Hessens Nationalgetränk stand vor dem Aus. Äppelwoi sollte nicht mehr Äppelwoi heißen dürfen. Aus dem fernen Brüssel erklangen in der vergangenen Woche die bedrohlichen Töne: In einem Entwurf der EU-Kommission für die Reform der europäischen Weinmarktordnung war vorgesehen, dass künftig nur noch Produkte aus Trauben als Wein bezeichnet werden dürften. Statt Apfelwein sollte sich das Traditionsgebräu nun "vergorenes alkoholhaltiges Getränk aus Äpfeln" nennen?
Ein Sturm der Entrüstung erhob sich. Politiker und Apfelweinhersteller starteten die Aktion "Rettet den Apfelwein" – mit Erfolg. Gestern konnte der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) verkünden: Äppelwoi bleibt Äppelwoi. EU-Landwirtschaftskommissarin Mariann Fischer Boel hatte erklärt, es werde sich "eine Lösung finden, damit Apfelwein und andere Obst- und Beerenweine weiterhin wie jetzt vermarktet werden können, nämlich als Fruchtweine". Koch freute sich: "Darauf können alle Freunde des Stöffchens jetzt mit einem 'Gerippten' anstoßen."
Stöffchen? Gerippter? Und das gepetzt? Während der Volkszorn in Mitteldeutschland tobte, wusste der Rest der Republik nicht so recht, wovon eigentlich die Rede ist. SPIEGEL ONLINE will aufklären und in seinem Reise-Podcast mit einem "Kleinen Lexikon rund um den Apfelwein" zum Verständnis für die hessische Befindlichkeit beitragen.
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