Bayonne/Biarritz - Über den Dächern von Bayonne flattert rot-weiß-grün die baskische Flagge im Wind. In der Hauptstadt des französischen Baskenlandes bringt ein kostenloser Elektrobus die Besucher ins Zentrum. "Einst war Bayonne wie Venedig mit Kanälen durchzogen", erklärt Stadtführerin Isabelle Dupont. Doch diese Wasserstraßen sind längst zugeschüttet, und heute flanieren hier Menschen, um einzukaufen.
"Beliebt ist unser 'Schinken von Bayonne', auch wenn er in Wirklichkeit aus der Umgebung stammt", sagt Isabelle. Der Schinken wird weder gekocht noch geräuchert, sondern gesalzen und getrocknet.
Kulinarisch bekannt ist Bayonne auch für Schokolade. Schwarz und bitter muss sie sein, so haben es die sieben Chocolatiers der Stadt schon vor Jahrhunderten festgelegt. "Im Jahr 1670 hat die Schokolade Frankreich über Bayonne erreicht", weiß die Stadtführerin. Heutige Gäste können sich kaum dem verführerischen Anblick der süßen Kreationen entziehen. Chocolaterien wie Daranatz in der Rue Port-Neuf zelebrieren im Schaufenster die Kunst um die Kakaomasse.
In Bayonne wird aber nicht nur gerne gut gegessen, sondern auch gebetet - die Stadt ist eine Station auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela. Die gotische Kathedrale Notre-Dame hat schon viele Pilger gesehen. "Platz gibt's ja genug, der Bau ist 80 Meter lang und hoch und 35 Meter breit", flüstert Isabelle im Schiff der Kirche.
Einen Einblick in die baskische Geschichte und Kultur bietet das "Musée Basque". Es gilt als größtes ethnographisches Museum im Baskenland, das sich über drei Provinzen in Südfrankreich und vier in Spanien erstreckt. Mit 2000 Einzelobjekten erzählt das Museum von der baskischen Identität, Gesellschaft und Tradition, und es wird die Anfertigung des weltweit bekannten Stoffschuhs Espandrille gezeigt.
Biarritz - erster Wellenreiter-Ort Frankreichs
Internationaler Flair liegt im Seebad Biarritz in der Luft. Der legendäre Jetset ist zwar verschwunden, doch manche Stars verbringen nach wie vor ihren Urlaub hier. Der Atlantik lockt die Wellenreiter. "Biarritz ist stolz darauf, der erste Wellenreiter-Ort Frankreichs zu sein", versichert Maylis Garrouteigt vom Tourismusbüro. 2008 soll sogar ein Museum rund um das Wellenreiten eröffnet werden. Doch die Surfer von heute sind meist nicht die Gäste, die die feinen Hotels füllen. Die spielen eher Golf. Der Golfplatz "le Phare" mit seinem Clubhaus im englischen Stil wurde im Jahr 1888 angelegt.
Als Kaiser Napoleon III. und seine Frau Eugénie hier weilten, brachte es Biarritz zu frühem touristischem Ruhm. Der europäische Adel kam, dann der internationale Geldadel, später Hollywood. Alle hinterließen architektonische Spuren. Auf einer Tour durch die Stadt können sich Touristen Hunderte von Villen der unterschiedlichsten Baustile ansehen: Neo-Gotik, Neo-Klassizismus, Jugendstil oder neo-baskische Häuser mit grünen Fensterläden und roten Fachwerkbalken. Im Stil des Art déco ist das Casino direkt am Strand gebaut.
"Trotz der polyglotten Einflüsse ist Biarritz baskisch", glaubt Maylis. Beweis dafür seien etwa die Stadien für die Wettkämpfe von Cesta Punta. Dies ist eine von 20 Varianten von Pelote, des ureigensten baskischen Spiels, das als schnellstes Ballspiel der Welt gilt. Touristen können hier einen Anfängerkurs belegen.
Hochzeitskirche des Sonnenkönigs
Im Gegensatz zum noblen Biarritz wirkt das benachbarte Saint-Jean-de-Luz gemütlich. "Das ist ein richtiger Familienort", sagt Isabelle Forget, die das Tourismusbüro leitet. "Da unsere Bucht mit Barrieren geschützt ist, brechen die großen Wellen nicht herein. Kinder können sicher am Strand spielen, der direkt an die Altstadt grenzt."
"Wir sind die typischste baskische Stadt an der Atlantikküste", behauptet Myriam Touati, die Touristen durch den Badeort führt. "Hier vermählte sich der Sonnenkönig Ludwig XIV.", sagt Myriam und betritt die Kirche St. Jean Baptist. "Die ist ganz im baskischen Stil: Die Frauen sitzen im Parterre und die Männer oben in den seitlichen, dreistöckigen Galerien aus Holz." In "La Maison Louis XIV." steht noch das Originalbett, in dem der Herrscher 1660 einige Tage ruhte.
Ein neuer Wanderweg verbindet Saint-Jean-de-Luz mit dem südlich gelegenen Hendaye. Dieser "Sentier de littoral" führt direkt an der Küste entlang. Insgesamt 25 Kilometer zieht sich der Pfad über von Wellen umspülte Klippen, auf weiten Sandstränden, durch Ortschaften und Naturparks, meist mit Blick auf den Atlantischen Ozean.
Eine Station ist die "Domaine d'Abbadia". Vogelgezwitscher und Schafsgeblöke begleiten den Wanderer durch diese grüne Oase. "Wir sind stolz auf den biologischen Reichtum unseres Parks", strahlt Ganix Grabieres, der Direktor der Anlage, die die Natur der Region widerspiegeln soll. Mitten im Park erhebt sich das einsam gelegene Chateau d'Abbadia. Das kuriose Schloss hat Antoine Abbadie im 19. Jahrhundert bauen lassen. Der Adlige hatte sich der Wissenschaft verschrieben: "Er sprach 14 Sprachen, war Geograph, Orientalist und Astronom", erzählt der Konservator Frédéric Soulu. Besuchern zeigt er die Sternwarte des früheren Hausherrn und dessen Bibliothek.
"Antoine Abbadie war ein Vorkämpfer für die baskische Sprache Euskara", sagt Soulu. Wahrscheinlich hätte er Freude daran gehabt, durch das heutige Hendaye zu schlendern, den letzten Küstenort vor der spanischen Grenze. Ob am breiten Sandstrand oder im Yachthafen, überall sind die Straßenschilder zweisprachig beschriftet: in Französisch und in Baskisch.
Von Daniela David, gms
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