Merzen - Sechs Bahnwaggons auf Abwegen: Eigentlich gibt es in Merzen bei Osnabrück gar keine Bahngleise. Dennoch hat der Gastronom und Eisenbahnfan Hermann Dückinghaus ein Hotel in einer stehenden Eisenbahn geschaffen, und das mit dem Komfort eines Drei-Sterne-Hauses. "Gemeinsam mit den Osnabrücker Dampflokfreunden habe ich sechs Waggons bei verschiedenen Museumseisenbahnen aufgetan und sie auf der Straße nach Merzen befördern lassen", erzählt Dückinghaus. Die Bahnfreaks hätten auch sonst bei dem Projekt Hand angelegt und beispielsweise die Waggons beschriftet.
Auch richtige Gleise hat Dückinghaus gebaut. "Denn ein Zug ohne Schienen ist nur die halbe Miete", sagt er. Und schließlich musste auch ein typisches Bahnhofsgebäude her. Das wurde in dem kleinen Ort Merzen kurzerhand mit tatkräftiger Unterstützung von ortsansässigen Handwerkern aufgestellt: eine verglaste Holzkonstruktion. Hier gibt es alles, was einen richtigen Bahnhof ausmacht. Auch Hinweisschilder, Wartebänke und die klassische Bahnhofsuhr fehlen nicht.
"Für mich ging ein Traum in Erfüllung", sagt Dückinghaus. Und Merzen ist um eine Attraktion reicher. Die neue Herberge nennt sich "Hotel Bahnhof Lechtrup-Merzen". Die neun Doppelzimmer sind komfortabel eingerichtet. Eines kann auch als Dreibettzimmer genutzt werden. Jedes Zimmer hat ein eigenes Bad und WC. Auch Fernseher und Telefon sind vorhanden.
Getränkeservice per Modellbahn
Die Gäste genießen das Eisenbahnhotel offenbar: Es schlafe sich gut auf Schienen, heißt es. Man träume von der schönen weiten Welt und all das in ländlicher Umgebung. Und wer vor dem Schlafengehen noch mal kurz frische Luft schnappen will, ist im Nu auf dem Bahnsteig.
Frühstück gibt es in Dückinghaus' Restaurant. Und dort geht der Eisenbahntraum weiter: Denn Dückinghaus sagt von sich selbst, er sei halt ein bisschen verrückt nach allem, was mit der Eisenbahn zu tun hat. Und so hat er auch seinen Landgasthof zu einem kleinen Eisenbahnmuseum gemacht mit zahlreichen Requisiten aus dem In- und Ausland. Mehr noch: Wer hier zum Essen ein Getränk bestellt, erhält dieses auf dem Schienenweg. Eine Modellbahn-Gleisanlage durchzieht einige Räume des Gasthofs und schließt auch die Terrasse mit ein.
Innen gibt es sieben und außen sechs Stationen. Sie alle sind Miniaturabbilder von Bahnhöfen der Region und wurden in Eigenarbeit erstellt. Nur an der Kegelbahn musste die Fassade eines Bahnhofs aus Platzgründen an die Wand gezeichnet werden.
Die meisten Tische haben Gleisanschluss. Das Glas Bier wird mit dem Modellbahn-Güterzug herangeschafft. Dazu drückt der Gast zunächst ein Knöpfchen. Sogleich wird er von einer Bahnhofsansagerin begrüßt. Es dauert nicht lange, bis ein Schienenfahrzeug anrollt und am Tisch hält. Ihm wird der auf einem Bestellzettel notierte Getränkewunsch mitgegeben. Wenig später fährt ein Zug vor, das Glas Bier kann abgeladen werden.
Von Daniel Meier, ddp
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