Urlaub zu Fuß Deutschlands schönste Grenzwanderwege

Wandern auf Grenzen, die es nicht mehr gibt: Wege, die in Deutschlands Nachbarländer führen, erzählen viel über die Geschichte der Region. Wir stellen sechs Touren vor.

Kurt Groß/Tourist-Information Dahner Felsenland/dpa-tmn

Gendarmenpfad oder Grenzerweg: Oft verraten schon die Namen der Wege viel über ihre frühere Bedeutung. Entlang der Grenze von Deutschland zu seinen Nachbarländern führen zahlreiche Wanderwege, die mehrere Tage lang erkundet werden können. Wir stellen sechs vor.

Burgenweg: Friedliche Ruinen im einst umkämpften Gebiet

Kurt Groß/Tourist-Information Dahner Felsenland/dpa-tmn

Grenzenlos von Burg zu Burg - der Deutsch-Französische Burgenweg verbindet acht Ruinen zwischen dem Pfälzer Wald und den Nordvogesen im benachbarten Elsass. Wer sie alle in zwei oder drei Etappen auf 32 Kilometern nacheinander abwandert, findet viele Gemeinsamkeiten und kaum Trennendes. Schließlich ist der rote Sandstein mit seinen markanten Verwitterungsformen dies- und jenseits der Grenze gleichermaßen vertreten, bewaldete Bergkuppen, friedliche Täler und charmante Dörfer ebenfalls.

Oben auf den verwitterten Burgtürmen wird man mit einem weitreichenden Ausblick für die Strapazen des Aufstiegs belohnt. Das gilt auch für das Friedenskreuz beim Grenzberg Maimont. Es erinnert daran, dass die Grenze nicht immer so offen und friedlich, sondern am Anfang des Zweiten Weltkriegs blutig umkämpft war.

Salzalpensteig: Hoch hinaus in 18 Etappen

Viorel Munteanu/dpa-tmn

Hoch hinaus geht der 2015 eröffnete Salzalpensteig. Vom Chiemsee in Bayern führt er in 18 Etappen und 230 Kilometern bis ins Salzkammergut in Österreich. Das weiße Gold der Alpen ist denn auch der rote Faden auf dem Weg, es sorgte für Besiedlung, Handel und Wohlstand. Dass in Bad Reichenhall und Hallstatt bereits die Kelten Salz abbauten, wird aus den Namen abgeleitet - Hall ist das keltische Wort für Salz.

Unterwegs kann man im österreichischen Salzmuseum in Grassau Soleleitungswege, Bergstollen und eine Solepumpstation besichtigen und versteht, wie Wasserversorgung und Salzgewinnung gekoppelt sind. Die Salzquellen und Vorkommen liegen zwischen Chiemsee, Königssee und Hallstätter See.

Grenzerweg: Biotop zwischen Wachtürmen

Andreas Hub/Frankenwald Tourismus/dpa-tmn

Wandern auf einer Grenze, die es gar nicht mehr gibt, aber vor 30 Jahren noch unüberwindbar war? Die Rundwanderung Grenzerweg führt vom fränkischen Carlsgrün ins thüringische Schlegel und auf der anderen Seite wieder zurück. Dabei folgt der knapp 17 Kilometer lange Weg vor allem auf der bayerischen Seite dem ehemaligen Eisernen Vorhang, der heute als "Grünes Band" bezeichnet wird, einem zwischen Wachtürmen, Minen und Metallzäunen entstandenen Biotop.

Unterschiede gibt es auch ohne Grenzpfosten nach wie vor, etwa zwischen oberfränkischem und thüringischem Dialekt oder der Wasserscheide. Während auf der nördlichen Hälfte des Weges die Bäche in Richtung Saale und Elbe fließen, sammeln sie sich südlich gen Main und Rhein.

Polen: Unterwegs ans Pompeij an der Oder

Aneta Szczesniewicz/MuV GmbH Frankfurt (Oder)/dpa-tmn

Und unser östlicher Nachbar? Klar verlaufen durch Polen auch europäische Fernwanderwege. Aber ein deutsch-polnischer Wanderweg, der auch die wechselvolle Geschichte zum Thema macht, ist schwer zu finden.

