Wiese träumen immer mehr Wanderer. Dafür müssen sie nicht nach Skandinavien oder Kanada reisen. Fern von Campingplätzen mit allem Komfort bieten Tourismusverbände und Naturparks auch in Deutschland inzwischen entlang von Wanderrouten Trekkingplätze an. Diese Zeltplätze sind romantisch, einsam und fast wild: Wir stellen fünf davon vor:

Eifel: Trekking zu den Sternen

Trekkingcamp in der Nordeifel
SRT

Trekkingcamp in der Nordeifel

Die einzigen Fahrzeuge, die "wilde" Camper in der Eifel sehen, sind der große und kleine Wagen am Nachthimmel. Versteckt in der hügeligen Landschaft des Naturparks Hohes Venn-Eifel liegen vier Trekkingplätze fernab von Straßen, Dörfern und Städten.

Gezeltet wird unter Buchen und auf Lichtungen mit Blick auf die Eifellandschaft. Für zehn Euro übernachten Wanderer auf einer hölzernen Plattform, die Platz für zwei Zelte bietet. Den einzigen Komfort bieten ein Holztisch und Bänke. Etwas abseits steht die Komposttoilette.

Die vier Trekkingplätze sind durch eine anspruchsvolle Wanderroute miteinander verbunden. Die Touren in der Nordeifel führen durch Flusstäler, Weidelandschaften und zu alten, imposanten Bäumen. Etappenweise wandert man über den Eifelsteig. Dieses Konzept kommt bei Naturliebhabern so gut an, dass der Naturpark Nordeifel für 2019 mindestens zehn weitere Plätze plant.

Pfalz: Übernachten bei Fuchs und Hase

Trekkingcamping Südliche Weinstraße
Ben Wiesenfarth/ SRT

Trekkingcamping Südliche Weinstraße

Seit 2009 dürfen Wanderer im Biosphärenreservat Naturpark Pfälzerwald übernachten. Acht Trekkingplätze liegen abseits der gängigen Wanderrouten zwischen der Burgruine Guttenberg im Süden und dem Kalmit im Norden. Weitere sechs Plätze gibt es im Donnersberger und Lauterer Land, rund um Kaiserslautern. Sie sind alle nur zu Fuß erreichbar und verfügen über bis zu sechs Lagerplätze, eine Feuerstelle mit Sitzmöglichkeiten und ein einfaches Klohäuschen.

Mehr aber auch nicht. Wasser und Verpflegung müssen die Trekker, wie bei allen Naturlagerplätzen in Deutschland, mitbringen und ihren Müll wieder mit nach Hause nehmen. Es gilt das Prinzip: "Hinterlasse nichts außer deinen Fußspuren und nimm nichts mit außer deinen Eindrücken". Von den Plätzen führen Wanderrouten zu Badeweihern, Felsenwegen und Naturfreundehäusern.

Hunsrück: Camperwildnis auf dem Soonwaldsteig

Camp Ochsenbaumer, Naturpark Soonwald-Nahe
Peter Bender/ SRT

Camp Ochsenbaumer, Naturpark Soonwald-Nahe

Wilder Campen geht kaum in Deutschland: Mitten im Naturpark Soonwald-Nahe, entlang des rund 85 Kilometer langen Soonwaldsteigs im Hunsrück, liegen drei Trekkingcamps. Die Plätze liegen zum Teil so verborgen, dass man den Zugang suchen muss.

Doch dafür schlafen die Wanderer zwischen Buchen und Fichten, hören nachts vielleicht einen Rotfuchs umherschleichen und werden morgens vom Hämmern eines Spechts geweckt. Die Camps mit je fünf Lagerplätzen und einem Jurtenplatz sind mit einer Feuerstelle und einer Komposttoilette ausgestattet.

Der Soonwaldsteig führt durch Wildnis und Wälder, zu Burgen und Soonwaldgipfeln. Auf mehr als 40 Kilometer Wegstrecke quert er keine Siedlung und nur kleine, wenig befahrene Landstraßen. Im Rucksack muss also genügend Proviant sein. Auch ausreichend zu Trinken müssen die Trekker mitbringen, denn in den Camps gibt es kein Trinkwasser.

