Hauptsache, raus! Die besten Wintertipps von Reisebloggern

Ob Strandspaziergänge auf Usedom oder Kamelreiten bei München - hier verraten Blogger, wo der Winter in Deutschland ziemlich viel Spaß macht.

Anne Steinbach & Clemens Sehi

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Er ist nicht der Hellste und auch nicht der Warmherzigste, das ist wohl wahr. Trotzdem finden Aylin und Stefan Krieger es nicht fair, dass der Winter in Deutschland einen eher schweren Stand hat. "Ihm eilt sein Ruf als dunkler, kühler Zeitgenosse voraus. Das muss sich ändern", finden die Herausgeber des Reisehandbuchs "Deutschland im Winter".

Dafür haben die beiden Bremer reisefreudige Blogger und Autoren gebeten, Ihre besten Ausflugstipps und Adressen zwischen Rügen und dem Allgäu, der Eifel und dem Elbsandsteingebirge zu verraten. Hier sind ihre Tipps:

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Aylin Krieger (Hrsg.), Stefan Krieger (Hrsg.):
Deutschland im Winter - Geheimtipps von Freunden

Reisedepeschen Verlag; 192 Seiten; 22 Euro

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Arktische Verhältnisse: Iglubauen im Allgäu

Wildnisschule Allgäu

Wer an einer Igluexpedition mit Heike und Stefan Koch von der Wildnisschule Allgäuteilnimmt, muss kräftig mit anpacken: Mit Schneeschuhen wandert man - je nach Schneelage - zwischen 30 Minuten und 1,5 Stunden zum Iglubauplatz. Dort angekommen geht es dann richtig zur Sache: Stefan führt in die Kunst des Iglubaus ein, zeigt, welche Schneekonsistenz sich eignet und wie man die Schneeblöcke so zusammensetzt, dass ein rundes Iglu entsteht.

Während die Expeditionsteilnehmer in Kleingruppen (pro Iglu zwei bis vier Personen) ihren Schlafplatz für die Nacht bauen, bereiten Stefan und sein Team das Abendessen aus regionalen Zutaten über dem Expeditionskocher vor. Bevor man sich in seinem Iglu in den Schlafsack kuschelt, wird noch gemeinsam gegessen. Wer die Wildnisromantik vollends auf die Spitze treiben möchte, geht bei Vollmond auf Expedition: Mit etwas Glück leuchten dann nicht nur die Sterne, sondern auch die schneebedeckten Gipfel der Allgäuer Alpen.

Aylin Krieger, todaywetravel.de

Einfach losstapfen: Schneeschuhwandern im Schwarzwald

Anke & Thorsten Schöps

Der Schwarzwald lädt ja zu jeder Jahreszeit ein. Aber am liebsten sind wir im tiefen Winter hier. Dann, wenn die Luft im Januar klirrend kalt ist, die Tannen dick eingeschneit sind und sich die Schwarzwaldhochstraße Kurve für Kurve durch ein einzigartiges Winterwunderland schlängelt. Innerhalb des Schwarzwaldes bietet die Region um Baiersbronn zahlreiche präparierte Winterwanderwege. Außer mit Schneeschuhen kann man auch mit warmen Winterboots losstapfen. Unsere drei Highlights mit leichtem Schwierigkeitsgrad sind:

  • Rundwanderung durch das Rechtmurgtal bei Klosterreichenbach (circa 7 Kilometer),
  • Rundwanderung durchs Sankenbachtal und um den gleichnamigen See (circa 11 Kilometer)
  • Rundwanderung von Mitteltal zur Wanderhütte Sattelei (circa 6,5 Kilometer)

Anke und Thorsten Schöps, moosearoundtheworld.de

Wilde Fahrt: Hundeschlittentour in Brandenburg

Hannes Schwessinger

Eisige Temperaturen. Aber kein Schnee. So sehen in Brandenburg viele Winter aus. Trotzdem nimmt mein Winterfeeling Fahrt auf. Meine Hände zittern vor Kälte. Und ein bisschen vor Aufregung, denn davon liegt auf der Husky-Farm in Storbeck-Frankendorf jede Menge in der Luft. Über 20 Siberian Huskys bellen um die Wette. Einer hektischer und lauter als der andere. Die vier Huskys meines Gespanns zerren am Schlitten. Dann ist es soweit. Ich löse die Bremsen, und ab geht die wilde Fahrt durch das Ruppiner Wald- und Seengebiet.

