Wintersport Kreekfahren: Im Höllentempo zum Krankenwagen

Von Silke Haas

2. Teil: Adrenalin pur bei 60 km/h

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10  Bilder
Kreekfahren: Temporausch auf dem Eis

Kirsten sitzt vorne, umklammert fest die Beine ihres Vaters, das ist die wichtigste Aufgabe des Vorschoters. Der Steuermann hat nur eine Hand, um sich festzuhalten, in der anderen hält er die Steuerlatte. Sie brüllen: "Raum!" und "Röörööröö!", den alten Schlachtruf der Kreeker. Die Kufen donnern über das blanke Eis, Funken stieben, wenn sie über die Buckel springen. Die Stirn hochgezogen, den Mund wie zum Schrei geöffnet und die Augen weit aufgerissen. Es ist pures Adrenalin, der berühmte Kick, den die Kreekfahrer suchen.

"Es ist wie früher, als ob die Zeit stehen geblieben wäre", schwärmt Harald Harmstorf. Seine Augen blitzen, und sein Atem dampft silbern in der Winterluft. Die Zuschauer sind beeindruckt. "Mit fast 70 fährt der noch. Unglaublich, Wahnsinn", sagt jemand anerkennend. Harmstorf winkt ab: "Rüschen ist für mich selbstverständlich. Habe ich mein ganzes Leben gemacht und solange es geht, mache ich weiter."

Man kennt sich auf der Bahn. Jemand kocht Glühwein und reicht eine dampfende Tasse an einen Kreekfahrer, der den Hang hinaufhumpelt und seine Kreek an einer rot-weißen Leine hinter sich herzieht. Der Glühwein hilft gegen die Kälte und die Schmerzen. Kaum ein Fahrer ist unverletzt, keiner ohne Prellungen oder blaue Flecken. Schmerzmittel halten viele auf den Beinen. Kreeken geht auf die Knochen, doch der Rausch der Geschwindigkeit ist größer.

Früher wartete unten der Krankenwagen

Schwere Verletzungen sind selten. Dennoch hängen Zettel mit Notrufnummern und genauer Ortsangabe für den Rettungswagen an den Bäumen. "Früher passierte mehr, da stand unten an der Straße ein Krankenwagen, um die Verletzten einzuladen", sagt Manfred Lipsky. Unfälle gab es vor allem mit den normalen Schlittenfahrern. "Die Davos-Schlitten waren einfach viel zu langsam, blockierten die Bahn. Mit der Kreek haben wir sie einfach weggerüscht", sagt er und grinst schelmisch. Schlittenfahrer sind für ihn ein anderer Menschenschlag. Rodeln kann schließlich jeder. "Die steuern und bremsen mit den Füßen und machen dadurch die Bahn kaputt", schimpft er. Deshalb sind Schlittenfahrer hier bis heute verpönt.

Doch bekommt man es bei dem Irrsinns-Tempo nicht auch mal mit der Angst zu tun? "Angst darf man nicht haben, sonst ist man verloren", sagt Axel Blessmann. Es ist seine erste Saison. Das Fahren hat ihm seine Freundin beigebracht. Sie kommt aus Blankenese und hatte eine alte Kreek im Keller. "Mit Angst macht man Fehler, klammert sich vielleicht noch an der Steuerlatte fest - und dann stürzt man und verletzt sich." Rüschen ist eben nichts für Bangbüxe.

Die Blankeneser Kreekfahrer sind eine eingeschworene Gemeinde. Auf Online-Portalen verabreden sie sich zum abendlichen Eisen der Bahn, bringen gemeinsam die Piste in Schuss, stopfen Löcher mit Schnee und kippen Wasser drauf. Mit Gießkannen, Eimern und Kanistern holen sie das Wasser aus der nahegelegenen Tankstelle: Eine Kreek muss poltern, und das geht nur auf Eis.

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insgesamt 30 Beiträge
Realo 29.01.2010
Ich hatte die Kreek meines Vaters. Sie ist leider, wohl auch wegen unsachgemäßer, zu trockener Lagerung im Heizungskeller, im Winter 78/79 in die Brüche gegangen, und zwar völlig. Da war nichts mehr zu retten. :-( Lustig ist [...]
Ich hatte die Kreek meines Vaters. Sie ist leider, wohl auch wegen unsachgemäßer, zu trockener Lagerung im Heizungskeller, im Winter 78/79 in die Brüche gegangen, und zwar völlig. Da war nichts mehr zu retten. :-( Lustig ist es wenn man auf einer "Rodelbahn" im Ruhrpott, z.B. Wodantal - "Warschau" oder "Röörööröö" brüllt, die Leute schauen einen dann immer völlig verständnislos an. Ich würde mich heute nicht mehr auf so ein Teufelsgerät setzen - seufz, man wird älter......
MonsieurAlex 29.01.2010
hieß das Steuerstange. Meine Familie ist oft gerüscht. Schöner Artikel.
hieß das Steuerstange. Meine Familie ist oft gerüscht. Schöner Artikel.
DEVA 29.01.2010
In meinem Heimatdorf in Korgan (Türkei, Provinz Ordu am Schwarzen Meer) gibt es auch Kreekfahren. Die Kreeks haben die ähnliche Bauweise. Als Kind als ich noch in der Türkei gelebt habe, war es das geilste damit die Berge runter [...]
In meinem Heimatdorf in Korgan (Türkei, Provinz Ordu am Schwarzen Meer) gibt es auch Kreekfahren. Die Kreeks haben die ähnliche Bauweise. Als Kind als ich noch in der Türkei gelebt habe, war es das geilste damit die Berge runter zu rutschen. Atemberaubendes Tempo, da die Region über sehr sehr steile Berge verfügt. Hier ist ein Foto und Video mit Kreek-Jungs. www.korgan.web.tr http://video.yahoo.com/watch/6858228/17837042 Ich liebe mein Heimatdorf.
singlesylvia 29.01.2010
Ich habe mir die Fotostrecke angesehen und finde es ziemlich verantwortungslos von den Teilnehmern, dass sie angesichts der Geschwindigkeiten und hohen Verletzungsgefahr keinen Schutzhelm tragen.
Ich habe mir die Fotostrecke angesehen und finde es ziemlich verantwortungslos von den Teilnehmern, dass sie angesichts der Geschwindigkeiten und hohen Verletzungsgefahr keinen Schutzhelm tragen.
antonwitt 29.01.2010
darauf habe ich gewartet: in unserer Vollkasko-Gesellschaft mußte doch der erhobene Zeigefinger kommen. Mensch Mädel, jeder ist seines Glückes Schmied! Einfach mal vorbeikommen, zusehen und vielleicht den Mut haben mitzufahren!
Zitat von singlesylviaIch habe mir die Fotostrecke angesehen und finde es ziemlich verantwortungslos von den Teilnehmern, dass sie angesichts der Geschwindigkeiten und hohen Verletzungsgefahr keinen Schutzhelm tragen.
darauf habe ich gewartet: in unserer Vollkasko-Gesellschaft mußte doch der erhobene Zeigefinger kommen. Mensch Mädel, jeder ist seines Glückes Schmied! Einfach mal vorbeikommen, zusehen und vielleicht den Mut haben mitzufahren!
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  • Datum: Freitag 29.01.2010 | 07:22 Uhr
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