Von Kerstin Jansen
Hamburg - Immer tiefer geht es hinein in den Wald. Querfeldein, über krachende Äste und kleine Rinnsale. Vorbei an dornigen Hecken und umgestürzten Bäumen. In der Hand piept das GPS-Gerät. Noch ein paar Meter, dann ist das Ziel erreicht: 51 Grad 3,537 Minuten Nord und 6 Grad 36,237 Minuten Ost. Hinter diesen Koordinaten verbirgt sich ein kleiner Schatz: ein sogenannter Cache (sprich: Käsch). Der Weg dorthin, eine moderne Art der Schnitzeljagd. Geocaching nennt sich dieser Freizeittrend aus den USA, der auch hierzulande immer mehr Anhänger findet.
Fast 7000 Geocacher sind in Deutschland auf der Internetseite www.geocaching.de registriert, mehr als 12.000 Caches verzeichnet. Diese "Schätze" bestehen meist aus einer wasserdichten Tupperdose mit allerlei Krimskram darin. Ein Flummi, eine Schraube, ein Eiskratzer, ein Logbuch - das war der Inhalt des Caches im Wald bei Grevenbroich in Nordrhein-Westfalen. Der Finder darf sich rausnehmen, was ihm gefällt - und legt dafür etwas Neues hinein. Im Logbuch wird Name und Datum eingetragen.
Die Beute ist für Geocacher eher Nebensache. Der Weg ist das Ziel. Viele Caches liegen an abgelegenen Orten. Der Clou dieser modernen Schnitzeljagd: Im Internet werden die Koordinaten der versteckten Tupperdose veröffentlicht. Mit einem GPS-Empfänger, mit denen mittlerweile auch viele Autos ausgestattet sind, machen sich die Geocacher auf den Weg. Diese Navigationsgeräte peilen per Satellitenortung das Ziel an. Der Monitor zeigt mit einem Pfeil Himmelsrichtung und Entfernung an.
Ein Freizeitspaß nicht nur für Computerfreaks. Immer mehr Familien machen sich auf die Jagd nach den versteckten Plastikdosen. Neuerdings haben auch Tourismusbüros Geocaching entdeckt. "Einen etwas anderen Tagesausflug" verspricht beispielsweise die Fremdenverkehrsgemeinschaft im schleswig-holsteinischen Friedrichstadt. Seit dieser Woche bietet sie eine kombinierte Geocaching-Tour durch Stadt und Umland an.
Geocaching als Betriebsausflug
19 Stationen müssen Schatzsucher abklappern - zu Fuß, per Tretboot oder Fahrrad. Dahinter verbergen sich jeweils kleine Rätsel, die schließlich zum Cache führen. Der Rundgang endet bei der Touristeninformation, wo sich die Geocacher an einem Computerterminal direkt im Internet mit ihrem Fund verewigen können. Die GPS-Geräte sollen gegen eine geringe Gebühr und eine Kaution ausgeliehen werden können. Die Fremdenverkehrsgemeinschaft will mit dem neuen Angebot die große Gemeinschaft der Geocacher ansprechen, sagt Sprecherin Kerstin Lakatos. "Solche Touren bieten sich aber auch für Vereine oder Betriebsausflüge an. Das ist mal etwas Ausgefallenes, bei dem durch die gemeinsame Suche auch die Teambildung gefördert wird."
Ein ähnliches Angebot startet ab dem 17. September auch die Deutsche Fehnroute in Leer. Diese Woche werden entlang der bestehenden Route durch die ostfriesische Moorlandschaft mehrere Caches gelegt, die jeweils mit einem Rätsel zu Kultur und Region verbunden sind. Zwei Touren soll es geben: einen nördlichen Kurs rund um die Themen Tee und Moor sowie einen südlichen Kurs zu Wasser und Schifffahrt. Jede Strecke ist in einem Tagesausflug zu schaffen. Insgesamt ist der Rundkurs der Deutschen Fehnroute 163 Kilometer lang. Das benachbarte Papenburg beteiligt sich mit einem 30 Kilometer langen "Städtecache" an diesem Projekt. Das Wort "Fehn" kommt aus dem Niederländischen und bedeutet Moor.
Domino-Effekt für den Tourismus
Auch in Leer können sich die Hobby-Schatzsucher GPS-Geräte gegen Pfand und Leihgebühr bei der Tourist Information ausleihen. Thekla Koch von der Deutschen Fehnroute erhofft sich durch Geocaching einen Domino-Effekt: "Wir wünschen uns, dass auch aktive Geocacher die Region kennen lernen und vielleicht eigene Verstecke anlegen." Das Angebot richtet sich an Rad- und Autofahrer oder auch Schulklassen.
Geocaching touristisch aufbereitet - für viele Geocacher geht dabei das Abenteuergefühl verloren. Auch nach fünf Jahren gilt die elektronische Schnitzeljagd noch immer als Geheimtipp. Erfunden wurde Geocaching vom Amerikaner Dave Ulmer, der am 3. Mai 2000 seinen ersten Cache in der Nähe von Estacada in Origon versteckte. Genau einen Tag nachdem der damalige US-Präsident Bill Clinton die künstliche Verzerrung des GPS-Signals durch das US-Militär abschalten ließ. Fünf Monate später wurde auch der erste Cache in Deutschland versteckt. Heute ist Cache "First Germany" in Brandenburg ein Klassiker.
Mittlerweile gibt es solche Caches in allen Teilen der Welt. Fast 200.000 versteckte Plastikdosen in 217 Staaten listet die Internetzentrale geocaching.com auf. Selbst in Afghanistan haben amerikanische Soldaten fünf Caches angelegt. Vier solcher "Schätze" liegen in der Antarktis. Im abgelegenen Königreich Bhutan in Südasien erwartet Geocacher eine Dose mit einem kleinen Bronze-Buddha darin. Ein Cache ist sogar in einer Sanddüne in der libyschen Wüste versteckt. Wer es versuchen will, einfach diese Koordinaten im GPS-Gerät eingeben: 27 Grad 33,818 Minuten Nord, 9 Grad 54,403 Minuten Ost.
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