Urlaub auf dem Bauernhof: Die neue Lust am Land

Kühe muhen, Hühner gackern, und Urlauber greifen zur Mistgabel. Wie das Landleben selbst gelten auch Ferien auf dem Bauernhof seit neuestem als schick - auch wenn es in der Provinz nicht immer so idyllisch zugeht wie in den neuen Lifestyle-Magazinen.

Urlaub auf dem Bauernhof: Fernab vom Großstadttrubel Fotos
DPA

Mit der Einsendung erklärt der Absender, dass er die Rechte an den Fotos besitzt, mit der Veröffentlichung einverstanden ist und die Allgemeinen Nutzungsbedingungen akzeptiert.

* optional

Vielen Dank!
Ihr Tipp wurde gespeichert - in wenigen Minuten können Sie ihn auf der Karte sehen.

Tipp mitteilen

Facebook Twitter Tipp versenden
Beitrag melden

Begründen Sie knapp, warum es mit diesem Beitrag ein Problem gibt.

Hier geht's zur großen Reise-Weltkarte

Dangast - Behutsam sammelt Hanna die Eier im Hühnerstall ein. Eins nach dem anderem reicht sie Jutta Sauer, die die Eier in einen Eimer gleiten lässt. Die Vierjährige und ihre Familie nennen das Urlaub, für Sauer ist es Arbeitsalltag. Während viele Deutsche zum Sonnenbaden nach Spanien fliegen, zieht es die Mews aufs Land. Seit vielen Jahren verbringen sie ihre Ferien auf dem Bauernhof in Dangast. Dort suchen sie vor allem eins: Ruhe.

"Entschleunigung tritt hier ganz schnell ein", sagt Erna Mews. "Allein diese Stille." Bei ihr zu Hause in Dormagen, im Städtedreieck zwischen Düsseldorf, Köln und Mönchengladbach, dröhnen Flugzeuge, eine Autobahn und Fabriken. Auf Sauers Hof, 30 Kilometer südlich von Wilhelmshaven am Jadebusen gelegen, gackern meist nur die Hühner. Seit 1984 quartiert sich Erna Mews dort regelmäßig ein - früher mit ihren Kindern, inzwischen kommen auch die Enkelinnen Hanna und Mia mit.

Auf den Weiden hinter dem roten Backsteinhaus grasen Kühe. In der Ferne brummen die Traktoren von Helmut Sauer und Sohn Hauke. Auf dem Land geht alles etwas beschaulicher zu - so empfinden es zumindest die Touristen. Doch auch die Zeit ist hier bestimmt nicht stehengeblieben. "Früher mussten wir im Sommer unsere Zimmer räumen", erinnert sich Helmut Sauer. Wenn die Feriengäste kamen, zogen er und seine Geschwister auf den Boden oder in den Stall. Die Gäste saßen beim Abendbrot mit am Tisch und packten auf dem Hof an.

Trend zum Hofurlaub

Heute vermietet die Familie auf ihrem Grundstück drei Wohnungen und zwei Ferienhäuser. Auch die Landwirtschaft hat sich gewandelt: Urlauber, die vom Kühemelken oder der Maisernte träumen, könnten enttäuscht sein. "Das ist mittlerweile alles so hochtechnisiert, da ist nicht mehr viel mit Helfen", meint Sauer. Hühner füttern, den Pferdestall ausmisten, im Garten wühlen und Trecker fahren - Städtern bietet das Landleben trotzdem noch Handfestes.

4,5 Millionen Deutsche verbrachten nach der jüngsten Reiseanalyse des Bundeslandwirtschaftsministeriums von Mai 2010 bis Mai 2011 ihren Urlaub auf dem Bauernhof. Diese Zahlen basieren allerdings auf einer repräsentativen Umfrage, eine genaue Statistik gibt es nicht. Danach macht der Bauernhofurlaub zurzeit zwar nur sechs Prozent der knapp 87 Millionen Inlandsreisen aus. Branchenvertreter gehen aber von einer steigenden Tendenz aus.

"Die Zahl der Übernachtungen nimmt kontinuierlich zu", sagt der Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft für Urlaub auf dem Bauernhof und Landtourismus, Frank Wetterich. Wie das Landleben selbst gilt auch der Urlaub in idyllischer Abgeschiedenheit seit neuestem als schick. "In Zeiten der Globalisierung gibt es ein steigendes Bedürfnis nach überschaubaren Zusammenhängen", begründet Wetterich. "Die Leute wollen wissen, wo die Milch herkommt."

"Alles, was wir in der Stadt nicht haben"

Anonyme All-inclusive-Bettenburgen und überfrachtete Rundreisen durch ferne Länder ziehen oft nicht mehr. Das Exotische findet sich neuerdings vor der Haustür. "Fast jeder war schon auf Mallorca, aber nicht im Elbsandsteingebirge", sagt die Trendforscherin Josefine Sporer. Im Alltag klimpern die meisten Menschen nur noch auf der Computertastatur rum oder betatschen das iPhone. Auf dem Bauernhof können sie mit der Mistgabel in der Hand dagegen noch ordentlich ins Schwitzen geraten. "Das Landleben verkörpert alles, was wir in der Stadt nicht haben", sagt die Expertin vom Hamburger Trendbüro.

Bei den Sauers brummt auf jeden Fall das Geschäft. Von Ostern bis zum Ende der Herbstferien sind ihre Unterkünfte immer ausgebucht - was aber auch an der Lage liegt, gibt Jutta Sauer zu. "Der Strand ist nur einen Kilometer entfernt." Deshalb stehen ihre Gäste nicht vor der Wahl: entweder Sonnenbaden oder Kuhstall. Sie können beides haben.

Irena Güttel, dpa

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Klasse...
throatwobblermangrove 29.05.2012
... gaanz toll - und die Tochter von Sandra Mews versucht auf Foto Nr. 2 dem Pony mit der Heugabel das Auge auszustechen! Tolle Idee, wenn das Kind sich nicht traut, das Pony mit der Hand zu füttern...
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Reise
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Deutschland
RSS
alles zum Thema Familienreisen
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 1 Kommentar
Fotostrecke
Machen Sie mit: So funktioniert die Reisekarte