Binz - "Aus Grau mach bunt ist unser Credo", sagt Dennis Brosseit. Der Jugendherbergsleiter spricht über das von den Nationalsozialisten geplante Ostseebad "Koloss von Prora" auf Rügen, das nie fertiggestellt wurde. Ab dem 4. Juli ist es Mecklenburg-Vorpommerns größte Jugendherberge, ein Feriendomizil für Jugendliche und Familien direkt am Strand. In den 96 Zimmern stehen dann insgesamt 400 Betten. Ein Zeltplatz bietet zusätzlich Platz für 1000 Camper.
Das Ferienziel zwischen Sassnitz und Binz ist ein Ort mit viel Geschichte. Die Nazis begannen 1935 mit den Bauarbeiten für ein "Kraft durch Freude"-Erholungsbad der Superlative: Im "Koloss von Prora" sollte Platz für 20.000 Gäste sein. Bis heute reiht sich Häuserblock an Häuserblock.
Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939 kamen die Arbeiten zum Erliegen. In der DDR wurden die Gebäude von der Nationalen Volksarmee genutzt, unter anderem zur Unterbringung von Bausoldaten, die den "Dienst an der Waffe" verweigert hatten.
Nun sollen Urlauber in die 4500 Meter lange Ruine einziehen - allerdings nur in einen kleinen, sanierten Gebäudeteil, der gerade mal 152 Meter lang ist. Helle Zimmer, bunt gestrichene Treppenhäuser warten laut Herbergsleiter Brosselt auf Individualreisende, Familien sowie Schulklassen. Sie können zwischen Zwei-, Vier- und Sechs-Bett-Zimmern auswählen oder gegen einen Aufpreis auch ein Einzelzimmer buchen. Mit Vollpension kostet die Übernachtung im Hochsommer 31,50 Euro. Bereits seit 2008 wird auf dem Gelände ein Jugendzeltplatz betrieben, auf den maximal 250 Vier-Mann-Zelte passen.
Morgens Geschichtsstunde, nachmittags baden
Die Front in Richtung Wasser, im Rücken die Dünen - die 29. Jugendherberge Mecklenburg-Vorpommerns dürfte vor allem Badeurlauber anziehen. Sie können von hier zu Kanufahrten, Segeltörns und Surfausflügen aufbrechen. Rund 15 Minuten entfernt liegt außerdem ein Seilgarten zum Klettern.
Die Herberge wirbt mit "Erlebnis-Programmen", die sich speziell an Klassenfahrten oder Familienurlauber richten. "Aber es ist auch ein Ort, an dem man sich mit Geschichte auseinandersetzt", sagt Kathrin Röder vom Deutschen Jugendherbergswerk. In unmittelbarer Nähe zur Jugendherberge liegt das Prora-Zentrum, das als gemeinnütziger Verein regelmäßig Führungen durch den historischen Bau des NS-Regimes anbietet. Der Gebäudekomplex steht unter Denkmalschutz.
Wer noch in diesem Sommer seine Ferien in der geschichtsträchtigen Herberge verbringen möchte, kommt allerdings zu spät: Die Anlage sei bereits ausgebucht, sagt Röder.
Philipp Laage, dpa
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