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21.08.2004
 

Schlosshotels in Mecklenburg-Vorpommern

Neuschwanstein im Miniformat

Zur Entenjagd gehen, in den Betten des Adels schlafen und im neugotischen Rittersaal speisen – Schlösser in Mecklenburg-Vorpommern öffnen sich Übernachtungsgästen. Selten sind es die großen Hotelketten, sondern oft branchenfremde Einzelkämpfer, die den Baudenkmälern neues Leben eingehaucht haben.

Schloss Kittendorf: Neuschwanstein im Miniformat
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Schloss Kittendorf: Neuschwanstein im Miniformat

Rostock - Amerikaner und Japaner müssten auf das "Schlosshotel Kittendorf" eigentlich fliegen. Es hat alles, was nach überseeischer Vorstellung zu einem Märchenschloss gehört: einen mit Zinnen bewehrten Turm im gotischen Tudorstil, einen roten Teppich und Antiquitäten im Innenraum sowie einen Schlosspark mit Schwänen und Hirschen. Schloss Kittendorf ist ein Neuschwanstein en miniature. Und anders als beim Touristenmagneten in Bayern können Gäste hier sogar über Nacht bleiben - das Doppelzimmer kostet ab 85 Euro. "Viele Gäste aus dem Ausland haben wir trotzdem nicht", sagt Inhaber Constantin Trettler. "Dafür ist Mecklenburg-Vorpommern dort noch zu unbekannt."

Unter deutschen Urlaubern hat sich aber längst herumgesprochen, dass man nirgendwo im Land so viele herrschaftliche Häuser antrifft wie eben in Mecklenburg-Vorpommern. Mehr als 2000 Schlösser, Burgen, Guts- und Herrenhäuser zählt der Tourismusverband des Bundeslandes. Rund 200 davon seien touristisch genutzt. "Und es kommen immer neue dazu", sagt Sprecher René Hingst in Rostock. "Noch immer liegen etliche Anwesen im Dornröschenschlaf und könnten für einen symbolischen Preis erworben werden."

Viele Schlösser sind eigentlich Herren- oder Gutshäuser

Für die hohe Schlösserdichte gibt es zwei Gründe: Zum einen ging im früheren Fürstentum Mecklenburg die Erbfolge lange Zeit nicht allein auf den erstgeborenen Sohn über. Dieser musste die Macht und häufig auch das Land mit seinen jüngeren Brüdern teilen, was einen geradezu inflationären Bau von Residenzen zur Folge hatte. Zum anderen ist die Landschaft im hohen Norden traditionell agrarisch geprägt. Viele Großgrundbesitzer dokumentierten ihren Reichtum durch den Bau eines prächtigen Familiensitzes. Vieles, was sich heute Schloss nennt, ist in Wirklichkeit ein Herren- oder Gutshaus.

Schlosshotel Teschow in der mecklenburgischen Schweiz: Fünf-Sterne-Herberge für sportliche Gäste
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Schlosshotel Teschow in der mecklenburgischen Schweiz: Fünf-Sterne-Herberge für sportliche Gäste

"Um ein Schloss handelt es sich eigentlich nur, wenn darin der Landesherr residierte", weiß Constantin Trettler. Für sein Schloss Kittendorf, zwischen Waren und Stavenhagen in der mecklenburgischen Schweiz gelegen, galt eine Ausnahme. Es gehörte einst der Familie von Oertzen, die sich bei der Beratung des Großherzogs Verdienste erworben hatte. Zum Dank verlieh der Herrscher den Titel "Schloss" ehrenhalber. Eine Ehrung der neuzeitlichen Art erfuhr das Haus, als es in die Kataloge von TUI und Thomas Cook aufgenommen wurde.

Trettler ist mit 25 Jahren ein ungewöhnlich junger Schlossherr. Sein im Frühjahr verstorbener Vater, ursprünglich Direktor einer Versicherung, hatte sich in das zu DDR-Zeiten als Lehrlingswohnheim genutzte Anwesen bei einer Reise verliebt und es unter Einsatz seines Privatvermögens restauriert. Überhaupt sind es selten die großen Hotelketten, sondern oft branchenfremde Einzelkämpfer, die den Baudenkmälern im Zeichen des Tourismus neues Leben eingehaucht haben.

