30. November 2012, 15:48 Uhr

Weihnachtsmärkte zwischen Rostock und Stuttgart

Frivol, fürstlich, festlich

Gleitgelverkauf und Sexberatung, Hochseilakrobatik und Schneeschatzsuche: Weihnachtsmärkte sind längst keine reinen Punschtankstellen mehr - und besinnliche Orte schon gar nicht. Die Städte buhlen mit originellen Attraktionen um Adventstouristen. Eine Übersicht für einen Kurztrip im Dezember.

Hamburg - Bühne frei für Eierpunsch und Engelslocken: Mit dem traditionellen Prolog von der Empore der Frauenkirche wird das Christkind Franziska Handke am Freitagnachmittag den berühmten Christkindlesmarkt in Nürnberg eröffnen. Rund zwei Millionen Besucher aus aller Welt werden sich bis zum 24. Dezember über Lebkuchen und Früchtebrot stürzen, Punsch schlürfen und ihr Möglichstes geben, die gerade gekauften Christbaumkugeln heil durch die Menschenmassen zu transportieren.

Der Nürnberger Christkindlesmarkt zählt zu den ältesten und schönsten Weihnachtsmärkten in Deutschland. Er wurde 1628 als "Kindles-Marck" in einer Inschrift auf dem Boden einer Holzschatulle erstmals schriftlich erwähnt. Mit seinem traditionellen Warenangebot ist er der Inbegriff des deutschen Weihnachtsmarkts - doch er hat massenweise Konkurrenz.

Zwischen Ostsee und Schwarzwald locken die Städte Touristen mit Superlativen, originellen Themen und exotischen Produkten aus der ganzen Welt auf ihre Märkte. Ein paar Anregungen für einen weihnachtlichen Kurztrip im Dezember, meist sind die Stände bis 23. Dezember geöffnet:

Berlin: Holzschnitzer in der Hauptstadt

Die Hauptstadt hat gleich mehrere Weihnachtsmärkte im Angebot. Romantiker werden sich auf dem Gendarmenmarkt wohlfühlen: Im Kunsthandwerkerzelt können Besucher beobachten, wie Holzschnitzer, Gürtler, Kammmacher und viele andere internationale Handwerkskünstler zu Werke gehen. Am Roten Rathaus tobt dagegen der Bär: Ein Riesenrad mit Panoramagondeln dreht sich, auf der Eisbahn kann man Schlittschuh laufen und der Weihnachtsmann fährt mit dem Schlitten über ein Hochseil. Alle Termine finden Sie hier.

Hessen: Feiern mit Schwulen und Schneewittchen

In Frankfurt gibt es erstmals einen eigenen Abschnitt für Schwule und Lesben, "Pink Christmas" genannt. Der Bereich mit etwa 15 Ständen ist laut Organisatoren aber nicht nur der Gay Community vorbehalten. Ein weiterer Anziehungspunkt ist der Weihnachtsbaum auf dem Römerberg, eine 120 Jahre alte Fichte aus Inzell in Oberbayern, die mit 5000 energieeffizienten LEDs beleuchtet wird.

Auf dem Weihnachtsmarkt in Kassel drehen sich Schneewittchen, Dornröschen und Rotkäppchen im Kreis. Die Märchenfiguren stehen auf einer 23,5 Meter hohen Pyramide - nach Angaben der Veranstalter soll es die weltgrößte sein. Übergroß präsentiert sich auch der Adventskalender an der Fassade des Rathauses. Auf 300 Quadratmetern verbirgt sich hinter jedem Türchen ein weihnachtliches Motiv, von Bürgern fotografiert und von einer Jury ausgewählt.

Bayern: Erwärmtes Dunkelbier und ein Sex-Ratgeber

Der größte Weihnachtsmarkt im Freistaat steht auf dem Marienplatz in München. Auf rund 25.000 Quadratmetern Marktfläche werden auf dem Christkindlmarkt bis 24. Dezember auch zwei neue Produkte angeboten: Glühbier und Stachelbier. Ersteres ist ein erwärmtes Dunkelbier in den drei Gewürzvarianten "Krampus" (Zimt, Ingwer, Piment), "Dunkler Engel" (Zimt, Nelke, Karamell und Apfel) sowie "Nikolaus" (Orange, Zitrone, Vanille und Lebkuchen), und für das "Stachelbier" wird der Schaum eines kühlen Bockbieres mit einem heißen Metallstachel erhitzt und karamellisiert, wodurch das Bier noch malziger schmecken soll.

Im Glockenbachviertel trifft sich die schwul-lesbische Community - zwischen Kokosmakronen, Nougattalern und Spekulatius finden sich dort auch Kondome, Gleitgel und Sex-Ratgeber.

Baden-Württemberg: Schafe streicheln

Der größte Weihnachtsmarkt im Südwesten Deutschlands steht in Stuttgart, wo rund 280 Händler vor der Kulisse von Neuem und Altem Schloss ein Angebot von A wie Ausstecherle bis Z wie Zimt bieten. Eine Attraktion für Kinder ist die "lebende Krippe" mit Lämmern, Schafen, Ziegen und einem Esel.

Hamburg: Strip-Zelt auf dem Spielbudenplatz

In der Hansestadt gibt es neben einem "historischen" auch einen "erotischen" Weihnachtsmarkt: Auf "Santa Pauli" laden die Betreiber von etwa 40 Hütten "zum frivolen Bummeln" ein. Außerdem gibt es auf dem Spielbudenplatz an der Reeperbahn ein Unterhaltungsprogramm aus Live-Musik und Varieté inklusive Strip-Show im Zelt.

Nordrhein-Westfalen: Schneeschatzsuche in Düsseldorf

Zu den größten Weihnachtsmärkten in Deutschland zählt der Düsseldorfer. Rund um die Königsallee, deren Kastanienbäume in der Adventszeit mit Tausenden Lichtern geschmückt sind, finden Besucher an rund 250 Ständen Kunsthandwerk sowie süße und herzhafte Leckereien. Wieder im Angebot ist die Weihnachtshütte der guten Taten, wo Lose zu 50 Cent für den guten Zweck erstanden werden können. Kinder können Weihnachtssterne angeln, auf eine Schneeschatzsuche gehen oder am Weihnachtsglücksrad drehen.

Auf dem Internationalen Weihnachtsmarkt in Essen werden sich diejenigen wohlfühlen, die sich für andere Länder und deren Traditionen interessieren. Der Markt bietet an 250 Ständen Exotisches und Kulinarisches aus aller Welt - darunter zum Beispiel Holzschnitzereien aus Südtirol, Silberschmuck aus Thailand und Indien sowie lustige Weihnachtsgeschenke aus den Vereinigten Staaten.

Der nach Angaben der Veranstalter größte Weihnachtsbaum Deutschlands steht auf dem Weihnachtsmarkt in Dortmund (bis 26. Dezember): Vier Wochen dauert der Aufbau des 45 Meter hohen Wahrzeichens, für das rund 1700 Rotfichten benötigt werden. 48.000 Lämpchen, 20 jeweils 2,50 Meter hohe Kerzen, 57 Leuchtornamente und ein 200 Kilogramm schwerer Engel schmücken den Baum.

Saarland bis Sachsen: Hochseilakrobatik und der Pfefferkuchen-Klassiker

Rheinland-Pfalz: Gang ins Weinfass

Die Organisatoren des Weihnachtsmarktes rund um den Dom in Mainz bieten in diesem Jahr eine Besonderheit: Erstmals können Besucher in 20 großen, beheizten Weinfässern verweilen und darin Glühwein von Mainzer Winzern genießen.

Das würzige Getränk steht auch im Mittelpunkt des Weihnachtsmarktes in Trier. Dort wird die einzige Glühweinkönigin in Deutschland gekürt. Die 23 Jahre alte Sabine Braunert soll in Trier und auf weiteren Weihnachtsmärkten für Winzerglühwein werben.

Saarland: Fahrt mit dem Nostalgie-Riesenrad

Der Christkindlmarkt in Saarbrücken lockt nach Angaben der Veranstalter mit einer Wichtelwerkstatt, in der Kinder weihnachtliche Karten und Fensterdeko basteln können, einem Nostalgie-Riesenrad, Konzerten unterschiedlicher Musikgruppen und Chören sowie einer Hochseilakrobatik-Show, bei welcher der "fliegende Weihnachtsmann" aus luftiger Höhe die Geschichte von Rudolf, seinem Rentier mit der roten Nase, erzählt.

Mecklenburg-Vorpommern: Sturzflüge in Rostock

In Rostock (bis 22. Dezember) präsentieren sich in der Innenstadt mehr als 250 Schausteller und Markthändler aus dem In- und Ausland. Der historische Weihnachtsmarkt im Klostergarten biete mittelalterliches Flair, aber auch Kirmes-Fans kommen auf ihre Kosten: Auf sie warten Attraktionen wie Riesenrad, Achterbahn und eine Riesenschaukel mit Sturzflügen aus 27 Metern Höhe.

Thüringen: Schnitzkunst aus dem Erzgebirge

Auf dem Weihnachtsmarkt in Erfurt (bis 22. Dezember) werden Spezialitäten aus dem Bundesland angeboten wie Erfurter Schittchen und Thüringer Bratwürste sowie Handwerkserzeugnisse wie Christbaumschmuck und Töpferware. Attraktionen sind die Weihnachtstanne mit 14 handgeschnitzten, fast lebensgroßen Holzfiguren und eine zwölf Meter hohe Erzgebirgische Weihnachtspyramide.

Sachsen-Anhalt: 35 Meter lange Weihnachtsrutsche

Auf dem Weihnachtsmarkt in Magdeburg (bis 30. Dezember) bieten die Händler in den 135 Holzhäuschen vor dem historischen Rathaus Holzspielzeug, Töpferwaren, Glühwein und Süßigkeiten an. Die Besucher erwartet auch eine Eislaufbahn, ein mittelalterliches Badehaus sowie eine 35 Meter lange Weihnachtsrutsche.

Den nach eigenen Angaben größten Adventskalender Deutschlands können Besucher in der Unesco-Welterbestadt Quedlinburg im Harz bestaunen. Ab dem 1. Dezember wird jeden Tag die Tür eines historischen Fachwerkhauses geöffnet, aus dem Märchenfiguren austreten und für die Besucher singen und tanzen. Zum traditionellen "Advent in den Höfen" öffnen an den ersten drei Wochenenden im Dezember 24 Häuser in der historischen Innenstadt ihre Innenhöfe. Dort bieten Händler Kunsthandwerk und weihnachtliche Gerichte an.

Sachsen: Klassiker mit Pfefferkuchen

Der Striezelmarkt in Dresden ist den Angaben zufolge mit 578 Jahren der älteste Weihnachtsmarkt Deutschlands (bis 24. Dezember). Mehr als 230 Händler bieten Kunsthandwerk und Leckereien an, rund 160 Aktionen stehen auf dem Programm. Höhepunkte sind die traditionellen Veranstaltungen an den Adventswochenenden: das Pflaumentoffel- und Pfefferkuchenfest (1./2. Dezember), das Dresdner Stollenfest (8. Dezember) und das Pyramiden- und Schwibbogenfest (15./16. Dezember).

Claudia Arthen/dpa/dapd/jus


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