Die Namensgeber des Nationalparks "Slowakisches Paradies" hatten vermutlich vor allem die Naturschönheiten der Region im Sinn. Für Touristen, die auch bei schlechtem Wetter keinen Urlaubstag verlieren wollen, erweist sich aber auch die Kombination von Natur und Kultur als nahezu paradiesisch. Denn in der Nähe der unberührten Natur gibt es mittelalterliche Burgen und historische Stadtkerne, die sich auch an Regentagen gut besichtigen lassen.
Besucher des "Slowakischen Paradieses" im nördlichen Zentrum des Landes finden Wanderwege von insgesamt mehr als 300 Kilometern Länge vor. Sie führen durch enge Schluchten, vorbei an bis zu 100 Meter hohen Wasserfällen und auf Schwindel erregende Felsvorsprünge. Ohne große Mühe ist beispielsweise der Aussichtspunkt "Tomasovsky vyhlad" zu erreichen. Er ermöglicht einen traumhaften Blick über den bewaldeten Durchbruch des Gebirgsflusses Hornad hinweg bis hin zum polnisch-slowakischen Grenzgebirge Hohe Tatra. Die meisten anderen Wege verlangen allerdings gutes Schuhwerk und auch ein gewisses Maß an Schwindelfreiheit. Sie sind zwar gesichert, verlaufen aber nicht selten über Stege und Leitern. Neben den Wanderwegen existiert inzwischen auch ein Netz von Radwanderrouten.
Ein besonderes Erlebnis ist es, die vielen Gebirgshöhlen des Nationalparks zu entdecken. Die beeindruckendste von ihnen ist die Dobschauer Eishöhle am Südwestrand des "Slowakischen Paradieses". Sie zählt zur Unesco-Welterbeliste der Naturschönheiten der Erde. Die von mehr als 100 000 Kubikmetern Eis in vielen Formen bedeckte Märchenlandschaft ist schon seit dem 19. Jahrhundert elektrisch beleuchtet. Hervorgebracht hat sie ein Klimaphänomen, das dafür sorgt, dass auch im Hochsommer genug kalte Luft in der Höhle bleibt. Da bisher erst wenige Besucher aus Westeuropa das "Slowakische Paradies" für sich entdeckt haben, begegnen Besucher hauptsächlich einheimischen, tschechischen oder polnischen Wanderern und Radlern. Trotzdem ist nicht verloren, wer ihre Sprachen nicht versteht: Die Region Spis - auf Deutsch Zips - wurde in der Vergangenheit vom ungarischen Adel, vor allem aber vom deutschen Bürgertum geprägt. Sie bildete lange eine deutsche "Sprachinsel".
Nur eine Autostunde entfernt liegt die Zipser Burg. Auch sie besitzt mittlerweile eine Auszeichnung der Unesco: Als größte Burganlage Mitteleuropas zählt sie zum Weltkulturerbe. In ihrer Umgebung gibt es zudem eine ganze Reihe außergewöhnlich gut erhaltener mittelalterlicher Städte wie Levoca - zu Deutsch Leutschau - und Kezmarok (Käsmark). Sie konnten nach ihrer wirtschaftlichen Blütezeit im Mittelalter weitgehend unversehrt bleiben, weil sie im 19. Jahrhundert nicht von Eisenbahnbau und Industrialisierung berührt und damit tiefgreifend in ihrem Erscheinungsbild verändert wurden. Auch mehr als ein Jahrzehnt nach dem Fall des Eisernen Vorhangs sind die Preise im "Slowakischen Paradies" und in seiner Umgebung für westeuropäische Verhältnisse günstig - sofern keine überzogenen Ansprüche gestellt werden. Ein Doppelzimmer ohne Frühstück ist in kleinen Pensionen pro Nacht schon ab etwa 30 Euro, bei Privatvermietern mitunter sogar für die Hälfte zu bekommen.
"Wenn man nicht mit der Idee verreist, überall ein Vier- oder Fünf-Sterne-Hotel zu finden, kann man sich von der Slowakei nur positiv überraschen lassen", sagt Tourismusexperte Martin Sloboda aus der Hauptstadt Bratislava, der unter anderem deutsche Staatsgäste bei ihren Slowakei-Besuchen begleitet. Zumindest außerhalb der Hauptsaison im Sommer dürften auch Kurzentschlossene in der Regel keine Probleme haben, passende Unterkünfte zu finden. Auch das Speisen ist in der Region günstig: Ein Hauptgericht und ein Getränk sind in den Restaurants der historischen Stadtkerne ab etwa vier Euro zu haben. Empfehlenswert sind Spezialitäten der slowakischen Küche wie Placky - eine Art Kartoffelpuffer - und Spisske pirohy, Zipser Piroggen aus Kartoffelteig.
Christoph Thanei, gms
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Reise | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Europa | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH