Wirrwarr um Flughafenschließungen Auf, zu, auf, zu

Aschechaos und kein Ende: Für einige Stunden waren sieben deutsche Flughäfen am Sonntag geöffnet, dann verlängerte die Luftsicherung ihr Flugverbot erneut. Die EU sucht händeringend nach einer Lösung der Krise - denn die großen Airlines machen massiv Druck.

AP

Berlin - Es war, mal wieder, ein chaotischer Tag. Tausende Reisende blieben auf ihren Koffern sitzen, die Fluggesellschaften verstanden die Welt nicht mehr, die Kanzlerin musste von Bozen aus 900 Kilometer mit dem Auto zurücklegen, bis sie endlich wieder in Berlin war.

Islands Aschewolke - sie legte auch Tage nach Ausbruch des Vulkans Eyjafjallajökull den Flugverkehr in Deutschland, ja in Europa weitgehend lahm.

Nur für einen Moment schien hierzulande wieder ein Stück weit die Normalität einzukehren. Am Nachmittag ließ die Deutsche Flugsicherung überraschend wissen, sie werde die Sperrung der Lufträume an sieben deutschen Flughäfen zu lockern. In Berlin-Schönefeld, Berlin-Tegel, Erfurt, Leipzig, Hannover und später auch den beiden Airports in Frankfurt waren Flüge wieder bis 20 Uhr eingeschränkt möglich. Auch Hamburg war zeitweise freigegeben - für ganze zehn Minuten. Immerhin.

Die Mini-Öffnung empörte die Fluggesellschaften eher, als dass sie sie beruhigte. "Mit so einem kurzen Zeitfenster können wir nichts anfangen", sagte eine Sprecherin der Lufthansa. Es sei logistisch nicht möglich, den Flugbetrieb innerhalb so kurzer Frist wieder aufzunehmen. "Die Öffnung ist eine totale Luftnummer", kritisierte auch der Marketing-Leiter des Erfurter Flughafens. "Dreieinhalb Stunden sind einfach zu kurz. Hier startet doch keiner nur, um später unter Umständen seine Maschine an einem anderen Flughafen nicht mehr bewegen zu können."

Flugverbot bis zwei Uhr am Montagmorgen verlängert

Tatsächlich landete während der Flugverbots-Lockerung nur eine einzige Maschine mit Passagieren: um 20.07 Uhr in Hannover. An Bord waren 165 Urlauber, sie kamen aus Gran Canaria. Willkommen daheim.

Am Abend waren wieder alle Flughäfen dicht - bis auf die beiden Berliner, deren Schonfrist bis 0 Uhr verlängert wurde. An allen übrigen Drehkreuzen werde das Flugverbot bis 14 Uhr am Montag verlängert, erklärte die Flugsicherung am Abend.

Auf, zu, auf, zu. Auf?

Bei der Europäischen Union hat das Thema inzwischen höchste Priorität. Jetzt will die Staatengemeinschaft gemeinsam einen Weg aus dem Luftfahrtchaos suchen. Am Montag wollen die europäischen Verkehrsminister in einer Videokonferenz über die aktuelle Lage sowie mögliche Folgen beraten. "Es wird eine europäische Entscheidung in dieser Sache geben", sagte Spaniens Staatssekretär für Europapolitik, Diego López Garrido, am Sonntag in Brüssel. "Es ist klar, dass wir so nicht weitermachen können."

Bei einem Treffen diesen Montag werde die EU-Kommission gemeinsam mit Experten aus den Mitgliedstaaten überlegen, wie eine "akkuratere und konkretere Lösung" für die Beurteilung der Gefahr durch die Vulkanasche gefunden werden kann. "Dabei schauen wir auch auf die Ergebnisse der bisherigen Probeflüge" sagte Garrido.

Ramsauer wehrt sich gegen Kritik

Es wird höchste Zeit. In Deutschland zumindest liegen die Nerven blank. Die Fluggesellschaften und Piloten machten am Sonntag klar, dass sie die penible Handhabung für völlig ungerechtfertigt halten. Es habe keine genauen Messdaten über die Aschekonzentration am Himmel gegeben, warfen sie Meteorologen und Vulkanologen vor. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) warfen sie vor, nicht schnell genug auf die Krise zu reagieren.

Die Kritik von Fluggesellschaften an der Sperrung des deutschen Luftraums wies der Minister zurück: "Ich nehme mit Verärgerung wahr, dass da versucht wird, Druck auf mich auszuüben", sagte Ramsauer am Abend. Er trage die Verantwortung für die Sicherheit im deutschen Luftraum. "Und erst wenn ich sicher bin, dass nichts passiert, werden wir den deutschen Luftraum wieder freigeben." Diejenigen, die jetzt die Sperrung kritisierten, wären bei einem Unfall die ersten, die ihn dafür zur Verantwortung ziehen würden. "Sicherheit muss höher gewichtet werden als Geschäftsinteressen", so Ramsauer.

Allerdings werde man sich um flexible Lösungen bemühen, sicherte Ramsauer der Luftfahrtbranche zu. Derzeit trete alle drei Stunden ein Krisenstab zusammen, um die Lage neu zu beurteilen.

Unklar ist nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums noch die Dauer des Flugverbots. Der isländische Vulkan sei weiter aktiv. Zudem herrsche derzeit eine ungünstige Wetterlage, die den Transport der Aschewolke nach Zentraleuropa wahrscheinlich mache.

Regierungsmannschaft wieder komplett in Berlin

Ramsauer sagte weiter, er sehe in der Frage der Luftraumsperrung derzeit nicht viel Spielraum für die Regierung. Berlin sei ebenso wie andere europäischen Regierungen an das internationale Regelwerk bei großen Vulkanausbrüchen und die Einschätzungen des Volcanic Ash Advisory Centre in London gebunden. "Wenn das ausgestanden ist, müssen wir aber überprüfen, ob die geltenden Regelungen noch zeitgemäß sind", sagte der Minister.

Zugleich appellierte Ramsauer an die Bundesländer, nach der Aufhebung der Flugsperre "möglichst flexibel vom Nachtflugverbot abzuweichen". Es müsse alles getan werden, um dann den entstandenen Stau im Luftverkehr rasch aufzulösen. Passagieren, die von den Flugausfällen betroffen sind, riet Ramsauer, das Gespräch mit ihrer Fluggesellschaft zu suchen. "Ich gehe davon aus, dass die Fluglinien so kulant wie möglich damit umgehen", sagte der Minister.

Immerhin ist die Bundesregierung wieder halbwegs komplett in Berlin versammelt. Kanzlerin Angela Merkel erreichte die Hauptstadt per Auto am Nachmittag. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg kam ebenfalls wohlbehalten an - allerdings musste er auf Busse und ein Propellerflugzeug ausweichen.

