Mittwoch, 10. Februar 2010

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03.10.2005
 

Remstal

"Komma, gugga, schmecka, schlotza"

Schlotzen heißt im Schwäbischen Wein trinken - und das ist im Remstal Pflicht. Den Fluss säumen Weinberge, die nach der Ernte im Herbst in allen Farben schillern und von denen berühmte Spitzenweine stammen.

Remstal: Obstwiesen, Weinreben und kleine verwinkelte Städtchen
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Remstal: Obstwiesen, Weinreben und kleine verwinkelte Städtchen

Weinstadt - Selbst "Schwarzer Peter" wird hier nicht gespielt, sondern getrunken. Reinhold Maier, Baden-Württembergs erster Ministerpräsident, gab dem Hauswein im Landgasthof "Hirsch" in Remshalden-Grunbach seinen berühmten Namen. Mit dem Satz, er "spiele das Schwarzer-Peter-Spiel von Konrad Adenauer bei den Europäischen Verträgen nicht mehr mit", lockte Maier einst mehrere Dutzend Journalisten aus Europa ins Remstal. Seither heißt der eigens für den "Hirsch" gekelterte Trollinger "Schwarzer Peter".

Das Remstal ist das Naherholungsgebiet der Region Stuttgart. Von ihrem Ursprung bei Essingen im Ostalbkreis bis zur Mündung in den Neckar bei Neckarrems fließt die Rems 80 Kilometer lang an Streuobstwiesen, Wäldern und grünen Auen vorbei, entlang an Weinbergen und durch verwinkelte Dörfer und Städtchen.

Die Obstbaumblüte im Frühjahr ist ein Erlebnis, ebenso der Herbst, wenn die Rebstöcke voller Trauben hängen. Und nach der Lese der Trauben, die Spitzen-Weingärtner wie Ellwanger in Winterbach, Haidle und Beurer in Stetten, Klopfer und Ellwanger in Großheppach, Kuhnle in Strümpfelbach, Aldinger und Schnaitmann in Fellbach oder Schwegler in Korb anbauen, schillert das Laub der Reben in allen Farben.

Dreiklang aus Natur, gutem Essen und feinen Weinen

"Komma, gugga, schmecka, schlotza" - was sich wie die schwäbische Variante von Cäsars "veni, vidi, vici" anhört, ist Motto des Remstals und die Aufforderung, sich in diesem Landstrich östlich von Stuttgart vom Dreiklang aus Natur, gutem Essen und feinen Weinen verwöhnen zu lassen. Schlotzen steht im Schwäbischen für Wein trinken. Nicht umsonst gilt das Tal als vinologisches Zentrum und die Wiege von Württemberg.

Waiblingen: Mit ihren alten Fachwerkhäuser und historischen Stadtmauer gehört die Stadt zur "Deutschen Fachwerkstraße"
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Waiblingen: Mit ihren alten Fachwerkhäuser und historischen Stadtmauer gehört die Stadt zur "Deutschen Fachwerkstraße"

Im Jahr 1080 erbaute Konrad von Beutelsbach auf dem Wirtenberg eine Burg, die der Familie den Namen gab. Nicht weniger wichtig war 1514 der Bauernaufstand "Armer Konrad", der zwar blutig niedergeschlagen wurde, letztlich aber zum "Tübinger Vertrag" führte - der ersten Verfassung von Württemberg.

Bedeutsam ist auch das im Jahr 885 in einer Urkunde des Karolinger-Kaisers Karl III. erstmals erwähnte Waiblingen: Mit dem Schlachtruf "Hie Welf, hie Waibling!" trugen die mächtigen Staufer den Namen der heutigen Kreisstadt nach ganz Europa. Die historische Stadtmauer mit ihren gut erhaltenen Tortürmen und die Fachwerkhäuser führten zur Aufnahme Waiblingens in die "Deutsche Fachwerkstraße".

Daimler als Falschmünzer vertrieben

Sehenswert ist im Remstal unter anderem der Limes in Schwäbisch Gmünd, das jeden Sommer zum Festival "Europäische Kirchenmusik" einlädt. Oder Lorch mit seinem romanischen Kloster. Flussabwärts folgt Schorndorf, der Geburtsort von Gottlieb Daimler. Ihn hielten die Leute wegen seiner nächtlichen Versuche mit dem "leichten, schnelllaufenden Benzinmotor" für einen Falschmünzer, weshalb er seine Erfinderwerkstatt nach Bad Cannstatt verlegte. Aus Geradstetten kommt dagegen der "Spätzles-Schwob", eine Presse, die die schwäbische Speise wie handgeschabt auf den Teller bringt.

Bei einer Stadt ist der Name Programm: Weinstadt liegt im Herzen des Remstals, umgeben von den Hängen des Schurwalds, von Obstwiesen und Weinbergen. Es gehört zu den führenden Weinbauzentren Württembergs. Selbst die Pietisten, die im Remstal zu Hause sind, trinken öfters ein Viertele Riesling und pflegen dann zu sagen: "Wenn der Wein nicht ein Geschenk Gottes wäre, könnten wir ihn noch viel besser verachten."

Von Wolf Günthner, gms

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