Erst nach den ersten Hundert Metern über den vereisten Boden merke ich, dass es plötzlich ganz still geworden ist. Kein Bellen, kein Jaulen mehr. Die Tiere sind nun in ihrem Element. Im kraftvollen Gleichschritt führen sie mich durch den Wald. Mit sanfter Stimme und Lob versuche ich, sie zu beruhigen. Doch die Bande lässt sich von nichts aufhalten. Ungebremst führt unsere Hundeschlittentour über Wiesen und Wurzeln, vorbei an Bäumen und Büschen.

Steven Hille, funkloch.me

Allein in der Loipe: Langlauf im Thüringer Wald

Madlen Brückner

Die Sonne schickt ihr sanftes Winterlicht durch die Äste der Nadelbäume, die unter der Last des Schnees ächzen. Um mich herum funkeln die Kristalle wie ein Schatz. Behutsam gleite ich durch das glitzernde Stillleben, um es in seiner ganzen Pracht zu bewahren. Das Spurenfahrzeug hat am frühen Morgen bereits eine Schneise in die eisige Winterlandschaft gezaubert, um den Wintersportlern und Skiwanderern das Vorankommen zu erleichtern.

In den letzten Jahren lege ich auf meiner Runde auf dem Rennsteig, die ich am Grenzadler in Oberhof starte, häufig einen Stopp am Hohen Möst ein - er zählt zu den schönsten Aussichtspunkten. Hier führt die Loipe nur noch einspurig hinauf. Einmal angekommen, breitet sich Thüringen vor mir aus. Bei klarem Wetter kann man weit übers Land schauen.

Madlen Brückner, puriy.de

Her mit den Höckern: Kamelreiten in Bayern

Bayern Kamele

Der Gang der Tiere ist so gewöhnungsbedürftig wie ihr Anblick im tiefen Bayern. Aber wer einmal oben sitzt, will nicht mehr runter. Unter mir knirscht der Schnee, und schon nach wenigen schaukeligen Schritten auf dem Rücken der Kamelstute Leila hat mich das bayerische Winterwunderland eingelullt.

Die Berge sehen aus, als hätte man sie mit Puderzucker bestreut. Der Fluss Mangfall, der dem Tal seinen Namen leiht, trotzt plätschernd der klirrenden Kälte. Und die dunklen Buchenwälder liegen verwunschen da, als würden sich darin Hänsel und Gretel verstecken. Etwa eineinhalb Stunden dauert der Ausritt vom Kamelhof auf Wald- und Wiesenwegen durch die weiße Wüste Bayerns, rund 30 Kilometer südlich von München.

Sally Wilkens, ersieweltreise.de

Den Tegernsee zu Füßen: Schlittenfahren am Wallberg

Melanie Schillinger

Die Naturrodelbahn am Wallberg ist stolze 6,5 Kilometer lang und gehört damit zu den längsten Rodelbahnen Deutschlands. Rund eine halbe Stunde dauert die Abfahrt ins Tal und am liebsten möchte ich gar nicht unten ankommen. Die Luft ist kalt und klar. Die Sonne strahlt vom wolkenlosen Himmel und lässt die verschneite Landschaft leuchten und glitzern. Alles ist eingehüllt in eine dicke Schneedecke: die majestätischen Tannen, das kleine Wallberg-Kircherl oben auf dem Gipfel und auch die gesamte Rodelbahn.

Ich bin früh dran und werde gleich als eine der Ersten meine Spuren im frisch präparierten Schnee hinterlassen. Minuten später gleiten die Kufen meines Schlittens mühelos durch das pudrige Weiß. Um mich herum ist es vollkommen still, der frische Schnee der Nacht schluckt alle Geräusche.

Melanie Schillinger, goodmorningworld.de

Verzauberte Auen: Eselwanderung im Saarland

Bianca Gade

"Wollt ihr einen Geheimgang entdecken?" fragt Hannes Ballhorn die Kinder. "Jaaaaaa!", rufen sie und rennen seinem Zeigefinger nach in das dunkle Loch im Gebüsch. Wir Erwachsenen bleiben im Nebel stehen, der uns und die beiden Eseldamen Lissi und Lotti verhüllt.

Hannes Ballhorn bietet Esel-Jahreszeitenwanderungen (Termin für die dreistündige Winterwanderung: 9. Februar 2019) durch das Biosphärenreservat Bliesgau an. Die Streuobstwiesen duften nach feuchter Erde, es ist winterlich kühl, Nebel wabert entlang der Baumwipfel. Die Kinder dürfen abwechselnd auf den Tieren reiten, und Hannes erzählt Wissenswertes über die winterliche Landschaft und unsere langohrigen Begleiter.

Bianca Gade, lebedraussen.de

Der Wilde Westen: Unterwegs in der Eifel

Nadine Lessenich

Der wilde Westen Deutschlands zeigt gerade in der dunklen Jahreszeit seine ganz besondere Atmosphäre. Für uns Rheinländer ist die Eifel Ausflugsziel Nummer eins, wenn wir Sehnsucht nach Abenteuer, Natur, Ruhe und Entschleunigung verspüren. Im Januar und Februar liegen ganze Landstriche in tiefem Schnee.

