Refugium für Ibsen und Munch
Das im Winter etwa 10.000 Bewohner zählende Kragerø, schon früher ein beliebtes Ziel für Norwegens Kunstszene von Henrik Ibsen bis Edvard Munch, verdoppelt im Sommer seine Einwohnerzahl alleine durch Gäste, die mit dem Boot kommen. In Risør findet jedes Jahr am ersten August-Wochenende das "Trebåt-Festival" statt, wo Touristen nicht nur hölzerne Boote aus dem ganzen Land bewundern können, sondern auch Einblick in die hohe Kunst der Schiffszimmerer, Segelmacher und Seiler erhalten.
Dann folgt Tvedestrand an der "Perlenschnur", idyllisch hineingeschmiegt zwischen zwei steile Bergrücken. Dort gibt es ein kleines Café am Ende des Fjords, wo Gäste auf einer schwimmenden Außenterrasse bewirtet werden und ein Verkehrs-Warnschild mal nicht den Elch im roten Dreieck zeigt, sondern darauf hinweist, dass mit einem die Straße kreuzenden Ober zu rechnen ist. Von hier aus starten auch Elch- und Bibersafaris unter kundiger Führung ins Hinterland.
Ganz anders präsentiert sich Arendal. Das einstige "Venedig des Nordens" ist alljährlich Ende Juli Schauplatz des norwegischen Laufs zur Off-Shore-WM, der lautstarken Formel 1 zur See. Wieder beschaulicher geht es in Grimstad und Lillesand zu, ehe Kristiansand mit städtischem Flair und entsprechenden Attraktionen lockt: Der "Dyreparken" ist eine Mischung aus Zoo für Jung und Alt sowie Erlebnispark für die Kleinen. Wer bisher noch keinen Elch, Luchs oder Wolf in der Natur zu Gesicht bekommen hat, kann das hier nachholen.
Idyllisches Jungfrauenland
Anschließend können sich Reisende gleich nebenan in "Kardemomme by", der Stadt der Räuber von Thorbjørn Egner, zurück in die Kindheit entführen lassen: Am Abend treibt dort der grausame, aber zum Glück auch etwas tolpatschige "Kaptein Sabeltann" sein Unwesen auf einem See des Parks. Wer dagegen wilde Partys erleben will, stürzt sich am besten Anfang Juli ins "Quart-Festival", eine der größten Musikfeten des Nordens mit Rap, Techno, Pop und Rock.
Und wo bleibt die Ruhe? Zu finden ist sie beispielsweise auf Jomfruland. Die "Insel der Jungfrauen" entstieg in grauer Vorzeit den Fluten vor Kragerø und bietet, in diesen Breitengraden eine Seltenheit, schattige Buchenwälder. Dazu gibt es Sandstrände, ein paar Gehöfte und einen Leuchturm, aber so gut wie keinen Autoverkehr - ideal zum ungestörten Wandern. Überhaupt keine Autos gibt es auf Lyngøy, der zweiten Oase im Meer: Zwischen Risør und Tvedestrand liegt der Anleger für die Fähre zum fast gleichnamigen Inselhauptort Lyngør, der Zivilisationsgeschädigten Zuflucht bietet.
Stille Gewässer inmitten dichter Wälder gibt es im Hinterland so viele wie an der Küste die Muscheln am Strand. Man kann darin baden oder sie mit dem Kanu befahren. Oft liegen zwischen zwei Seen nur kurze "Portagen", über die Boot und Gepäck getragen werden müssen.
Oder man entscheidet sich für das Seen-Gewirr von Vegårshei: Hier ragen angeblich so viele Inselchen aus dem Wasser wie das Jahr Tage hat. Man kreuzt, kurvt und wendet und entdeckt doch immer neue Ufer. Es ist ein Leben im Takt der Paddel. Am Abend wird das Zelt aufgeschlagen und den nächtlichen Geräuschen der Wildnis gelauscht.
Von Matthias Huthmacher, gms
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Reise | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Europa | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH