Bahnhöfe des Jahres 2017 "Der hätte sogar Martin Luther gefallen"

Als "Der große Wiedervereinigte" und "Der Reformbahnhof" feiert die Jury des Bahnlobby-Vereins "Allianz pro Schiene" die Bahnhöfe des Jahres 2017: in der Lutherstadt Wittenberg und in Bayerisch Eisenstein.

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Der neue Hauptbahnhof von Lutherstadt Wittenberg und der historische Grenzbahnhof Bayerisch Eisenstein tragen in diesem Jahr den Titel "Bahnhof des Jahres". Eine Jury des Bahnlobby-Vereins "Allianz pro Schiene" vergab die Auszeichnung für die kundenfreundlichsten Bahnhöfe am Freitag zum 14. Mal.

Im Jahr des Reformationsjubiläums wählte sie den Bahnhofsneubau in Wittenberg in Sachsen-Anhalt in der Kategorie "Alltagsmobilität" aus. Die Juroren würdigten die Station als "modernes, helles, einladendes Entree zu einem geschichtsträchtigen Ort". Ein Jahr nach dem Abriss des alten Empfangsgebäudes wurde der neue Bahnhof im Dezember 2016 eröffnet. Täglich halten dort 220 Züge.

Die seriöse schwarze Klinkerfassade und das luftige Zeltdach vermittele dem Reisenden - ob Pilger, ob Pendler - das Gefühl: "Hier gehst du nicht verloren, hier findest du dich zurecht." Die Beschilderung im Bahnhof sei vorbildlich. Überall werde der Reisende diskret, aber verständlich geleitet, lobte die Jury.

Statt Prunk und Protz walte im Bahnhof von Wittenberg, an dem täglich 220 Züge stoppen, eine Liebe zum Detail, die trotz der sachlichen Nüchternheit niemals kalt oder herzlos wirke. Das CO2-freie energetische Innenleben des Bahnhofs passe bestens zur protestantischen Tugend der Sparsamkeit: "Dieser Reformbahnhof hätte sogar Martin Luther gut gefallen", urteilte die Jury.

Fledermausmuseum im historischen Museum

Als attraktivster "Tourismusbahnhof" wurde der Doppelbahnhof von Bayerisch Eisenstein im Bayerischen Wald prämiert. Er sei ein wahres "Idyll für Grenzgänger". Die monumentale, 140 Jahre alte Station in Niederbayern steht je zur Hälfte auf bayerischem und tschechischem Staatsgebiet. Wo früher der Eiserne Vorhang verlief, "atmet das frisch renovierte Bahnhofs-Ensemble heute wieder den guten Geist gelebter europäischer Grenzkultur".

Der 1877/78 erbaute Bahnhof mit seinen fünf Etagen sei inzwischen selbst ein Ausflugsziel geworden: Dort gibt es ein Fledermausmuseum, ein Skimuseum, eine historische Ausstellung zum Bau der Bahnstrecke und eine Dokumentation über die Zeiten des Kalten Krieges. Im früheren Wartesaal der ersten Klasse ist ein Wirtshaus untergekommen.

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Die Jury für den Wettbewerb besteht aus sieben Experten, darunter Vertreter des Fahrgastverbandes Pro Bahn, des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) und des Deutschen Bahnkunden-Verbands (DBV). Im vergangenen Jahr wurden die Bahnhöfe Stralsund in Mecklenburg-Vorpommern und Steinheim in Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet.

ele/abl/dpa

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insgesamt 1 Beitrag
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Seite 1
pj-hh1 25.08.2017
1. CO2frei???
Das wage ich zu bezweifeln "Das CO2-freie energetische Innenleben des Bahnhofs..."
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