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13.10.2005
 

Côte d'Azur

Promi-Spotting an der Corniche

Azurblaues Meer, bizarre Felswände und weite Sandbuchten - die traumhafte Côte d'Azur überrascht immer wieder neu. Hier gibt es kaum einen Ort, der nicht Maler angezogen hätte und in dem nicht unzählige Restaurants und Galerien auf Gäste warten. Eine Fahrt von Marseille bis Monaco.

Marseille/Nizza - "La grande bleue" nennen die Franzosen liebevoll das Mittelmeer. Seine Küsten überraschen immer wieder neu durch bizarre Felswände, Sandbuchten und das Spiel der Natur mit der Farbpalette. Das Azurblau des Meeres mischt sich mit dem sanften Grün von Palmen und Olivenbäumen, getupft mit dem Ockerton provenzalischer Bauernhöfe unter dem gleißenden Licht des Himmels. Am beeindruckendsten ist dieses Schauspiel an der Côte d'Azur, die als Bonbon dazu die rege Betriebsamkeit der Yachthäfen und der vornehmen Hotels bietet. Auf den schier endlos kurvigen Küstenstraßen dieser Traumgegend wird der Reisende mit Eindrücken nur so überschüttet.

Nizza: Eine der wichtigsten Stationen auf der Küstenreise
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Nizza: Eine der wichtigsten Stationen auf der Küstenreise

Am Alten Hafen von Marseille beginnt die Reise entlang der Côte d'Azur. Hier dümpeln Fischerbooten, am Horizont liegt das berüchtigte Inselgefängnis Chateau d'If, das Alexandre Dumas im "Grafen von Monte Christo" verewigt hat. Wer will, fährt vor bis zum Cap Croisette am Südende der Metropole, um schon einmal die Weite des Mittelmeeres in sich aufzunehmen. Von hier aus wird die Route meist der Département-Straße D559 folgen, die ostwärts führt - an dieser abwechslungsreichen Küste folgen dann bis Menton an der Grenze zu Italien zwei Nationalstraßen.

In den Bergen nahe am Meer wächst die Vorfreude auf die Calanques, die bekannten Kalksteinfelsen, die unterhöhlt sind und kleinste Fjorde formen. Noch bis weit in den Herbst hinein laden sie zum Baden ein. Die Städtchen Cassis und Bandol in der Nähe haben nicht nur wegen ihrer Lage einen guten Klang - auch der dort produzierte Wein spielt da eine Rolle. Sanary-sur-Mer wiederum sagt dem belesenen Reisenden etwas: Hierher zogen sich verfolgte deutsche Schriftsteller und Denker in der Nazi-Zeit zurück, allen voran Lion Feuchtwanger.

Clooney-Watching

Ist genügend Zeit und Muße, drängt sich ein Schlenker zum weit ins Meer ragenden Cap Sicié und zur Halbinsel Saint-Mandrier auf. Schon fällt der Blick auf die Bucht des Kriegshafens Toulon, die Reede wird vielleicht gerade vom Stolz der französischen Marine, dem Flugzeugträger "Charles de Gaulle", beherrscht. Stracks geht die D559 hinter Toulon auf die Halbinsel von Giens südlich von Hyères mit ihren Salinen und dem Cap de l'Esterel zu. Hier kann man übersetzen oder auch nur einen Blick aus der Ferne auf die Insel Porquerolles werfen. Sie gilt wegen ihrer üppigen Vegetation als ein kleines Paradies.

l:Saint-Tropez: Kunst am Hafen
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l:Saint-Tropez: Kunst am Hafen

Wenn es im Schatten des wiederholt von schweren Waldbränden heimgesuchten Mauren-Gebirges über Bormes-les-Mimosas und Lavandou gen Saint-Tropez geht, dann ist ein Abstecher über Ramatuelle an die Strände der Reichen und des Jetset - Plage de Tahiti und Plage de Pampelonne - fast Pflicht. Man will schließlich erzählen können, dort Georges Clooney oder Paris Hilton erspäht zu haben, wie sie in einer der "In"-Strandbars ihren Drink schlürften und mit wem sie flirteten.

