Pellworm/Wangerooge - Mehr als 40 Meter hoch ragt der rot-weiß geringelte Leuchtturm von Pellworm in den Himmel. Seit 1977 gibt es keinen Wärter mehr, aber in Betrieb ist er immer noch. "Seit Mai 1998 kann hier geheiratet werden", erzählt Kapitän Wilfried Eberhard, Leuchtturmführer und Hochzeitsorganisator auf der Watteninsel südlich von Sylt und Amrum. Pellworm hat den einzigen Leuchtturm zu bieten, der noch in Betrieb ist und dennoch über ein Trauzimmer verfügt.
"Standesamt Pellworm" steht auf einem Schild aus altem Wrackholz. Und auf dem Tisch für den Standesbeamten sind kleine Fahnen aufgereiht - die Flaggen der Länder, aus denen die Hochzeitspaare stammen, die hier geheiratet haben: Neben vielen Deutschen waren auch Franzosen und Schweden, Griechen und Mexikaner, Norweger und Briten darunter.
"Weit mehr als 500 Paare haben sich hier schon das Ja-Wort gegeben. Nach der Trauung gibt es eine Führung um die äußere Plattform des Leuchtturms - mit Blick über Pellworm und das Wattenmeer, über den Strand und die Sandbänke. 159 Stufen muss das Brautpaar erklimmen: "Die merken oft gar nicht, dass sie schon oben sind, so schweben die hoch", hat Kapitän Eberhard beobachtet.
Gefragt sind Trauungen mit Blick über das Meer aber nicht nur auf Pellworm: Auch auf Borkum, der größten ostfriesischen Inseln, ist das möglich. Dort steht der Alte Leuchtturm, 1576 von Kaufleuten aus Emden errichtet, für Trauungen zur Verfügung. Geheiratet wird in 40 Meter Höhe.
"Im Osten Deutschlands können Brautpaare sich auf dem Leuchtturm am Kap Arkona auf der Insel Rügen das Ja-Wort geben. Seit fast drei Jahren ist das auch auf Sylt möglich: Das Leuchtfeuer in Hörnum steht dort für Trauungen zur Verfügung. Auch auf dem vielleicht berühmtesten Leuchtturm Deutschlands im schleswig-holsteinischen Westerhever kann geheiratet werden.
Denn auch auf dem Festland wird Heiraten auf dem Leuchtturm immer beliebter: Der ehrenamtliche Bürgermeister Gert Nagel etwa traut Paare auf dem Leuchtturm Falshöft bei Gelting zwischen Kiel und Flensburg. Noch recht neu im Kreis der alternativen Standesämter ist der Leuchtturm in Kiel-Holtenau. In dem mehr als 100 Jahre alten Türmchen können Paare erst seit 2001 den Bund fürs Leben schließen.
Zu den Pionieren bei den Leuchtturm-Hochzeiten dagegen gehören die Standesbeamten auf Wangerooge vor der niedersächsischen Nordseeküste. "Wir auf Wangerooge sind sogar die ersten, die das ermöglicht haben", sagt Dirk Lindner, der auf der ostfriesischen Insel schwindelfreie Paare traut. "Premiere war am 15. März 1996." Seitdem wird die Hochzeit im Leuchtturm immer beliebter: "Früher hatten wir 40 Eheschließungen pro Jahr auf der Insel, jetzt sind es 400." Und die Nachfrage nach den Leuchtturm-Hochzeiten nehme immer weiter zu.
Der Termin der Trauung sollte deshalb möglichst früh abgestimmt werden, rät Lindner. "Bestimmte Monate sind einfach sehr begehrt. Der Mai zum Beispiel ist schon dicht." Steht der Termin, muss das Brautpaar bei seinem Heimatstandesamt den üblichen "Papierkram" erledigen. "Die ermächtigen dann das Standesamt Wangerooge, die Trauung durchzuführen."
Zur Trauzeremonie gehört eine kurze Ansprache. "Danach geht das Brautpaar die 15 Stufen bis ganz oben allein", erzählt Lindner. "Da haben die dann eine Viertelstunde nur für sich und können den Blick auf das Meer genießen."
von Andreas Heimann, gms
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