Lüneburg - Wenn an den Giebeln und in den Fenstern der alten Backsteinhäuser Tausende kleine Lichter flackern und mächtige Tannen vor dem Rathaus zu Lüneburg leuchten, dann hat in der Salzstadt die Weihnachtszeit begonnen. Nicht nur die drei großen Stadtkirchen St. Johannis, St. Nikolai und St. Michaelis strahlen dann im Licht mächtiger Scheinwerfer, auch das Rathaus und der markante Wasserturm bleiben nach der Dämmerung weithin sichtbar.
Viele Kurzurlauber und Tagesgäste besuchen in dieser Zeit Lüneburg, das sich unter anderem wegen seiner Backsteingotik und seiner Handelsgeschichte als einzige Stadt in Niedersachsen wieder offiziell mit dem Titel Hansestadt schmücken darf. "Die Kulisse und das Flair sind einzigartig, wir machen etwas aus der historischen Bausubstanz", sagt Gerhard Kreutz, Veranstaltungschef von Lüneburg Marketing. Das Kleinod der Vorweihnachtszeit sei der historische Christmarkt, der 2007 am ersten Adventswochenende stattfindet.
Duft von Wachs und Gewürzen
Das Treiben im Schein der Kerzen und Fackeln ist eine Zeitreise zurück in das 16. Jahrhundert. Die Gassen rund um die Bachkirche St. Michaelis füllen sich an diesem Wochenende mit dem Duft von Röstkastanien, Gewürzen und Bienenwachs. In den Trachten der Renaissance bieten Händler und Handwerker Körbe, Töpfereien, Holz- und Schmiedearbeiten, Waren aus Fell, Filz, Wolle oder Leinen feil.
Dicht an dicht stehen die Holzbuden auf dem Kopfsteinpflaster. Unter Dächern aus schwerem Tuch dampft aus schwarzen Kesseln der Punsch. Marktbesucher, die zu tief in den Humpen geschaut haben, rufen notfalls die Stadtwachen zur Ordnung. Den Männern mit den gotischen Äxten am langen Holzstil widerspricht man besser nicht. Der "klassische" Weihnachtsmarkt findet dagegen den ganzen Advent über vor dem Rathaus statt. Er beginnt am 28. November und endet am Tag vor Heiligabend. Täglich untermalen Chöre und Bläsergruppen die weihnachtliche Kulisse musikalisch.
Entspannung im Solebad
In der Fußgängerzone ziehen ein Dutzend Märchenbuden die Aufmerksamkeit der Kinder auf sich. Dort werden die Geschichten der Gebrüder Grimm vorgelesen, bewegliche Figuren spielen Szenen aus den Märchen. Viele Erwachsene werden die Märchenstunden nutzen, um ungestört in den 300 Geschäften der Innenstadt Geschenke zu besorgen. Einen lebendigen Adventskalender erleben Besucher auf einer Bühne auf dem Platz Am Sande. Schauspieler und Chöre bestreiten dort ein weihnachtliches Programm. Im Lüneburger Theater laufen passend zur Jahreszeit das Nussknacker-Ballett und Schneewittchen.
Schmerzen vom Geschenketragen die Glieder oder ist die winterliche Kälte trotz des Glühweins in die Fuß- und Fingerspitzen gekrochen, kann das weiße Gold helfen, das Lüneburg einst reich machte. Zwar wurde die Saline 1982 geschlossen. Sole aus dem Untergrund der Salzstadt wird aber immer noch in die Salü-Therme gepumpt, wo das heiße Salzwasser beim Entspannen hilft.
Dirk Averesch, dpa
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