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02.07.2008
 

Lauschige Stadtteile

Venedigs versteckte Oasen

Zwischen den Häusern hängen blaue Hosen und rote Bettbezüge, Kinder spielen in den Gassen Fangen: Nur wenige Gehminuten vom Zentrum Venedigs befinden sich die Oasen der Ruhe. In den Bezirken jenseits des Markusplatzes lebt italienische Gemütlichkeit.

In den Gassen flattert die Wäsche, im Schatten dösen Hunde, und aus den geöffneten Fenstern der Häuser dringt Stimmengewirr. Während die Touristenmassen gerade zur Hochsaison den Markusplatz stürmen, können die Besucher nur wenige Gehminuten entfernt ein ungewöhnlich gemütliches Venedig entdecken. Dafür muss man allerdings die bekannten Touristenzentren wie den Dogenpalast und die Rialto-Brücke links liegen lassen und nach Castello, Dorsoduro oder Cannaregio schlendern.

Castello ist sicherlich einer der originärsten Stadtteile der Lagunenstadt. Hierhin verirren sich nur wenige Touristen, obwohl vom Markusplatz aus eine breite Promenade mit einem wunderschönen Blick über den mondänen Lido herführt. Verlässt man die Wasserseite und wendet sich über die Via Garibaldi dem Stadtinneren zu, taucht man in eine andere Welt ein: Waren eben noch tausende Touristen um einen herum und priesen im Sekundentakt Händler ihre Souvenirs an, ist von dieser beengenden Hektik plötzlich nichts mehr zu spüren.

Stattdessen treffen sich ältere Damen und Herren für einen Plausch auf den Bänken in den Gassen, spielen Kinder in den Fußgängerzonen Fangen, und die Händler füllen ihre vom morgendlichen Ansturm geleerten Auslagen auf. Das auffälligste Kennzeichen von Castello sind jedoch die Wäscheleinen, an denen vor den Fenstern und zwischen den Häusern weiße Unterhemden, blaue Hosen und rote Bettbezüge hängen. Das ist in den Touristenzentren der Stadt zwar verboten, weil die Wäsche dem Image Venedigs schaden könnte, doch hier in Castello lassen sich die Bewohner diese Gewohnheit selbst bei Nieselregen nicht nehmen. In Castello gibt es ungewöhnlich viel Grün: So laden der Garibaldi-Park sowie der riesige öffentliche Giardini rund um das Biennale-Gelände zum Schlendern oder Entspannen unter meterhohen Bäumen ein.

Siesta in Dorsoduro

Ähnlich geruhsam geht es im Bezirk Dorsoduro südlich des Canal Grande zu. Die Pestkirche Santa Maria della Salute und die Peggy-Guggenheim-Sammlung sind nur wenige Minuten entfernt, doch von dem Trubel ist hier in den Gassen ebenfalls nichts zu spüren. Im Gegenteil: Zur Mittagszeit läuft man meist alleine an den Kanälen, den Geschäften und unzähligen Kirchen entlang.

Am Nachmittag erwacht aber auch in Dorsoduro - das dem Namen nach einst auf besonders festem Boden und auf einem kleinen Hügelrücken gebaut wurde - wieder das Leben. Männer reparieren auf dem schwankenden Wasser ihre Boote, Hausfrauen erledigen in den kleinen Tante-Emma-Läden ihre Einkäufe von der Banane bis zum Waschpulver, und Handwerker tuckern mit ihren voll beladenen Kähnen durch die Kanäle.

Wo die Venezianer Wurst kaufen

Wer Glück hat, kann bei seinem Spaziergang auch einen Blick in einen der Privatgärten ergattern, die sich in Dorsoduro häufig in Innenhöfen vor den neugierigen Blicken von Fremden verstecken. Oder man kann an einer der ebenfalls verborgen gelegenen Werften den Baufortschritt an einer der berühmten venezianischen Gondeln beobachten. Deutlich präsenter sind die Kirchen, die einst nicht nur diesen Teil Venedigs in kleine Einheiten unterteilten und die noch immer bei vielen Gläubigen fest zum Alltag gehören.

Über den Platz Santa Margherita und das anschließende Universitätsviertel geht es über den Canal Grande in den Stadtteil Cannaregio. Rund um den Hauptbahnhof Venedigs drängeln sich zwar noch zahlreiche Besucher durch die Gassen, doch etwas weiter östlich erstreckt sich die Einkaufsstraße der Venezianer - die Strada Nova. In kleinen Geschäften werden Kaffeespezialitäten, frische Wurstwaren und selbst gebundene Blumensträuße verkauft. Dazwischen stehen Marktbuden mit Obst, Gemüse und Backwaren. Von den Einkaufsstrapazen erholen sich die Venezianer dann in einer der zahlreichen Café-Bars, trinken Rotwein oder essen einen typischen venezianischen Snack: ein Cichetti, eine üppig mit Salami, Käse, Thunfisch oder Artischocken belegte Scheibe Brot.

Abends wird der Markusplatz gemütlich

Wenn es etwas später geworden ist und die Tagestouristen die Stadt verlassen haben, kann man vom Canal Grande aus in Ruhe die ansonsten überlaufenen Attraktionen zumindest von außen bewundern. Dafür steigt man am besten in ein Vaporetto, sichert sich einen Platz an der Spitze und lässt sich über den Canal fahren, in dem das Licht der untergehenden Sonne schimmert. Während am Ufer die leeren Gondeln hin- und herwackeln, ziehen die Rialto-Brücke, das herrschaftliche Hotel Gritti-Palace und der Markusplatz vorbei.

Am Abend wird es auch auf dem Markusplatz gemütlich: Die Tauben- und Menschenscharen sind verschwunden, vor den Restaurants haben die Kapellen ihre Instrumente aufgebaut. Und so spielen die Musiker selbst noch kurz vor Mitternacht Tanzbares vom Walzer bis zum Beatles-Song, während sich der typisch dichte Nacht-Nebel über die venezianischen Gassen und Kanäle legt.

Von Aliki Nassoufis, dpa

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