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12.02.2008
 

Sprachreisen für Erwachsene

Garage statt Gastfamilie

In der Sonne Vokabeln büffeln, Fish 'n' Chips knabbern, nette Leute kennenlernen - Sprachreisen sollen das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden. Doch oft halten Veranstalter nicht, was sie versprechen. Stiftung Warentest hat Trips nach England, Malta und Spanien untersucht.

Winzig kleine Zimmerchen, maulfaule Gastgeber und dazu Sprachunterricht mit antiquierten Methoden: Die Tester der Stiftung Warentest kamen bei ihren Recherchen zu Sprachreisen in England, Malta und Spanien zu teilweise unerfreulichen Ergebnissen. Kein Veranstalter erhielt ein Urteil, das besser als "befriedigend" war.

Vielen Sprachschüler buchen eine Unterkunft bei Gastfamilien - sei es, dass sie sich mehr Praxis beim Sprechen der Fremdsprache erhoffen oder dass sie einfach Geld sparen wollen. Oft jedoch waren unangenehme Überraschungen inklusive: So musste ein Tester in einem 6,5-Quadratmeter kleinen Hochhauszimmer ausharren. Statt frischem Gemüse und Vollkornbrot gab es für den Vegetarier abgepackte Donuts. Im Wohnzimmer der Gastfamilie lief pausenlos der Fernseher, und an Schlaf war erst zu denken, wenn sich die Gastgeber zu später Stunde selbst zu Bett begeben hatten. Privatsphäre? Fehlanzeige.

Auch in anderen Unterkünften mussten sich die Tester deutlich einschränken. So wurden sie in Spanien und auf Malta häufig zu sparsamem Umgang mit Wasser und Strom ermahnt. Eine Testerin musste in einer Autogarage nächtigen - der Zutritt zum eigentlichen Wohnhaus blieb ihr versagt. 

Viele Gastfamilien von Sprachenschülern leben offenbar von den spärlichen Mieteinnahmen. Dabei gilt für zahlende Gäste sogar  die europäische Sprachreisenorm DIN EN 14.804. Diese schreibt Zugang zu Küche und Bad, Stauraum für Gepäck, Tisch, Stuhl sowie ausreichende Beleuchtung und Belüftung vor. Wenn nicht einmal diese Grundvoraussetzungen erfüllt sind, sollten sich Reisende unverzüglich beim Veranstalter beschweren.

Frontalunterreicht statt Videos

Auch der Sprachunterricht ist bei fast allen Anbietern verbesserungsfähig. Hier bestimmt klassischer Frontalunterricht das Bild. Viele Lehrer verwenden stur ihre Lehrbücher und Arbeitsblätter, und lebendige Lehrmethoden wie Gruppenarbeit, Rollenspiele oder Medien kommen nur gelegentlich zum Einsatz. Lediglich die Kurse, die der Reiseveranstalter Studiosus in Spanien im Programm hat, waren etwas besser aufbereitet.

Der Unterricht findet in der Regel in Gruppen mit sechs bis zwölf Erwachsenen aus verschiedenen Ländern statt. Das Lernniveau ist trotz Einstufungstest nicht immer einheitlich. Hinzu kommt, dass meist auch einige Langzeitschüler in den Klassen sitzen, die zwei oder drei Monate Sprachurlaub am Stück absolvieren. Ihre Motivation und Disziplin lässt zuweilen zu wünschen übrig. Das stört andere, muss aber nicht immer nachteilig sein: Eine Testerin genoss eine Woche Einzelunterricht, weil die anderen Teilnehmer ständig schwänzten.

Wer Englisch auf Malta lernen möchte, sollte eins bedenken: Für Malteser ist Englisch nicht Mutter-, sondern nur Amtssprache. Ihre erste Sprache ist Maltesisch - eine aus dem Arabischen stammende Sprache mit italienischen, spanischen und englischen Einsprengseln. Das kann nicht nur in den Gastfamilien zu Verständigungsproblemen führen: Selbst die Lehrer waren nicht immer Englisch-Muttersprachler und sprachen mit starkem Akzent. Auch in Spanien gibt es außer dem offiziellen Kastellanisch verschiedene regionale Sprachen wie Katalonisch, Baskisch und Galizisch. Doch hier beherrschen zumindest die Lehrer meist lupenreines Hochspanisch.

Deutsche Anbieter von Sprachreisen vermitteln zum großen Teil Leistungen, die sich jeder mit etwas Zeit und Organisationstalent in den Zielorten auch selbst zusammenstellen kann. Dies könnte günstiger sein, doch hat die Buchung beim Veranstalter einen Vorteil: Über das deutsche Reisevertragsgesetz sind die eingezahlten Beträge gesichert. Wenn im Ausland etwas schiefgeht, kann der Kunde bei seinem deutschen Vertragspartner reklamieren. Selbstorganisierer müssen auch selbst für ihre Rechte kämpfen und notfalls im Ausland prozessieren.

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