Defizitäres Angebot Deutsche Bahn stellt Autoreisezug-Verkehr in Frage

Der Autoreiseverkehr der Deutschen Bahn gilt als unrentabel. Nun zieht der Konzern nach SPIEGEL-Informationen in Betracht, aus einigen Angeboten auszusteigen. Auch das Schlaf- und Liegewagenangebot ist defizitär.

Autozug am Terminal Wannsee in Berlin: Unrentabler Verkehr
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Autozug am Terminal Wannsee in Berlin: Unrentabler Verkehr


Hamburg - Die Deutsche Bahn erwägt einen Ausstieg aus dem Autoreisezug-Verkehr. Ab Mai 2014 gibt es keine Autozug-Angebote mehr von Berlin-Wannsee aus. Derzeit fahren solche Züge auch ab Hamburg und Düsseldorf unter anderem nach Österreich, Norditalien und Südfrankreich. Im vergangenen Jahr hatte die Bahn bereits Verbindungen von Berlin ins Ausland gestrichen, es fuhr aber noch ein Autozug nach München.

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Manche Autotransportwagen sind mittlerweile so betagt, dass sie nach und nach ihre Betriebsgenehmigungen verlieren. Eine Neuanschaffung wäre schwierig, wie ein Bahn-Manager dem SPIEGEL sagte: "Die Wagen werden gar nicht mehr hergestellt, man müsste eine Sonderanfertigung bestellen."

Im Konzern gilt der Autoreiseverkehr, trotz hoher Preise, als unrentabel. Auch beim regulären - ebenfalls defizitären - Schlaf- und Liegewagenangebot, sieht die Bahn Schwierigkeiten. Es gebe Qualitätsprobleme, das Rangieren mit verschiedenen Zugteilen reiße die Fahrgäste manchmal aus dem Schlaf, nicht alle Wagen seien zeitgemäß ausgestattet.

Zudem machen deutsche Brücken der Bahn Ärger. Nach Aussage von Bahn-Chef Rüdiger Grube drohen bald erste Brückensperrungen im Land. "Leider sind wir nicht mehr weit davon entfernt", sagte Grube der "Wirtschaftswoche". 1400 Brücken müssten dringend saniert werden.

"Mit der derzeitigen Finanzausstattung schaffen wir pro Jahr aber nur 125 Brücken", sagte Grube. Die Auswirkung gesperrter Brücken seien verheerend: Würde etwa eine wichtige Brücke am Frankfurter Hauptbahnhof gesperrt, müssten Züge in ganz Deutschland umgeleitet werden. Auf einen Schlag würde die Bahn damit 33.000 Verspätungsminuten pro Tag ansammeln. "Das wären rund 130 Prozent mehr als an einem durchschnittlichen Tag", sagte Grube.

kha/dpa

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insgesamt 185 Beiträge
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Tr1ple 24.11.2013
1. Richtig so anstatt in neue Wagen und Angebote zu Investieren
gleich einstellen. Die Nacht und Schlafwagenzüge brauchen eine Ewigkeit bis sie am Ziel sind. Vielleicht sollte man mal einen Nachtzug machen der schnell ist.
eugenius3 24.11.2013
2. Überraschung!
Ups! Die Brücken sind hin! Völlig überraschend? Wohl kaum. Die Haltung des Außen hui, innen pfui macht's möglich. Mit ihrer Infrastruktur geht die Bahn um wie mit dem Rest ihres Equipments — aus Kostengründen an der Wartung sparen, bis alles Gerät beinahe auseinander fällt und dann jammern. Zwischendurch immer wieder die ohnehin schon völlig überteuerten Fahrpreise erhöhen und jedes Jahr stolz die satten Gewinne kundtun. Ist leider auch bei der Bahn nur das Symptom eines weit verbreiteten Phänomens. Finis germaniae ...
fxe1200 24.11.2013
3. Mit dem Motorrad von Nord nach Sued..
...ohne Autobahn oder nass zu werden. Und dann weiter durch Südfrankreich und Spanien. Schade, wenn das nicht mehr möglich ist. Wer Milliarden für den S21 verplempert, sollte für Brücken und neue Liegewagen auch Geld haben.
bbkingbaby 24.11.2013
4. Donnerbüchsen
Die Rangiererei ist ja noch erträglich. Aber die "Ruhewagen" haben oft derartig laute Rollgeräusche und Resonanzen dass da wirklich keiner auch nur an Ruhe denn gar Schlaf denken kann...
DrStrom66 24.11.2013
5. Brueckensanierung ?
Ach , das weis man erst seit heute ?
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