Poprad - Liptau im Norden des Landes zwischen der Hohen und der Niederen Tatra zum Beispiel bietet zu jeder Jahreszeit etwas: im Winter ausgedehnte Skitouren und im Frühling herrliche Gebirgswanderungen mit Blick auf noch schneebedeckte Berge und das grünende Hochplateau um das Wasserreservoir Liptovska Mara. Dazu ist das Land reich an beeindruckenden Gebirgshöhlen, und die Menschen bauten in ihrer unmittelbaren Nähe so idyllisch bewahrte Dörfer, dass die Weltkulturorganisation Unesco Natur und Volksarchitektur zugleich als schützenswert einstufte.
Die Anreise erfolgt ähnlich wie in die Hohe Tatra auf der Grenze zu Polen, die als "kleinstes Hochgebirge der Welt" bekannt ist. Per Flugzeug können Besucher in Bratislava, Košice oder Poprad landen. Von dort gelangen sie mit Schnellzügen nach Liptovský Mikuláš (Liptau-St.-Nikolaus). Mit dem Auto kann man über Wien, Bratislava und Žilina oder aus Tschechien über Žilina nach Ruzomberok und Liptovsky Mikuláš anreisen. Als Unterkunftsort empfiehlt es sich, gleich eines der kleinen Dörfer nahe der Gebirgshöhlen der Niederen Tatra zu wählen, zum Beispiel Demänovska dolina oder Vazec.
Trotz der internationalen Bekanntheit der Hohen Tatra mit der Olympia-Kandidatenstadt Poprad bevorzugen die Slowaken selbst auch als Winterskigebiet die Region südlich davon. Beliebtestes Skizentrum des Landes ist Jasna, am Fuße des Berges Chopok im Süden der Liptauer Region. Das sich zwischen Jasna und Liptovský Mikuláš erstreckende Demänovatal (Demänovska dolina) bietet preiswerte Pensionen und Hotels, in denen ein Doppelzimmer 25 bis 50 Euro pro Nacht kostet.
Direkt aus dem Tal führt der Weg zu einem der längsten Gebirgshöhlensysteme der Welt, dessen unterirdische Gänge sich auf mehr als 33 bisher erforschte Kilometer ausdehnen. Öffentlich zugänglich sind allerdings nur drei Höhlen, davon eine Eishöhle. Die bekannteste ist die Demänover Freiheitshöhle (Demänovska jaskyna slobody), zugleich eine der schönsten Tropfsteinhöhlen Europas. In den gewaltigen Innenräume haben sich auf fünf Ebenen Tropfsteine verschiedenster Gestalt und Farben und zahlreiche unterirdische Seen gebildet.
Die Niedere Tatra im Süden und die nördlich an Liptov angrenzende West-Tatra sind nach der Hohen Tatra die höchsten Gebirge der Slowakei mit Gipfeln über 2000 Metern. Sie sind aber trotz inzwischen gut ausgebauter Infrastruktur noch wenig von Touristen entdeckt. Dank ihrer ausgedehnten Wälder, Höhlen und Felsformationen wie auch ihrer seltenen Tier- und Pflanzenwelt wurde die Niedere Tatra 1978 zum größten Nationalpark der Slowakei erklärt.
Bis heute leben hier Bären, Wölfe, Luchse und andere in Westeuropa meist schon lange ausgestorbene Tierarten. Nahe Jasna befindet sich verborgen im tiefen Wald auch der Moränensee Velické pleso. Ausgedehnte und markierte Wanderwege durchziehen die ganze Region und sind an internationale Fernwanderwege angeschlossen, über die man auch nach Polen weiterwandern kann.
International erfahrene Wanderer loben das einheitliche und mit entsprechenden Wanderkarten kombinierte System der Markierungen als vorbildlich. Nicht nur Wegzeiten in Stunden, sondern auch Angaben zur Seehöhe und Informationen über Busverbindungen und andere Verkehrsanschlüsse am Zielort werden aufgeführt und ermöglichen auch Ortsunkundigen eine leichte Orientierung.
Wer zum Ausgleich andere Sportarten sucht, findet nahe beieinander unter anderem Möglichkeiten zum Rafting und Kanufahren sowie den besten Golfplatz der Slowakei. Weiter nördlich besteht die Möglichkeit zu einer traditionellen Floßfahrt zwischen steilen Felswänden auf dem Gebirgsfluss Dunajec.
Die Region Liptau (Liptov) ist übersät von Thermalquellen mit den verschiedensten Heilwirkungen. Aus Kapitalmangel wurden lange Zeit nur einige Quellen auch touristisch genutzt, was jenen Gästen zu Gute kommt, die eher die Stille suchen. Modern ausgebaut wurde hingegen der Thermalpark Tatralandia nördlich von Liptovska Mara.
Architektonisch besonders reizvoll ist ein Besuch des am Westrand der Region gelegenen Gebirgsdörfchens Vlkolinec, einer Art lebenden Dorfmuseums. Obwohl das ganze Dorf als einzigartiges Reservat der Volksarchitektur unter den Schutz der Unesco gestellt wurde, blieb es weiterhin von der ursprünglichen Dorfbevölkerung bewohnt und bildet zugleich den Ausgangspunkt für idyllische Wanderungen.
Von Christoph Thanei, gms
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