Winterausflug zum Brocken: Harz-Tour mit Lok und Grog 

Eine Fahrt mit der Harzer Schmalspurbahn bringt Winterreisende nicht nur auf den Brocken, sondern auch auf Weihnachtsmärkte in Sachsen-Anhalt und Thüringen. Der Budenzauber lässt Fachwerkstädte und Hinterhöfe erstrahlen - und sogar ein Schloss.

Harz-Wochenende: Schneereise im Schmalspurzug Fotos
TMN

Wernigerode/Goslar - In den Holzabteilen des Traditionszuges der Harzer Schmalspurbahn ist es wohlig warm. Der Heizer auf der betagten Dampflok schaufelt und schaufelt, während der Lokführer die Bahn auf den nahen, 1141 Meter hohen Brocken in Sachsen-Anhalt steuert. Manche Fahrgäste haben inzwischen heiße Ohren, legen Schal und Mantel ab. Grog, Kaffee und Glühwein aus Thermoskannen lassen die Körpertemperatur steigen.

Gebannt blicken die weihnachtlich gestimmten Ausflügler aus dem Fenster. Verschneite Nadelwälder mit Ästen, die sich unter der weißen Last biegen, wechseln sich mit schneeverwehten Hochflächen ab - je höher, desto weißer und kälter. Hier im Oberharz fiel Anfang Oktober der erste Schnee. Eine Woche davor waren es noch warme 22 Grad.

Bei einem längeren Halt am Bahnhof Drei Annen Hohne bunkern die zwei Dampflokomotiven nochmals Wasser. Manche Fahrgäste verziehen sich in der Gaststätte "Harzquerbahn". Täglich halten hier auf 542 Meter Höhe fünf und mehr Züge - alle mit Dampflok und geeignet für die Ein-Meter-Schmalspur.

Der Traditionszug schnauft sich die nächsten 50 Minuten das steilste, 19 Kilometer lange Teilstück bis zum Gipfel hoch. Das weiße Panorama ist grandios. Zugführer Rolf Apel prüft Tickets, hält ein paar Schwätzchen und mahnt eine Mutter mit Kleinkind draußen auf der Waggon-Plattform bei eisigem Wind zur Vorsicht.

Christstollen im Proviant-Rucksack

"Ich genieße jede Fahrt - bei jedem Wetter", sagt Bahnenthusiast Apel. Er hat zu DDR-Zeiten bei der Reichsbahn gearbeitet, seit Jahren ist er nun mit Leib und Seele bei der Harzer Schmalspurbahnen GmbH tätig. Beim Halt in Schierke erzählt der 57-Jährige von früher: "Hier endeten fast drei Jahrzehnte lang die Züge. Alle mussten aussteigen." Als die Mauer zwischen 1961 und 1989 noch Ost und West trennte, sperrte die DDR den Brocken. Er war militärisches Gebiet, Lausch- und Spähanlage.

Weiter in Richtung Gipfel wird der Baumbestand spärlich. Etliche vom Wind gebeugte und von Schnee und Eis modellierte kleinwüchsige Fichten und Ziersträucher erinnern an Gnome, Hexen und andere Fabelwesen. An guten Tagen kommen bis zu 15.000 Menschen auf den Gipfel, im Schnitt rund 4000 täglich. Heute ist die Sicht, die bei klarem Wetter über 100 Kilometer weit reicht, eher mäßig. Dennoch wirken die meisten Besucher glücklich.

Im Winter ist der Imbiss "Brockenwirt" gefragt. "Nur bei heftigem Schneesturm ist geschlossen", sagt Juniorchef Daniel Steinhoff. Und das passiere selten. Angefangen hat der Familienbetrieb im März 1991 - die Gulaschkanone brachten sie im Trabi her.

Der Schnee ist tief, die Hinweisschilder sind voller Eiszapfen. Zwischen vereisten Gewächsen, an denen Kristalle glitzern, toben Kinder mit Schlitten und Schneebällen. Skifahrer auf Langlaufbrettern fachsimpeln. Wanderer machen Rast, packen Brote, Christstollen und heiße Getränke aus dem Rucksack.

Budenzauber mit Sternenstaub

Die Schmalspurbahn steuert auch Orte mit Weihnachtsmärkten an, zum Beispiel Wernigerode, Quedlinburg und Nordhausen. Die Entfernungen sind überschaubar, ein ausgedehnter Adventsmarktbummel kann zur Drei-Länder-Tour werden: Sachsen-Anhalt, Thüringen und Niedersachsen teilen sich den Harz.

Der Harzer Tourismusverband listet über 30 Gemeinden auf, die mit Christmärkten locken: Auch Aschersleben und Altenau, Sangerhausen, Thale und Wildemann gehören dazu. Der Winterzauber in Bad Harzburg und Braunlage will sogar über Weihnachten hinaus Besucher anlocken und erst Anfang Januar schließen.

Manche Gemeinden feiern kürzer, aber dafür mehrfach. Vielerorts ergänzen Handwerkliches und weihnachtliche Traditionen den reinen Budenzauber. Manchen Besuchern ist der schmucke Weihnachtsmarkt in Wernigerodes Altstadt mit vielen Verkaufsständen zu kommerziell. Kreativ gibt sich der 1. Wernigeröder Schlosswinter (17. Dezember bis 7. Januar) auf dem Schloss über der Stadt mit Herolden, Dudelsackspielern, Märchenfee und Weihnachtsmann.

Beim "Advent in den Höfen" (3. und 4. sowie 10. und 11. Dezember) im nahen Quedlinburg, der Stadt der 1200 Fachwerkhäuser und Weltkulturerbe, verzaubert ein Engel mit Sternenstaub die Besucher. Lebkuchenbäcker und Kerzenzieher erwecken verborgene, sonst verschlossene Höfe zum Christfest. Der traditionelle Weihnachtsmarkt ist vor dem Rathaus.

Ein Spaziergang durch einen kleinen Weihnachtswald mit 40 hohen, illuminierten Fichten gehört zum Goslarer Weihnachtsmarkt in Niedersachsen (noch bis 29. Dezember). Zwischen historischen Gebäuden stehen rund 80 Stände mit Gastronomie und Kunsthandwerk. Das Theater in Nordhausen in Thüringen verwandelt sich für 24 Tage in einen großen Adventskalender. Kinderaugen leuchten, wenn der Theaterengel täglich um 17 Uhr eine Tür öffnet. Den traditionellen Weihnachtsmarkt mit Lichterbogen, kleinem Märchenwald und Lebkuchen finden Besucher der Stadt vor der Blasiikirche.

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13  Bilder
Weihnachtsmärkte 2011: Feuerzangenbowle mit Feng-Shui

Bernd Kubisch, dpa

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