Berlin - Die Tarif-Verhandlungen zwischen den beiden Eisenbahnergewerkschaften und der Deutschen Bahn wurden in der Nacht zum Sonntag ergebnislos abgebrochen. Die Entscheidung zu den Warnstreiks fällte die gemeinsame Tarifkommission bei ihrer Sitzung heute am Vormittag in Berlin. "Angesichts der Verweigerungshaltung der Arbeitgeberseite werden wir nun zu massiven Warnstreiks aufrufen", erklärte die stellvertretende Transnet-Vorsitzende Regina Rusch-Ziemba.
Schon ab fünf Uhr morgens oder sogar noch früher müssen sich Fahrgäste der Bahn deshalb morgen auf extrem lange Reisezeiten einstellen. Die ersten Warnstreiks sollen in den Morgenstunden bis in den Vormittag hinein stattfinden, "weil da natürlich viel Betrieb ist", wie Transnet-Sprecher Oliver Kaufhold im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE sagte.
In der Nacht wird es einen ersten Warnstreik in Dortmund geben. Schwerpunkt der Aktionen wird dann morgen unter anderem der Südwesten Deutschlands sein mit Streiks in Frankfurt, Freiburg und Karlsruhe. In Mecklenburg-Vorpommern wird unter anderem in Rostock und Wismar die Arbeit niedergelegt, in Thüringen wird vor allem Erfurt betroffen sein; dort sind auch auch Streikaktionen auf dem Bahnhof geplant. Auch im Hamburger Hauptbahnhof und im bayerischen Kempten werden am Morgen Bahn-Mitarbeiter streiken.
Wann und wo genau es zu Behinderungen kommen wird, wollte der Transnet-Sprecher nicht sagen - damit die Bahn nicht kurzfristig für Notfallpersonal sorgen kann. Die Gewerkschaften fordern für die rund 134.000 Beschäftigten der Bahn eine Lohnerhöhung von sieben Prozent, mindestens aber 150 Euro mehr im Monat. Die Bahn bietet eine Einmalzahlung von 300 Euro sowie Lohnerhöhungen um jeweils zwei Prozent in den Jahren 2008 und 2009. Das hatte die Tarifgemeinschaft als "Almosen" abgelehnt. Auch das in der jetzt abgebrochenen dritten Verhandlungsrunde vorgelegte Angebot des Bahn-Managements, die Einmalzahlung nicht auf Zuschläge anzurechnen, reichte den Gewerkschaftern nicht.
Die Gewerkschaft der Lokführer (GDL) - die von vornherein an den Tarifverhandlungen nicht teilgenommen hat - hatte schon vorher "massive Behinderungen" des Zugverkehrs für die nächste Woche angekündigt. Sie will einen eigenen Tarifvertrag für die Lok- und Zugführer. Der Konzern lehnt dies ab, weshalb es bisher keine Gespräche mit der GDL gab. Die GDL will am Montag Einzelheiten zu den geplanten Streiks bekannt geben. Für das Wochenende und den Berufsverkehr am Montagmorgen sei bisher aber noch nichts geplant - später in der Woche könnten aber auch die Lokführer bundesweit zeitweise die Arbeit niederlegen.
Die Bahn hat sich schon vergangene Woche auf mögliche Streiks eingestellt und eine Service-Hotline für Kunden eingerichtet. Unter der Nummer 08000-996633 soll über Fahrplanänderungen oder den Ausfall von Zügen berichtet werden.
ase/Reuters/dpa
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