Von Julia Stanek
Beim Elbjazz Festival, das am kommenden Wochenende in Hamburg stattfindet, ist open air allerdings nicht immer möglich. Mal wird im Schiffsbauch gejammt, mal im Museum, oft aber bildet der Hafen die Kulisse. Tina Heine, Initiatorin des Festivals, erzählt im Interview, warum sie ein weiteres Jazzfest in der Hansestadt ins Leben gerufen hat.
SPIEGEL ONLINE: Zum zweiten Mal veranstalten Sie in Hamburg das Festival Elbjazz. Warum verfrachten Sie weit über 300 Musiker an Spielorte in den Hafen?
Heine: Für die vielen Menschen, die dort arbeiten, ist er schlicht Alltag - doch die Hamburger lieben ihren Hafen und Touristen zieht er magisch an. Entlang des Elbufers gibt es viele Dinge, die man entdecken kann - genau wie beim Jazz
SPIEGEL ONLINE: der in Hamburg große Zeiten erlebt hat!
Heine: Genau. In den Kasematten an der Elbe haben einst Louis Armstrong und Ella Fitzgerald gespielt. Und im früheren Kultclub "Onkel Pö" an der Alster begann die große Karriere von Al Jarreau.
SPIEGEL ONLINE: Elbe oder Jazz - was liegt Ihnen mehr am Herzen?
Heine: In erster Linie geht es um die Musik. In Hamburg hat ein Jazzfestival gefehlt, das sowohl für Kenner als auch für Laien interessant ist. Beim Elbjazz laden wir nicht nur Liebhaber ein, sondern hoffen auch Menschen anzusprechen, die sich bisher kaum dafür interessierten oder gar Vorurteile haben. Etwa dass Jazz altbacken sei - doch der Mädchenschwarm Paolo Nutini beweist das Gegenteil.
SPIEGEL ONLINE: Wie wollen Sie das breite Publikum begeistern?
Heine: Man muss die Musik an Orte bringen, die nicht verstaubt, sondern attraktiv sind. Dafür ist der Hafen perfekt. Durch Spielstätten wie die "MS Stubnitz", ein Kühlschiff der ehemaligen DDR, oder Bühnen direkt am Kai eröffnen wir neue Blickwinkel.
SPIEGEL ONLINE: Auf dem Programm stehen auch Klavierkonzerte in einer Schiffswerft - was macht diesen Ort so besonders?
Heine: Die Docks von Blohm+Voss haben von Anfang an zu meinen Wunsch-Spielstätten gezählt. Denn sie sind normalerweise nicht zugänglich, weil dort Yachten gebaut oder Kreuzfahrtschiffe repariert werden. Außerdem liegen sie am südlichen Elbufer - also auf der Seite, zu der man von der Innenstadt aus immer nur hinüberblickt. Wenn Charlie Haden auf seinem Kontrabass die Maschinenbauhalle bespielt, dann werden vermutlich sehr viele Besucher dahin strömen.
SPIEGEL ONLINE: Stehlen Sie den Künstlern mit solch spektakulären Spielorten nicht die Show?
Heine: Nein. Musiker und Spielstätte sollen sich ergänzen, und das heißt nicht: Der größte Star kriegt die größte Bühne. Wenn man einen Shootingstar wie Nils Wülker, der schnell mal 800 Tickets verkauft, in einen Frachtraum steckt, der maximal 200 Gäste fasst, dann entsteht eine ganz andere Intimität. Auch für den Künstler ist das eine tolle Erfahrung.
SPIEGEL ONLINE: Stören die Musiker die Geräusche im Hafen?
Heine: Auf der Open-Air-Bühne haben die Bands letztes Jahr jedes Schiffshorn übertönt. Die meisten Spielstätten sind jedoch drinnen. An etablierten Orten wie dem Kehrwieder Theater in der Speicherstadt ist die Akustik natürlich bestens. An anderen ist sie tatsächlich eine Herausforderung, weil ein altes Schiff eben kein Konzertsaal ist. Dort lassen wir dann zum Beispiel experimentelle Jazzmusiker spielen, die die Location sogar in ihr künstlerisches Konzept aufnehmen.
SPIEGEL ONLINE: Sind Sie bei der Wahl der Spielorte an Grenzen gestoßen?
Heine: Ja, einen Konzertflügel könnte man nur unter großem Aufwand in den Laderaum eines Stückgutfrachters wuchten. Und eine Big-Band braucht eine große Bühne. Solche Konzerte finden zum Beispiel in dem Schuppen statt, der heute das Hamburger Hafenmuseum beherbergt - eine der Kulissen, die ich am schönsten finde. Besucher sollten das auf keinen Fall verpassen: Sie werden auf Barkassen in den alten Hansahafen geschippert, klettern dort von Bord und stoßen dann auf dieses Gelände mit Verladekränen und alten Schiffen.
Wann? 27. und 28. Mai 2011
Wo? Rund um den Hamburger Hafen
Wie teuer? Kombiticket für beide Tage 59,90 Euro, Tagesticket 39,90 Euro
Internet:
www.elbjazz.de
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