Einer der spannendsten Wanderwege der Eifel befindet sich in der Teufelsschlucht. In der abenteuerlichen Sandsteinfelsenlandschaft kommen auch die lauffaulsten Kinder auf Trab, denn hinter jeder Biegung gibt es etwas Neues zu entdecken, und man hat mitunter das Gefühl, von Trollen und Elfen beobachtet zu werden.

Nadine Lessenich, planethibbel.com

Mystisches Watt: Küstenausflug nach Büsum

Aylin & Stefan Krieger

Die Brandung braust, Möwen kreischen und vor lauter Nebel sieht man kaum das Meer. Hier hat man nur sich selbst und das Wetter. Was war das nur für ein Vorhaben, ein Wochenende in diesem trüben Küstenort zu verbringen?

Die Ausflugsschiffe zu den vorgelagerten Inseln schwanken noch bis zum Frühjahr friedlich im Hafen. Die Antwort kann also nur lauten: Man nimmt genau diese Unwirtlichkeit und macht sie zum Thema der Reise. Am Watt begegnen uns vereinzelt noch andere Ausflügler. Es dauert jedoch nicht lange und wir durchqueren menschenleere Einsamkeit. Links das Meer, rechts der Deich. Der immer dichter werdende Nebel verengt das Wahrnehmbare. Der Alltag ist unwahrscheinlich weit weg.

Im Winter, im Nebel, im Wind hat man hier nur sich selbst und das Wetter. Am Ende des Tages wird man sich mit beidem arrangiert haben.

Aylin und Stefan Krieger, todaywetravel.de

Steife Brise und warme Stube: Winterruhe auf Usedom

Anne Steinbach & Clemens Sehi

Leise raschelt das Geäst auf den Dünen. Die steife Brise lässt die Ohren langsam rot werden, das Kinn ist kalt. Jetzt, zu einer Zeit, in der weniger Touristen kommen und die Bordsteine schon um 14 Uhr hochgeklappt sind, liegt die Insel im tiefen Winterschlaf. Dick eingemummelt machen wir uns auf den Weg zum Strand. Der ist wie leer gefegt vom starken, kalten Wind. Der Sand ist so hart, dass wir kaum einsinken. Wir gehen ganz vorne auf die Seebrücke, spazieren zurück, entlang hell erleuchteter Wohnzimmer.

Für uns geht es dorthin, wo die Wintergemütlichkeit am allerschönsten ist: in der warmen Stube am Kamin, z.B. im Café Gnitzer Seelchen, wo die Atmosphäre so kuschelig ist, dass man sich fast ärgert, die Hausschuhe nicht eingesteckt zu haben. Veranstaltungen: Am vierten Januarwochenende findet in Ahlbeck das Winterstrandkorbfeststatt, im Februar das Winterbadespektakel.

Anne Steinbach und Clemens Sehi, travellersarchive.de

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Die schönsten Reiseziele: Nah und Fern


insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
jujo 12.01.2019
1. ....
Ich kenne die Eifel zu jeder Jahreszeit und bei jedem Wetter, es lohnt immer! Das gleiche gilt für die Nord-und Ostseeküste. In jedem Fall gilt immer: Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur die falsche Kleidung!
seamanslife 13.01.2019
2. balancieren auf den glitschigen Buhnenköpfen
ist lebensgefährlich, jedes Jahr rutschen da besserwissende Urlauber aus und dann kommt der Notarzt weil die Warnschilder mißachtet werden. Es sind auch schon welche ertrunken. Diese Artisten schlagen meist mit dem Kopf auf der Buhne auf und sind bewußtlos wenn sie ins Wasser fallen. Wenn die Rettungsschwimmer an den Stränden auf die Gefahr hinweisen werden sie noch vollgepöbelt.
jimtravelstar 14.01.2019
3. An der polnische Ostseeküste die Natur genießen
Ich stimme Juju zu und möchte eine Lanze für die polnische Ostseeküste brechen. Es ist nicht so weit wie man denkt, eine wunderschöne Natur, oftmals menschenleer und wirklich günstig. Wir waren zum Beispiel schon mal mit der ganzen Familie am Sarbsker See in den Habenda-Houses. Endlose Strandspziergänge, Naturschutzgebiet ringsrum, Zugvögel und ausser ein paar Surfern , die am Wochenende den Spot nutzen kaum eine Menschenseele. Wir ziehen das mittlerweile der deutschen Ostseeküste vor. Einfach noch urtümlicher.
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