Bad Reichenhall - Der Name Bad Reichenhall ist wahrscheinlich jedem schon mal begegnet, auch wenn er sich noch nie mit Kuren in Bayern beschäftigt hat. Tatsächlich findet er sich auf der Packung Speisesalz, die es in jedem Supermarkt zu kaufen gibt. Das "weiße Gold" begründete einst den Wohlstand und das Ansehen der Region, denn Salz wurde damals wahrhaftig mit Gold aufgewogen.
Und als Bayerns König Max II. 1848 in Bad Reichenhall seine Sommerfrische verbrachte, begründete das den Ruf und Ruhm als elegantes Heilbad. Das milde Klima, die Solequellen und die landschaftliche Schönheit zogen gekrönte Häupter, Staatsmänner und berühmte Künstler in den Ort, der sich seit 1900 "Bayerisches Staatsbad" nennen darf. Heute präsentiert sich Bad Reichenhall als moderne Kur- und Kongressstadt.
Die salzige Vergangenheit reicht bis in die keltische Frühgeschichte zurück. Viele Jahrhunderte lang versorgte Reichenhall ganz Bayern und einige Nachbarn mit Salz. Über den "Güldenen Steig" transportierte man das weiße Gold nach Böhmen, die "Güldene Salzstraße" führte bis nach Augsburg. 1618 baute man die erste Pipeline der Welt - eine Soleleitung beförderte das kostbare Nass bis nach Traunstein.
An den Kurfürsten Karl-Theodor - bekannt als "Mehrer und Förderer" Reichenhalls erinnert noch immer ein Denkmal im Stollen des Quellenbaus. Den Beinamen "Mehrer" sprechen die Reichenhaller durchaus mit einem Schmunzeln aus, denn besagter Kurfürst soll der Stadt auch 23 uneheliche Kinder geschenkt haben. Eine Pumpe im Innern des Berges, die seit 1796 die Sole aus den Tiefen des Gesteins holt, trägt noch seinen Namen. Seit mehr als 200 Jahren ziert die Aufschrift "Reich an Hall" den Pumpenschlegel, woraus auch der Name der Stadt entstand.
Salz, Moor und Latschenkiefern
Aus bis zu 450 Meter Tiefe wird die Natursole - bis zu 20.000 Jahre altes Quellwasser, das Salzstöcke löst und sich dabei immer wieder selbst sättigt - heraufgepumpt. Sie wird für medizinische und kosmetische Anwendungen genutzt. Soleanwendungen bewirken eine bessere Durchblutung der Haut, erfolgreich wird die Natursole zur Behandlung von Neurodermitis eingesetzt. Außerdem werden in Bad Reichenhall Moor, Latschenkiefern und das alpine Reizklima als Heilmittel genutzt. Neben traditionellen Heilmethoden wie Bädern und Inhalationen haben auch moderne Entspannungs- und Bewegungstherapien wie Qi Gong, Die Fünf Tibeter oder das Nordic Walking Einzug in die Kurprogramme gehalten.
Die Reichenhaller haben ihre bayrischen Wurzeln nicht vergessen und halten ihr Brauchtum lebendig. Und wenn es auch bei manchen Festen - zum Beispiel beim Maibaumaufstellen, beim Gmoana-Sommerfest, beim Krampuslauf im Dezember oder beim Perchtenlauf im Januar - mal ein bisschen rau zugeht, sind die Reichenhaller doch immer mit dem Herzen dabei.
Seinen Charme bezieht Bad Reichenhall auch aus seinen Gegensätzen. Über das ganze Jahr hinweg gibt es Theater-, Musical- und Opernaufführungen, das Philharmonische Orchester der Stadt verwöhnt mit Klassik, man kann im Casino sein Glück beim Roulette versuchen, Ausstellungen locken die Liebhaber von Malerei und Grafik an, und wer selbst schöpferisch arbeiten möchte, schreibt sich für einen Kurs an der Sommer-Malakademie ein.
Gerade wenn die Blätter bunt werden, Kastanien von den Bäumen fallen und das erste Laub auf der Erde liegt, fordern milde Temperaturen im Voralpenland zum Wandern und Radfahren auf. Geübte und weniger Geübte finden dazu in und um Bad Reichenhall viele Möglichkeiten, darunter den neuen Mozart-Radweg mit Anschluss an den Bodenseeradweg sowie Mountainbike-Touren über Stock und Stein. Auf 150 Kilometern gut markierten Wegen kann man unterschiedliche alpine Zonen durchwandern, Ausflüge führen zum Schloss in Marzoll, zur Burg Gruttenstein und zur Burgruine Karlstein. Und ganz hoch hinauf geht es mit der 75-jährigen Predigtstuhlbahn: Die Talstation liegt auf 470 Metern Höhe, die Bergstation auf 1583 Metern.
Von Ditmar Hauer, ddp
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