Wer doch auf geschichtsträchtigen Pfaden wandeln will, kann von der Kleist-Stadt Frankfurt auf der deutschen Seite über den Jakobsweg bis nach Lebus und weiter an der Oder entlang nach Kiez wandern - bis 1945 ein Stadtteil von Küstrin. Heute heißt die alte Festung Kostrzyn. Die grün bewachsenen Ruinen in der Altstadt wurden nach den totalen Kriegszerstörungen auch als "Pompeji an der Oder" bekannt. Dort liegt auch der Zugang zum Nationalpark Warthemündung, der als Paradies für Vögel und Wanderer gilt.

Gendarmenpfad: Deutsch-dänische Ostseewanderung

Nabu Flensburg/dpa-tmn

Gendarmstien, zu Deutsch Gendarmenpfad, das klingt förmlich nach Grenze: Auf über 70 Kilometern folgt er der Route der dänischen Grenzer auf der Nordseite der Flensburger Förde. Ein blaues Gendarmenmännchen weist den Weg zwischen Høruphav (östlich von Sønderborg) und Padborg.

Wer aber die Flensburger Förde ganz umwandern will, überquert den Grenzfluss Kruså (Krusau) über eine Holzbrücke. In Deutschland ändert der Weg dann zwar seinen Namen und das Logo, aber nicht die guten Aussichten auf Wasser, Höhen und Hinterland: Der Fördesteig mit einer blau-weißen Ansicht der Flensburger Förde in der Beschilderung führt 70 Kilometer auf deutscher Seite weiter, über Flensburg, Glücksburg bis zum Leuchtturm in Falshöft, dem Endpunkt einer deutsch-dänischen Ostseewanderung.

Töddenweg: Auf deutsch-niederländischen Händlerspuren

Euregio/dpa-tmn

Wandern, wo einst die Tödden wirkten: Das sind reisende Händler, die zunächst in Holland, dann in ganz Nordeuropa Leinenrollen verkauften. Ihren Spuren folgt der deutsch-holländische Handelsweg auf über 200 Kilometern von Osnabrück bis Deventer.

Wer lieber auf naturbelassenen Pfaden wandern und nicht auf asphaltierten Wirtschaftswegen radeln will, startet am besten erst in Rheine oder Bad Bentheim. Vom ehemaligen Dorf Gildehaus, heute ein Bentheimer Stadtteil, läuft man an der historischen Ostmühle entlang und blickt bis ins Tal des Flusses Dinkel in die Niederlande hinunter.

Neben dem deutsch-niederländischen Handelsweg, der im deutschen Teil Töddenweg heißt, machen weitere Wege wie der Noaberpad (Nachbarschaftsweg, 415 Kilometer) oder der Kommiesenpad (Zöllnerpfad, 18 Kilometer und Rundwege) die deutsch-niederländische Grenze zum Thema.

Deike Uhtenwoldt, dpa



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112211 22.05.2018
1. Innerdeutsch
Es geht auch innerdeutsch, wobei ich damit nicht die deutsch-deutsche Grenze meine. Gemeint sind die vielen kleinen Grenzen, die es in Deutschland gab, und zwar im 19. Jahrhundert und davor. Diese Wege sind schwer zu finden. Wenn man Glück hat, gibt es noch alte Grenzsteine, an denen man sich orientieren kann. Solche Wege gibt es beispielsweise im Nordschwarzwald: dort verläuft der sogenannte Mittelweg abschnittsweise auf einer solchen Grenzlinie bzw. in der Nähe davon. Wie gesagt sind diese Wege nur schwer zu finden, da muss man schon mal vorab recherchieren, aber es lohnt sich, sich auf die (Grenz-)Spuren der Urahnen zu machen.
Europa! 22.05.2018
2. Im Osten
Die deutsch-polnische Grenze ist mehr was fürs Fahrrad. Der Oder-Neiße-Radweg ist ein Traum. Von der Neißequelle nach Zittau und Görlitz, Bad Muskau, Forst und Guben; dann auf dem Oderdeich nach Eisenhüttenstadt, Frankfurt, Küstrin, Oderberg bis nach Schwedt, Uckermünde und Swinousje. Die goldene Regel: Fast autofrei auf dem gut ausgebauten Fahrradweg in Sachsen, Brandenburg und Vorpommern fahren, die Übernachtungen, Cafés und Rundgänge in den schönen Städten genießen - und, wo es Brücken gibt, auf der polnischen Seite deftig essen und trinken.
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