Schloss mit Standesamt

Auch der Diplom-Ingenieur Alfred Rüßel fand erst nach der Wende zu seiner neuen Berufung: "Ich habe vorher Autobahnen und Fernstraßen gebaut." Mit zwei Häusern und einem weiteren in Planung gehört der Schleswig-Holsteiner schon zu den "Big Playern" im mecklenburgischen Schlössertourismus. Den Fünf-Sterne-Hotels Schloss Schorssow und Schloss Teschow in der mecklenburgischen Schweiz soll 2007 ein weiteres in Lübzin folgen. "Dann können wir die Bedürfnisse aller Generationen befriedigen", so Rüßel.

Burg Schlitz: Regelmäßig stehen rund um die Burg Schlitz Treib-, Schlepp-, Drück-, Rehbock- und Entenjagden auf dem Programm
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Burg Schlitz: Regelmäßig stehen rund um die Burg Schlitz Treib-, Schlepp-, Drück-, Rehbock- und Entenjagden auf dem Programm

Das an einem See gelegene Schloss Schorssow spricht vor allem ein gesetzteres Publikum und - dank eines angeschlossenen Standesamtes - Hochzeitspaare an. Was in Schorssow auf Grund der örtlichen Gegebenheiten nicht möglich war, verwirklichte Rüßel im 15 Kilometer entfernten Teschow: Das klassizistische Haus erhielt einen stattlichen Anbau, in dem 84 der 94 Zimmer und die Wellness-Abteilung untergebracht sind. Davor erstreckt sich ein Golfplatz. "Damit sprechen wir sportliche Gäste an", so Rüßel. Die neue Anlage in Lübzin wird sich mit einem Wasser-Freizeitpark und Apartments für Selbstversorger vor allem an die Zielgruppe "junge Familie" richten.

Doch über die Finanzkraft von Rüßel und seinen Gesellschaftern verfügen nicht alle Schlossherren. "Viele haben keine andere Wahl, als ihre Häuser für den Tourismus zu öffnen", sagt Hubertus Graf von Klot-Trautvetter, der sein Familienschloss Hohendorf bei Stralsund nach 1989 zurückgekauft hat. Mit 50 Zimmern liege es an der unteren Grenze dessen, was zum wirtschaftlichen Betrieb notwendig sei.

Lieblingshobby der Adligen

Damit kleinere Häuser wie seines im Wettbewerb der Schlosshotels nicht untergehen, wurde auf Initiative des Grafen die Vereinigung der Schlösser, Herrenhäuser, Gutshäuser in Mecklenburg-Vorpommern gegründet. Die derzeit 21 Mitglieder geben gemeinsam Prospekte heraus und "motivieren sich gegenseitig", so von Klot-Trautvetter.

Einen Sonderfall bildet die Burg Schlitz, gelegen am Buchenberg zwischen Teterow und Waren. Die dreiflügelige Anlage mit Säulenvorbau und Aussichtstürmchen hatte und hat großzügige Geldgeber im Rücken. Nach der Wende von der Mast-Jägermeister AG erworben und restauriert, gehört sie seit November 2000 dem Stinnes-Konzern. Im Inneren sticht besonders der neugotische Rittersaal mit 20 bunten Wappenschildern unter der spitz zulaufenden Stuckdecke ins Auge. Vor zwei Jahren wurde außerdem ein neuer Wellness-Trakt eröffnet.

Doch bei Preisen von 210 bis 490 Euro pro Doppelzimmer oder Suite ist auch die Burg Schlitz kein Selbstläufer. "Man braucht ein Alleinstellungsmerkmal", sagt Direktor Thomas Kilgore. Das haben er und seine Frau inzwischen gefunden: die Jagd. Regelmäßig stehen rund um das Anwesen Treib-, Schlepp-, Drück-, Rehbock- und Entenjagden auf dem Programm. "Damit bestreiten wir ein Viertel unseres Geschäfts", sagt Kilgore. Wenn die Gäste schon in den Betten des Adels schlafen, können sie schließlich auch dessen Lieblingshobby frönen.

Von Tobias Wiethoff, gms

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