vme/apn/dpa/ddp/

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 84 Beiträge
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Seite 1
eikfier 19.04.2010
1. Max und Moritz
Zitat von sysopAsche-Chaos und kein Ende: Für einige Stunden waren sieben deutsche Flughäfen am Sonntag geöffnet, dann verlängerte die Luftsicherung ihr Flugverbot erneut. Die EU sucht händeringend nach einer Lösung der Krise - denn die großen Airlines machen massiv Druck. http://www.spiegel.de/reise/deutschland/0,1518,689695,00.html
...und als der Rauch (die Asche!) sich dann verzog, da sah man Lempel (Piloten,Fluglotsen!), der Gott lobt, doch lebend auf dem Rücken liegen....(Wilhelm Busch!) ....und froh, dankbar und bescheidener geworden, daß sie nach Umschulung zum Lokführer und Taxifahrer ihr Auskommen haben durften....!
aat 19.04.2010
2. Druck und Asche braucht das Volk
Zitat von sysopAsche-Chaos und kein Ende: Für einige Stunden waren sieben deutsche Flughäfen am Sonntag geöffnet, dann verlängerte die Luftsicherung ihr Flugverbot erneut. Die EU sucht händeringend nach einer Lösung der Krise - denn die großen Airlines machen massiv Druck. http://www.spiegel.de/reise/deutschland/0,1518,689695,00.html
Das die Airlines Druck machen ist verständlich, kostet dieses Verbot doch Milliarden von €uronen. Andererseits ist sehr begrüßenswert, daß hier nicht der Kommerz sondern die Sicherheit im Vordergrund steht. Ich möchte nicht wissen, welcher Aufschrei durch die Bevölkerung geht, wenn ein Flugzeug eben wegen dieser Gefahr abstürzt. Dann sind diejenigen, die jetzt für maximale Sicherheit bei maximalen Verlusten sorgen nämlich auch wieder die Bösen. Insofern ist das Flugverbot schon ok und der Natur schadet der nicht stattfindende CO2-Ausstoß garantiert nicht. Sozusagen ein unfreiwilliger Beitrag zum Umweltschutz und zur Verzögerung der Klimakatastrophe. Eine Airline die diese paar Tage nicht übersteht wäre wahrscheinlich ohnehin demnächst aufgekauft worden, weil kein finanzielles Polster vorhanden ist.
alte unke, 19.04.2010
3. Tja - Eigenverantwortung
Zitat von sysopAsche-Chaos und kein Ende: Für einige Stunden waren sieben deutsche Flughäfen am Sonntag geöffnet, dann verlängerte die Luftsicherung ihr Flugverbot erneut. Die EU sucht händeringend nach einer Lösung der Krise - denn die großen Airlines machen massiv Druck. http://www.spiegel.de/reise/deutschland/0,1518,689695,00.html
Die Fluglinien fliegen auf eigene Verantwortung - wenn was schief geht,sind sie voll dran - strafrechtlich und monitär. Sie geben das weiter an die Passagiere: jeder fliegt auf eigene 'Verantwortung in vollem Bewusstseins des Risikos - und machen die Fluglinien für nichts verantwortlich.
Tahouin 19.04.2010
4. Nur Verlierer
Ob EU oder Bundesregierung - nach derzeitigem Kenntnisstand kann es nur Verlierer geben. Werden die Lufträume a.G. aussagekräftigerer Gutachten (wieder) freigegeben und es passiert doch etwas, ist hinterher das Geschrei groß, bleibt der Luftraum gagegen geschlossen, ists auch verkehrt. Schlimm wird es, wenn Piloten in (Fernseh-)interviews argumentieren, dass sie vertrauen in die Technik ihres Flugzeugs haben...die hat so mancher Raser auf der Autobahn auch - nützt nur im Falle eines Unfalls nix. Am Ende verliereen dann eh nur die, die auf die Flieger angewiesen sind, da sie die direkten Opfer des Kompetenz-, Entscheidungs- und Gutachtenwirrwarrs sind, denen jegliche Tagesplanung abhanden kommt. Na, wenigstens kann die Bahn davon profitieren und bekommt mal wieder die Züge voll - wie "damals" halt und früher war doch eh alles besser ;-)
Pirx, 19.04.2010
5. entspannt Reisen
Also mal gegoogelt: avantireisen.de Hamburg - Shanghai (oder Teilstrecke) mit dem Bus. Dauert etwas und etwas Kleingeld sollte man auch haben. Spritverbrauch bei etwa 3l/100km und je Passagier. (Im Moment sind gerade mal 20, anstatt 26 Reisende unterwegs, eine Bekannte ist dabei.) Es geht ums Reisen, nicht ums ankommen in Rekordzeit. Mit meinem HiLux habe ich Reisen unternommen bis nach Algeciras (2 Wochen), zur Original CCCR-Grenze im äußersten Osten von Ungarn, oder vorher mit R4 UK quer und längs besucht bis zum Loch Ness. War etwa in Summe ein Jahr in der Bretagne und viel Frankreich in Urlaub, aber das Geheimnis F noch lange nicht fassen können. Das Geheimnis Deutschland? Da war ich auf Achse, von West nach Ost, von Süd noch Nord. Keiner örtlichen Kultur bin ich nähergekommen. Dieser Faden läuft doch unisono, durch das Forum: Sowas kann doch keiner leisen, dafür fehlt das Geld, das durch die Lappen geht. Maul aufsperren, wie ein Wal und sich wundern, es kommt grad keins. Es fehlt kein Geld, erinner wir uns: Time is money. Letzteres weiß schon nicht mehr wohin und ersteres fehlt. Da stimmt was nicht, gelle. Weil der Satz nur in einer Richtung stimmt. Zeit habe ich, 24h täglich. Mehr hat auch kein anderer, vielleicht wird es jetzt klarer. Den gestrandeten Urlaubern wünsche ich viel Glück bei der Heimreise. Jene die auf Geschäftsreise sind, ruhig bleiben, Cheffe muß zahlen, dem zuwegen waren Sie doch dort. Die gestrandeten "Großverdiener", Selbständige im Geschaftinteresse auf eigene Faust, ja Freunde, scheint kein tragfähiges Konzept gewesen zu sein und die Kapitaldecke doch etwas dünn. Wenn die in ein paar Tagen vielleicht heimkommen, sind die nur pleite. Pech gehabt. Sagt man doch so: kein Arbeitsplatz: Pech gehabt. Wird gerade nicht gebraucht: Pech gehabt. Jetzt trifft es andere Kreise, da hält sich meine Schadenfreude in Grenzen. Gruß Pirx
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