Video: Laubsurfing für Fortgeschrittene

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Weitere Informationen zu Trekking in Deutschland
Trekkingplätze in der Eifel
Geöffnet vom 1. April bis 31. Oktober, Kosten pro Zelt/Nacht 10 Euro. Naturpark Nordeifel, Geschäftsstelle Bahnhofstr. 16, 53947 Nettersheim, Tel. 02486/911117, www.trekking-eifel.de.
Trekking in der Pfalz
Geöffnet von April bis Oktober, Kosten pro Zelt/Nacht 10 Euro. Die Plätze können nur für eine Nacht gebucht werden. Plätze oberhalb der Südlichen Weinstrasse: Südliche Weinstrasse, An der Kreuzmühle 2, 76829 Landau, Tel: 06341/940 407; Plätze im Donnersberger und Lauterer Land: Donnersberger und Lauterer Land / DTV, Uhlandstr. 2, 67292 Kirchheimbolanden Tel. 06352/1712, www.trekking-pfalz.de.
Trekkingcamps am Soonwaldsteig
Geöffnet vom 1. April bis 31. Oktober, Kosten pro Zelt/Nacht 10 Euro, Jurtenzeltplatz 15 Euro/Nacht (1-10 Personen). Die Plätze können nur für eine Nacht gebucht werden. Buchungen unter Naheland-Touristik, Bahnhofstr. 37, 55606 Kirn, Tel. 06752/137610, www.naheland.net.; Informationen zu Trekkingcamps und Soonwaldsteig: www.soonwaldsteig.de/trekkingcamps.
Trekking im Spessart
Geöffnet von 1. April bis 31. Oktober, Kosten pro Zelt/Nacht 10 Euro. Die Plätze können nur für eine Nacht gebucht werden. Buchung über Spessartbund, Treibgasse 3, 63739 Aschaffenburg, Tel. 06021/15224, www.trekking-bayern.de.
Trekkingcamps Schwarzwald
Geöffnet von Mai bis Oktober, Kosten pro Zelt/Nacht 10 Euro. Die Plätze können nur für eine Nacht gebucht werden. Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord, Im Haus des Gastes, Hauptstr. 94, 77830 Bühlertal, Tel. 07223/957715-0, www.naturparkschwarzwald.de..

Spessart: Trekkingnächte mit Wildschweinen

Heigenbrücken im Spessart
imago/ blickwinkel

Heigenbrücken im Spessart

Im Main-Spessart schlängeln sich mehrere Trekkingrouten über Berge und durch Wälder. Im Bayerischen Staatsforst gibt es zwei Zeltplätze:

Rothenbuch I liegt in einem Eichenwald. Rund um die Feuerstelle sitzen die Wanderer auf Bänken aus Holzstämmen, daneben liegt aufgeschichtet gehacktes Holz bereit. Maximal fünf Zelte dürfen im Wald aufgestellt werden. Auch auf der Lichtung von Rothenbuch II ist Platz für fünf Zelte. Aktuell entstehen im Spessart sowie im Steigerwald und in Franken weitere Trekkingplätze.

Wer hier übernachten will, muss ausreichend Wasser mitbringen. Der Spessart ist geologisch bedingt sehr gewässerarm. An den Trekkingplätzen gibt es keine Wasserstellen. Und falls sich Wildschweine blicken lassen, klatscht man am besten laut in die Hände - das schreckt die Tiere in der Regel ab.

Schwarzwald: Sanftes Abenteuer in wilder Natur

Im Schwarzwald
Steffen Egly/ Getty Images

Im Schwarzwald

Im Schwarzwald liegen sechs Camps zwischen Baden-Baden und Freudenstadt - jedes nur zu Fuß erreichbar. Jedes Camp verfügt über maximal drei Zeltstellplätze, ein Toilettenhäuschen und eine kleine Feuerstelle.

Rund um die Camps gibt es nichts außer Natur. Gäste müssen auch hier Verpflegung und Trinkwasser mitbringen. Von Camp zu Camp führen Wandertouren durch Schluchten und auf Aussichtsberge. Unterwegs liegen ein Waldcafé, ein Naturfreundehaus, ein Waldsee und ein kleiner Wasserfall.

