El Hierro gilt heute als Taucherparadies: In den Grotten und an den abfallenden Felswänden sind Begegnungen mit Rochen, Barrakudas und sogar Haien, Delfinen und Walen keine Seltenheit. Vor allem "El Bajón", eine aus fast 100 Meter Tiefe aufsteigende Felsnadel, zieht jährlich Hunderte Taucher an. Das Riff liegt direkt vor einer kleinen Bucht aus Lavagestein, in der Christoph Kolumbus wochenlang ankerte, bevor er 1492 endgültig über den Atlantik zur Entdeckung Amerikas fuhr. El Hierro war damals das westliche Ende der bekannten Welt, weshalb hier auch der erste Meridian, der "Meridian null" angesetzt wurde, bis ihn die Engländer im Jahre 1884 mit nach Greenwich nahmen.
Heute steht an dem Ort der Leuchtturm "Faro de Orchilla", von dem aus spektakuläre Sonnenuntergänge beobachtet werden können.
Schon die alten Römer kannten das Eiland als westlichsten Punkt der Erde. Mit dem Niedergang des römischen Reiches gerieten die Kanaren jedoch in Vergessenheit, so dass die von nordafrikanischen Berbervölkern abstammenden Ureinwohner El Hierros, die Bimbaches, bis zur Ankunft der Spanier 1405 auf dem Niveau von Steinzeitmenschen weiterlebten. Die Bimbaches nannten ihre Insel "Ecero", was "stark" bedeutet. Vermutlich entwickelte sich daraus später der spanische Name "Hierro". Manche Dörfer wie Tamaduste, Taibique oder Echedo tragen noch heute Namen aus der alten Bimbache-Sprache.
Heimat für seltene Rieseneidechsen
Nur auf Hierro finden Urlauber auch eine Art von Rieseneidechsen, unter anderem in einer Zuchtanstalt bei Frontera. Lange Zeit galt sie als ausgestorben, bis 1974 ein Viehhirte im Gebirge einige Exemplare entdeckte. Mittlerweile leben wieder mehrere Hundert der bis zu 70 Zentimeter langen Echsen in den Steilhängen des Risco de Tibataje.
Eine weitere Attraktion ist das Dorf Guinea im El-Golfo-Tal, ein archäologisches Freilichtmuseum, in dem Besuchern gezeigt wird, wie die Einwohner El Hierros vor Jahrhunderten lebten. Die halbrunde Bucht El Golfo entstand vor etwa 50 000 Jahren nach einem Erdbeben, bei dem ein Drittel der Insel im Meer versank.
Oberhalb der heute schroff und bis zu 1000 Meter abfallenden Felskanten bieten Aussichtsplattformen wie der Mirador de Bascos und der Mirador de la Peña schöne Panoramablicke auf das Tal und den Atlantik. Der Mirador de la Peña, ein Werk des Künstlers César Manrique, beherbergt außerdem ein Restaurant, dessen Besuch lohnt.
Verkrüppelter Wacholderbaum als Wahrzeichen
Versteckt zwischen Lavafeldern und Bananenplantagen, laden Buchten wie der Charco Azul und La Maceta zum Baden ein. Der schönste Strand El Hierros befindet sich jedoch im Westen der Insel: Die Playa del Verodal mit ihrem rötlich-schwarzen Sand ist ein Produkt des letzten Vulkanausbruches 1793, der vor allem den Südwesten mit pechschwarzen Lavafeldern überzog.
Hier in der Hochebene von La Dehesa prägen von den Passatwinden skurril verformte Wacholderbäume die Landschaft. Ein gigantischer Wacholderbaum, dessen verkrüppelter Stamm im rechten Winkel gekrümmt ist, gilt heute als Wahrzeichen der Insel. Nur eine staubige Piste führt in diese mystisch wirkende Landschaft. Manche Vulkankrater reichen fast bis zum Meer herunter - so auch in der Bucht von Tacorón, wo sich ein Naturpool mit klarem Wasser befindet.
Die Insel ist nicht überall so karg und felsig wie im Süden. Im Norden locken saftige Weidelandschaften sowie grüne Hochebenen mit riesigen Kiefernwäldern. Durch das Innere der Insel ziehen sich Berge, in denen sich die Passatwolken verfangen und sich ein dichter Nebelwald gebildet hat. Wanderwege führen durch mit Moos bewachsene Lorbeerwälder, die wie ein verzauberter Märchenwald wirken. Auf alten, teils aus Lavasteinen gebauten Pfaden kann der Wanderer stundenlang durch die Wälder ziehen, ohne einem Menschen zu begegnen.
Und das soll auch so bleiben. Der Tourismusplan für die kommenden acht Jahre sieht vor, dass nur in wenigen Küstengebieten neue Hotels gebaut werden dürfen. Diese müssen vier oder fünf Sterne tragen und maximal 200 Betten bieten. Der Blick auf die Nachbarn Gran Canaria, Teneriffa oder Fuerteventura hat nach Auskunft Morales' zu dieser Entscheidung geführt: "Vor allem im Tourismusbereich haben wir aus den Fehlern der anderen Inseln gelernt".
Manuel Meyer, gms
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