Montenegro verdankt seinen Namen angeblich venezianischen Seefahrern. Und die müssen einen ganz schlechten Tag erwischt haben, als sie die Küste des Landes entlang segelten. Denn schwarz präsentieren sich die Berge, die gleich hinter der Küste mit ihren malerischen Badebuchten und historischen Städten bis zu 1700 Meter hoch aufragen, nur bei sehr düsterem Wetter. Wenn die Sonne scheint, strahlen sie in sattem Grün und im Frühjahr oder Herbst haben die Gipfel schon mal eine weiße Schneekappe auf.
Montenegro - das "Land der schwarzen Berge", wie es wörtlich übersetzt heißt - ist dabei, sich wieder einen Platz auf der touristischen Weltkarte zu sichern. Zwölf Jahre mit Kriegen in den Nachbarländern, dazu ein mehrere Jahre andauerndes internationales Embargo gegen Rest-Jugoslawien haben ihre Spuren hinterlassen. "Was wir brauchen, ist Zeit, das Verständnis der Westeuropäer für unsere Situation und natürlich auch ein bisschen Geld", schätzt Diki Kazanegra, Chef des einheimischen Reiseunternehmens Adriatic Express, ein.
"In jüngster Vergangenheit war einfach kein Geld da, um unsere Hotels auf einem modernen Stand zu halten". Als Zago Mitrovic - Besitzer einer kleinen Bar im Fischerdorf Przno - 1980 von einem Aufenthalt als Gastarbeiter aus Berlin nach Hause zurückkehrte, war er der Erste, der im Dorf ein Restaurant eröffnete. Im Laufe der 1980er Jahre sprach es sich dann in Westeuropa herum, dass die Adria in Montenegro besonders sauber, die Badebuchten besonders malerisch und die dunklen Berge im Hintergrund besonders beeindruckend sind. "Keiner konnte sich über Gästemangel beklagen", erinnert sich Mitrovic.
Südlichster Fjord in Europa
Doch dann begannen 1990 die bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Serben, Kroaten und Bosniern, gefolgt vom Krieg im benachbarten Kosovo. Das alte Jugoslawien zerfiel und aus den traditionellen Herkunftsländern kam kaum noch jemand nach Montenegro, obwohl das Land an den Konflikten nicht beteiligt war. Im Jahr 2002 wurde aus Rest-Jugoslawien die Föderation Serbien und Montenegro.
Für viele Westeuropäer ist Montenegro trotzdem nicht mehr als das Anhängsel von Serbien. Der Name des Landes ist lange nicht so bekannt wie der von Kroatien. "Montenegro war jedoch nie ein Ziel für den Massentourismus", meint Kazanegra, "und auch in Zukunft sollte es ein Geheimtipp für Natur- und Kulturliebhaber sein, die im Urlaub natürlich auch baden wollen."
Zu sehen gibt es im unmittelbaren Hinterland der Küste sehr viel. Die Bucht von Kotor - die ganze 28 Kilometer tief ins Land eindringt - gilt als südlichster Fjord in Europa und wurde begeistert zum Beispiel von Lord Byron und George Bernard Shaw beschrieben. Die Verteidigungsanlagen der Stadt, die sich die steilen Felsen hinauf ziehen, erinnern an eine Miniaturausgabe der chinesischen Mauer. Perast gilt als besterhaltener Barockkomplex im gesamten Mittelmeerraum. Die malerische mittelalterliche Altstadt von Bar wurde von ihren Bewohnern vollkommen verlassen und kann von Besuchern entdeckt werden.
Das alte Budva: Einmaliges Kulturdenkmal
In Ulcinj haben im Laufe der Jahrhunderte Griechen, Römer, Illyrer, Byzantiner, Venezianer und Türken ihre Spuren hinterlassen. Heute ist die Stadt nahe der albanischen Grenze ein bekannter Badeort, die unweit gelegene Insel Ada Bojana ein Mekka für FKK-Anhänger aus aller Welt.
Unbestrittener Mittelpunkt des Tourismus an der montenegrinischen Küste ist jedoch Budva. Die Strände von Mogren, Becici und Slovenska Plaza wurden vielfach ausgezeichnet. Das alte Budva - eingeschlossen von Renaissancemauern, die 1979 bei einem verheerenden Erdbeben zerstört, aber vollständig wieder aufgebaut wurden - ist ein einmaliges Kulturdenkmal. Das legendäre Hotel "Sveti Stefan" ist seit gut 30 Jahren eine in ihrer Art wohl einmalige Luxusherberge, in der sich Stars und gekrönte Häupter wohl fühlten. Das Hotel ist ein auf einer kleinen Insel gelegenes ehemaliges Fischerdorf, das nur durch einen schmalen Damm mit dem Festland verbunden ist.
In die Geschichte Montenegros führt eine Fahrt ins Lovcen-Gebirge. Über steile Serpentinen geht es hinauf, nach jeder Kurve öffnet sich ein neuer spektakulärer Blick auf die Bucht von Kotor. Unterhalb des Lovcen liegt Cetinje, die alte Hauptstadt des Landes, mit dem ehemaligen königlichen Palast, einem Kloster mit wertvollen Reliquien und einer Kunstgalerie im ehemaligen Regierungsgebäude. Ihr größter Schatz ist die "Madonna von Philarmos", eine der bedeutendsten Ikonen der christlich-orthodoxen Kirche. Naturliebhaber zieht es in das Durmitor-Gebirge, zur Tara-Schlucht oder zum Skutari-See.
Lord Byron schrieb begeistert über die Adria von Montenegro: "Als unser Planet entstand, muss sich die schönste Begegnung zwischen Meer und Land an der montenegrinischen Küste zugetragen haben. Und als die Perlen der Natur verteilt wurden, wurden sie mit vollen Händen in dieses Gebiet gestreut." Um das nach Jahren wieder ins Bewusstsein der Westeuropäer zu bringen, sind nun Entdecker gefragt.
Von Ditmar Hauer, ddp
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