Sybille Boolakee, SRT

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insgesamt 20 Beiträge
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Seite 1
caligus 20.06.2018
1. "Wildes Campen ist in Deutschland verboten"
.. heißt es in der Überschrift. Und jetzt frage ich die Redakteurin: Wo steht das? Ein Verbot muss in Deutschland in einem Gesetz klar definiert sein. Ansonsten gilt der Rechtsgrundsatz: Was nicht verboten ist, ist erlaubt. Oder im Umkehrschluss: Es braucht nicht eines "Erlaubnis-Gesetzes".
teacher20 20.06.2018
2.
Was für ein Widerspruch! Da ist von "Trekking" und "Wildnis" die Rede und dann gibt es in schönster deutscher Bürokratenmanier zugewiesene Plätze, wo man sein Zelt aufschlagen darf, aber das nur nach Anmeldung und gegen Gebühr. Sicher, man will damit "wildes Campen" vermeiden und all die Folgeerscheinungen (Vermüllung), die von den temporären Großstadtflüchtlingen gedankenlos verursacht werden, aber wenn man sich verantwortungsvoll verhält, seinen Müll wieder mitnimmt und den Platz, wo man sein Zelt aufgeschlagen hat, so verlässt, wie man ihn vorgefunden hat und bei einigermaßen Verstand auch wieder vorfinden will, dann spricht m.E. nichts dagegen, auch an abgelegenen, "inoffiziellen" Plätzen zu campieren. Die Wahrscheinlichkeit, dabei vom Förster ertappt zu werden, dürfte äußerst gering sein. Ein realeres "Naturerlebnis" (immer relativ gesehen im Rahmen deutscher Möglichkeiten) als ein offizieller Zeltplatz ist das "wilde" Zelten allemal.
teacher20 20.06.2018
3.
Was für ein Widerspruch! Da ist von "Trekking" und "Wildnis" die Rede und dann gibt es in schönster deutscher Bürokratenmanier zugewiesene Plätze, wo man sein Zelt aufschlagen darf, aber das nur nach Anmeldung und gegen Gebühr. Sicher, man will damit "wildes Campen" vermeiden und all die Folgeerscheinungen (Vermüllung), die von den temporären Großstadtflüchtlingen gedankenlos verursacht werden, aber wenn man sich verantwortungsvoll verhält, seinen Müll wieder mitnimmt und den Platz, wo man sein Zelt aufgeschlagen hat, so verlässt, wie man ihn vorgefunden hat und bei einigermaßen Verstand auch wieder vorfinden will, dann spricht m.E. nichts dagegen, auch an abgelegenen, "inoffiziellen" Plätzen zu campieren. Die Wahrscheinlichkeit, dabei vom Förster ertappt zu werden, dürfte äußerst gering sein. Ein realeres "Naturerlebnis" (immer relativ gesehen im Rahmen deutscher Möglichkeiten) als ein offizieller Zeltplatz ist das "wilde" Zelten allemal.
teacher20 20.06.2018
4.
Zitat von caligus.. heißt es in der Überschrift. Und jetzt frage ich die Redakteurin: Wo steht das? Ein Verbot muss in Deutschland in einem Gesetz klar definiert sein. Ansonsten gilt der Rechtsgrundsatz: Was nicht verboten ist, ist erlaubt. Oder im Umkehrschluss: Es braucht nicht eines "Erlaubnis-Gesetzes".
h habe auf die Schnelle kein Gesetz gefunden, aber, das was ich gefunden habe, sollte er beruhigen klingen: Zitat: 10 Euro Bußgeld oder mehr Wer beim illegalen Campieren erwischt wird, kommt im besten Fall mit ein paar rügenden Worten davon und wird eventuell dazu aufgefordert, sein Lager woanders aufzuschlagen. Wildes Zelten dort,wo es verboten ist, gilt als Ordnungswidrigkeit, solange man sich sonst nichts zuschulden kommen lässt. Wer nur eine Nacht bleibt, muss in vielen Ländern keine finanziellen Konsequenzen fürchten, ansonsten liegen die Bußgelder – abhängig davon, wo man Zelt oder Wohnwagen aufgestellt hat – meist zwischen 10 und 50 Euro, teils aber auch deutlich höher. Verlässt man den Lagerplatz so, wie man ihn vorgefunden hat und nimmt seinen Müll mit, hat man in der Regel nicht allzu viel zu befürchten. Festzuhalten ist, dass das Ganze eine Ordnungswidrigkeit ist (sofern man dabei "erwischt" wird), wenn man sich nicht darüber hinaus noch etwas zuschulden kommen lässt. Wenn die Strafe für die Ordnungswidrigkeit aber nicht höher ausfällt als die Gebühr für einen offiziellen Zeltplatz (den man zudem erst noch langwierig ansteuern und suchen muss), dann...
rstevens 20.06.2018
5.
Zitat von caligus.. heißt es in der Überschrift. Und jetzt frage ich die Redakteurin: Wo steht das? Ein Verbot muss in Deutschland in einem Gesetz klar definiert sein. Ansonsten gilt der Rechtsgrundsatz: Was nicht verboten ist, ist erlaubt. Oder im Umkehrschluss: Es braucht nicht eines "Erlaubnis-Gesetzes".
Es steht im Gesetz. Allerdings nicht so plakativ einfach, wie es die Aussage im Artikel darlegt. Explizit findet man das Verbot in fast allen Ordnungen für Schutzgebiete. Seien es Naturparks, Küste, Biosphärenreservate, Landschaftsschutzgebiete. Damit sind schon mal viele der größeren Naturgebiete in Deutschland abgedeckt. Als nächstes gilt das Hausrecht der Eigentümer. Bei Wäldern z.B. wird dies in soweit beschränkt, dass Wälder betreten werden dürfen. Camping fällt aber nicht unter diese Regelung. Also muss man formal den Eigentümer fragen. Der kann Zelten natürlich erlauben, dann ist es aber nicht mehr wild. Zusammengefasst heißt das, wild Zelten ist in Deutschland eigentlich fast überall entweder explizit verboten oder zumindest in einer (dunklen) Grauzone. Eigentlich gilt, Campen muss explizit erlaubt sein. Im Gegensatz dazu gilt z.B. in den skandinavischen Ländern das Jedermannsrecht. Damit ist Campen erst mal bei Einhaltung bestimmter Bedingungen erlaubt, außer es ist an einem Ort explizit verboten. Insofern kann man die Verallgemeinerung im Artikel schon gelten lassen.
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