Kuriositäten-Museum: Seemannsgarn zum Anfassen

Ein legendäres Mini-U-Boot, riesige Ratten und das Toilettenfenster der "Titanic": Im Museum "Spijöök" im niedersächsischen Varel werden allerhand Skurrilitäten ausgestellt - das meiste ist jedoch kompletter Humbug.

Niedersachsen: Ein Museum voll Humbug Fotos
dapd

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Das Ein-Mann-U-Boot wurde für Forschungszwecke im Wattenmeer konstruiert. Es tauchte bei Flut und wurde bei Ebbe ganz einfach von Helfern auf Kufen über den Schlick wieder an Land gezogen. "Dadurch konnte man völlig auf Druckluftkammern, Kompressoren oder Armaturen verzichten", sagt sein Erfinder Gerald Chmielewski und grinst verschmitzt. Das Ein-Mann-U-Boot war eines der ersten Exponate im "Spijöök" (Plattdeutsch für Ulk), dem Museum für Kuriositäten und Seemannslegenden im niedersächsischen Varel.

"Wir verschmelzen Realität mit absolutem Humbug", sagt Chmielewski mit einer weit ausladenden Geste. Der etwa 100 Quadratmeter große Raum direkt am Vareler Hafen im Landkreis Friesland ist bis zur Decke vollgestopft mit zumeist selbst gebauten Ausstellungsstücken.

So hängt zwischen den Fischernetzen ein riesiger Aal, der eine Markierungsboje verschluckt hat, auf einem Tischchen steht eine tragbare Schnapsbrennerei, Buddelschiffe reihen sich in den Regalen aneinander, ein Toilettenfenster der "Titanic" lehnt an der Wand, ungesattelte Seepferdchen sind in Vitrinen eingeschlossen und neben Admiral Brommy wartet eine Seemannsbraut auf ihren Matrosen.

Alles erstunken und erlogen

"Unser Herzstück ist die Kneipe 'Captain Bluff'. Wer hier sein Bier trank, wachte in der Karibik wieder auf", erzählt "Spijöök"-Gründer Chmielewski staunenden Besuchern aus Wilhelmshaven. Bekleidet mit einer blauen Uniformjacke lehnt der 53-Jährige an dem Kneipentresen, der aus einem alten aufgeschnittenen Ruderboot gefertigt ist. "Zechprellern wurde hier der Finger abgehackt, deshalb durften auch nur Mitglieder rein", erklärt er mit sichtlichem Spaß am eigenen Seemannsgarn.

Zur Demonstration hält er ein verschraubtes Glas hoch, in dem deutlich ein Zeigefinger zu erkennen ist. Die Gruppe lacht. Solche Scherzartikel kennen sie von Partys. "Im Grunde ist alles, was präsentiert wird, erstunken und erlogen", schätzt Besucher Klaus Lübben, der sich prächtig amüsiert.

Die Idee zu dem Museum war Zufall. "Vor einigen Jahren wollten wir, die Künstleraktionsgruppe 'Menschenmüll', einen sozialkritischen Film drehen, aber das war sehr aufwändig und am Ende eher Slapstick", räumt Chmielewski freimütig ein. Weil ihnen das Ernste nicht liege, hätten sie beschlossen, Theater zu spielen und Klamauk zu machen. Auf der Suche nach einem Raum für ihren Fundus seien sie auf den ehemaligen Trockenschuppen für Ziegelsteine direkt am Hafen gestoßen. So sei das "Spijöök" entstanden.

Ratten von außergewöhnlicher Größe

Einmal im Jahr fahren Chmielewski und seine Freunde mit einem acht Meter langen Holzschiff zum Brainstorming raus auf See. Dabei fallen ihnen solche Geschichten wie beispielsweise die von dem gelben ausgemusterten Bell-Hubschrauber ein, der vor dem "Spijöök" geparkt steht.

"Der Pilot des Lufttaxis Varel - Lissabon hat nach einem Flug durch den Wesertunnel, bei dem die Rotorblätter abgebrochen sind, seine Lizenz verloren", erinnert sich Chmielewski mit einem Augenzwinkern. Der Hubschrauber sei nebenbei bemerkt echt, ebenso wie der Motor eines amerikanischen B-17-Bombers, der vor zehn Jahren einem Fischer in der Außenjade ins Netz gegangen sei, beteuert er.

Sein Lieblingsfundstück ist das Skelett der berühmt-berüchtigten RVAG. "Das sind Ratten von außergewöhnlicher Größe", weiß der 53-Jährige, der als freiberuflicher Grafiker arbeitet, und zeigt auf ein 40 Zentimeter langes Knochengestell aus Tonmasse.

Besucherin Weronika Theiler hat ihr Lieblingsexponat ebenfalls in der friesischen Tierwelt gefunden: Die fliegenden Fische, die Chmielewski zu seinem Bedauern nicht mehr zeigen kann, weil jemand die Käfigtür aufgelassen hat.

Manuela Ellmers/dapd/dkr

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