Frischezentrum Frankfurt: Das Paradies liegt am Flughafen

Im unscheinbaren Gebäude 454 am Frankfurter Flughafen verbirgt sich ein Schlaraffenland für Feinschmecker: Hier lagern Rindersteaks aus Uruguay, Edelfisch von den Seychellen und Spargel aus Peru. Jetzt braucht das riesige Lager mehr Platz - für Pharmaprodukte.

Frankfurt/Main - Die Ware ist so frisch wie sonst nirgendwo in Deutschland, denn im Perishable Center Frankfurt (PCF), einem der weltweit größten Luftfrachtumschlagplätze für verderbliche Ware, landen auf 9000 Quadratmetern die Produkte aus etwa 50 Ländern für den Weitertransport nach ganz Europa.

Rolf Griemsmann packt gerade einen riesigen Schwertfisch in Eis, der noch bis vor kurzem im Mittelmeer zu Hause war. "Der Fisch ist schneller geflogen als gefangen", verdeutlicht der Leiter der Fischzone im PCF die kurzen Wege zwischen Quelle und Abnehmer. In höchstens 60 Stunden ist die Ware in Gebäude 454, das gleichzeitig anerkannte Grenzkontrollstelle und somit Tor zur EU ist. 96 Prozent der Ware verlässt das Frischezentrum noch am selben Tag wieder.

Etwa 30 Prozent der ankommenden Ware sind Fleisch und vor allen Dingen Fisch - Tendenz steigend. Denn längst kommt der überwiegende Teil des in Deutschland servierten Salzwasserfisches nicht mehr in den Häfen von Nord- und Ostsee, sondern am Frankfurter Flughafen an.

Luftfracht ist teuer, deswegen ist die Ware gut

Nach der Ankunft der Produkte in Frankfurt erfolgt zunächst die Qualitätskontrolle durch Veterinäramt, Pflanzenschutzbehörde und Bundesamt für Landwirtschaft und Ernährung. Mehr als 30 Veterinäre begutachten die Importe direkt im PCF. Die dabei beanstandete Ware sei "verschwindend gering", sagt einer der Lebensmittelprüfer.

Das Frischezentrum Frankfurt in Zahlen
100.000 Tonnen Luftfrachtaufkommen pro Jahr
9000 Quadratmeter Lagerfläche
an 365 Tagen im Jahr 24-Stunden-Betrieb
200 Temperatur-Kontroll-Sensoren
94 Mitarbeiter
86 Kontrollkameras im gesamten Gebäude
rund 70 Tonnen Fisch landen täglich in Frankfurt
aus rund 50 Ländern fliegen die Waren in Frankfurt ein
18 verschiedene Temperaturbereiche von minus 24 bis plus 24 Grad
drei Tonnen Wassereis am Tag werden zur Kühlung benötigt
"Luftfracht ist zu teuer, als dass sich die Verkäufer zurückgewiesene Ware leisten könnten", sagt der Geschäftsführer des PCF, Rüdiger Kasper, und deutet auf eine riesige Palette mit Erdbeeren aus Ägypten: "Das ist sehr gute Ware." Denn die Exporteure aus Übersee müssen anders als mancher Erzeuger in Europa die strengen Grenzkontrollen der EU fürchten.

Auch im PCF selbst gibt es penible Hygienevorschriften. So müssen sich beispielsweise die Mitarbeiter und Besucher in Schutzanzug und Haarhaube hüllen. Alle zwei Wochen wird das zur Kühlung verwendete Eis von Lebensmittelchemikern untersucht. Für die Qualitätserhaltung der Blumen wird zudem das Reifehormon Äthylen aus den Lagerhallen abgesaugt. Das Gas entsteht beim Reifen von Früchten. "Das ist die Erklärung dafür, warum Blumen so schnell welk werden, wenn sie neben einer Obstschale stehen", sagt Kasper, der sich selbst einen "Produktfreak" nennt.

Jetzt auch noch Pharmazeutika

Kasper war es auch, der das PCF vor gut elf Jahren aus der Taufe hob. Als der Flughafenbetreiber seinerzeit angesichts der neuen EU-Einfuhrrichtlinien an den erfahrenen Spediteur herantrat, verknüpfte dieser die reine Einfuhrabwicklung direkt mit "additiven Dienstleistungen." So werden Rosen aus Ecuador und Kenia per Hand in Wasserbehältnisse "umgetopft", damit sie schon leicht aufgeblüht beim Kunden ankommen. Mitarbeiter portionieren den ankommenden Fisch bedarfsgerecht für die Großabnehmer, bevor sie ihn wieder auf Eis legen.

Mittlerweile ist das PCF zu klein geworden. Der Grund dafür ist eine Produktgruppe, von der bei der Eröffnung der Schnittstelle zwischen Fluggesellschaften und Speditionen noch gar keine Rede war: Pharmazeutika. Denn die Lageranforderungen der EU für diese Produkte werden immer strenger. Daher soll das PCF in diesem Jahr um fast 30 Prozent wachsen.

Auf 2500 Quadratmetern entstehen Pharmaflächen sowie eine größere Sicherheitszone - eine unmittelbare Auswirkung der neuen Flugsicherheitsrichtlinien. Neben den strengen Sicherheitsauflagen für die Mitarbeiter des PCF hat das Schlaraffenland in Gebäude 454 noch einen weiteren Nachteil: In dem Frischezentrum ist es das ganze Jahr über fürchterlich kalt.

Von Oliver Teutsch, ddp

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  • Datum: Donnerstag 25.01.2007 | 16:15 Uhr
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