Ah, Saint-Tropez! Das ist trotz allen Trubels seit den Hoch-Zeiten der Brigitte Bardot weit mehr als der Treffpunkt der Schönen und Reichen. Saint-Tropez ist der schon bei Künstlern früher äußerst beliebte und einst so beschauliche Fischerort mit seiner prägnanten Kirche, dem provenzalischen Häuserspalier am Hafen, den Märkten und dem in Meeresnähe unterhalb der Zitadelle gelegenen Seemannsfriedhof.

Bei Grimaud übernimmt dann die Route Nationale 98 - später die RN7 - die Aufgabe der Küstenstraße und gibt immer wieder die Sicht aufs Meer frei. Nach Fréjus und Saint-Raphael leuchtet bereits von weitem rötlich-kristallin der Esterel-Gebirgszug. Die 100 Jahre alte "Corniche"-Kurvenstrecke nach Cannes mit einer Vielzahl an Buchten und Felsnasen gilt als das zauberhafteste Stück der "French Riviera". Cannes mit dem langen Strand ist natürlich einen Spaziergang unter Palmen auf der Croisette wert, auch wenn das internationale Filmfestival erst im Mai wieder ansteht - ansonsten hat die Côte d'Azur jedoch Attraktiveres zu offerieren.

Versteckte Villen der Reichen

Juan-les-Pins und Antibes mit der Jetset-Halbinsel Cap d'Antibes, dem Garoupe-Strand und den Prachthotels rufen die Zeit in Erinnerung, die Pablo Picasso in dieser Gegend verbracht hat. Bei der in sich ruhenden Azur-Metropole Nizza mit seinen Museen und der italienischen Vergangenheit ist es eher Henri Matisse, der Akzente gesetzt hat.

Cannes: Bummel unter Palmen
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Cannes: Bummel unter Palmen

An der Côte d'Azur gibt es kaum einen Ort, der nicht Maler und Schriftsteller angezogen hätte und in dem nicht zuhauf Galerien und Restaurants auf Kundschaft warten. Ganz bewusst versteckt hinter Platanen und abseits auf Felsspitzen gelegen sind die Villen der Reichen dieser Welt.

Und sind vor Monaco die Augen vom vielen Schauen etwas müde, dann ist das der richtige Zeitpunkt für ein zelebriertes französisches Essen, besser: ein mediterranes. Mittelmeerfische und frisches Gemüse in Olivenöl kommen auf den dezent gedeckten Tisch. Von der klassischen Marseiller Fischsuppe Bouillabaisse bis hin zum frisch angelandeten Loup de Mer (Wolfsbarsch), garniert mit einem Dutzend Oursins (Seeigel) reicht die Palette dessen, was das Meer bietet. Für den Mini-Appetit gibt es Tapenade-Mus mit Oliven oder "Socca", das in Nizza übliche Fladenbrot aus Kichererbsenmehl.

Zum Schluss dann Monaco, und das heißt: Grimaldi-Herrlichkeit, Milliardäre auf einem schmalen Felsen wie sonst nirgendwo und in einem Fürstentum, das früher oft Schlagzeilen machte als Paradies für Geldwäscher. Auch heute noch ist es eine Paparazzi-Hochburg.

Monaco ist bei all seiner Modernität, die gerade der neue Fürst Albert II. gern betont, weiter der Ort für Promi-Getuschel, den Casino-Besuch oder die Einkehr im Drei-Sterne-Fresstempel "Louis XV" des Alain Ducasse gleich nebenan. Nach so viel städtischem Trubel und historischem Glanz lässt dann Menton vor der Grenze zu Ligurien die Küstenreise auf einer leichteren Note ausklingen, italienisch eben. Und im Bewusstsein bleibt nach einem erfrischen Bad: Es hätte, von so manchem Stau oder Nepp abgesehen, im Traum kaum schöner sein können.

Von Hanns-Jochen Kaffsack, gms

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