Costa Verde: Das Wüten der Stürme

2. Teil

Das schroffe Küstengebirge Picos de Europa reicht in Llanes fast bis an den Atlantik. Cangas de Onis, die ehemalige Hauptstadt Asturiens, ist die Kapitale aller Outdoorsportler, die von hier zu den Gipfeln aufbrechen. Und offensichtlich auch eine der kulinarischen Hauptstädte Asturiens. Sidería heißt das Ziel der lukullischen Sehnsüchte und Sidra heißt der berühmte asturische Apfelwein. Eine Sidería ist in der Regel ein Spezialitätenrestaurant, das aussieht wie eine düstere Spelunke.

Der Winter kommt früh in diesem Jahr, sagen die Leute in Cangas. Von einem Tag auf den anderen wird es plötzlich kalt. Am Morgen leuchten die goldenen Herbstwälder an den Hängen und darüber strahlen die Gipfel in frischem Weiß. Von Cangas de Onis führt eine Straße nach Covadonga und von dort hinauf zu zwei Gletscherseen.

Vom Edelschimmel dabei halb verschlungen

Covadonga ist nationales Heiligtum, weil dort 722 die christliche Rückeroberung Spaniens begann. In den unwegsamen Bergen und Schluchten schlug der westgotische Fürst Pelayo mit seinen asturischen Kriegern erstmals ein maurisches Heer. In der Cueva Santa, der heiligen Grotte von Covadonga, liegt er bestattet. Man baute eine Kapelle in der Grotte. Dann fand man eine anbetungswürdige Marienfigur und entdeckte, dass sich, wenn man in den Teich unterhalb der Grotte eine Münze warf, ein Wunsch erfüllte und beinah fertig war die Wallfahrtsstätte. Fehlte noch die neoromanische Basilika, eine mächtige Kirche, die seit 1891, romantisch zwischen Wald und Fels eingebettet, das Tal schmückt.

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Frank Tophoven

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Schmal und steil wird die Straße ab Covadonga. Sie führt erst durch Wald und dann zwischen Wiesen und Felsen hinauf auf über 1000 Meter. Wie dickflüssig und sehr schwarz, als seien sie schon zu Urzeiten erstarrt, ruhen die Gletscherseen Lago Enol und Lago Ercina vor den schneebedeckten Zweitausendern. Gräser und nackter Fels am Seeufer - späte Ginsterblüten lugen aus Schneeflecken, und eisige Böen fallen von den Bergen herab. In einer windgeschützten Mulde vor einer Almhütte genießen Kühe ihre letzten freien Tage. Bald werden sie hinunter ins Tal getrieben, wo sie den Winter im Stall verbringen.

"Käse zu verkaufen." Mit einer Kordel ist das Schild an einem Baum befestigt. Unter dem Baum liegen runde Käselaibe auf einem Tisch, und dahinter steht Manuel. Drei Monate reift sein Käse in Höhlen, wird vom Edelschimmel dabei halb verschlungen, bevor er die Gaumen erfreut. Manuel zeigt auf einen Berg: "Eine Stunde steige ich bis zu der Höhle. Da oben mache ich den Rucksack voll und dann steige ich mit 30 Kilo Käse wieder ab."

Manuel verkauft Queso gamonedo, der aus der Region um Cangas de Onis stammt. 23 Euro kostet das Kilo. "Ich weiß", gibt Manuel zu, "das ist teuer. Aber unser Käse aus Kuh-, Ziegen- und Schafsmilch wird ausschließlich von Hand gemacht. Es steckt viel Arbeit drin." Celso betreibt in Cangas de Onis einen kleinen Laden, "La Sifonería", halb Sidería und halb Delikatessengeschäft. Essen und Trinken sind Celsos liebste Hobbys. Celso serviert eine Käseplatte und erklärt die verschiedenen Sorten. Milder Queso de los beyos, rötlicher, trotzdem milder Afuega'l pitu, pikanter Gamonedo, herzhafter Cabrales. Ich kann nicht mehr, dabei schmeckt es so gut. "Kein Problem", sagt Celso. "Da hilft Orujo!" Orujo ist Branntwein und wird in Asturien vor allem aus Äpfeln gebrannt. Aber Celso hat etwas Besonderes. "Ein ganz milder Orujo de miel!" - Honigbranntwein. Celso bekommt ihn von einem Freund aus Galicien.

Klarer Herbsthimmel voller Sterne

Die Altstadt von Oviedo, der asturischen Hauptstadt, ist kaum bekannt und dabei eine der schönsten an der spanischen Nordküste. Eine gewaltige Kathedrale, alte Bürgerhäuser und eine verwirrende Zahl an kleinen, versteckten Plätzen, Antiquitäten- und Büchergeschäften, Boutiquen, Restaurants, Bars und Siderías. Hier plätschert das Leben wie ein verträumter Bach, dort brodelt es wie das asturische Meer. Von 10 bis 14 Uhr haben die Geschäfte geöffnet, und alle scheinen alles auf einmal einkaufen zu wollen. Während der Siesta ist auf den Straßen jedoch der Hund begraben. Am späten Nachmittag jedoch stürzt sich die gefräßige Hektik erneut auf die Stadt, doch spätestens um zehn Uhr abends kehrt zumindest an Wochentagen Ruhe ein.

Spanien: Die Costa Verde liegt an der Atlantikküste von Asturien und Kantabrien im Norden des Landes
DER SPIEGEL

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Der letzte Tag im Oktober. Es ist kalt geworden. Auch in Oviedo liegen die Temperaturen nicht mehr weit über dem Gefrierpunkt. Unter alten Fassaden spielt ein Mädchen mit einem jungen Hund, während die Mutter bei einer Laterne sitzt und liest. Der Kellner kommt, reibt sich die kalten Hände und gießt den Sidra nach. Wenig später öffnet sich über dem Platz ein klarer Herbsthimmel voller Sterne. Warum soll man eigentlich nicht im Oktober an die Costa Verde reisen?

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  • Datum: Donnerstag 15.07.2004 | 06:09 Uhr
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