Orosei - Sardinien hat den Ruf, teuer zu sein. Vor allem an der Costa Smeralda im Norden der Insel tummeln sich im Sommer die VIPs mit ihren weißen Luxusyachten. Hollywood-Schauspieler, Manager und Top-Models zahlen an der Smaragdküste gerne 150 Euro und mehr, um in die Nobelclubs der Schönen und Reichen zu kommen - etwa in den "The Billionaire" von Formel-1-Manager Flavio Briatore.
Yachtbesitzer müssen beim Anlegen mindestens 1000 Euro auf den Tisch legen. Und Ferienhausbesitzer zahlen eine Luxussteuer von jährlich bis zu 16 Euro pro Quadratmeter. Dabei muss die zweitgrößte Mittelmeerinsel gar nicht teuer sein: Auch Billigflieger wie TUIfly und Air Berlin steuern Sardinien inzwischen an. Mietwagenfirmen habe Angebote ab 150 Euro pro Woche, und auch die Unterkunft muss nicht mehrere hundert Euro pro Nacht kosten.
Gerade Familien, die sich keine 2000 Euro teure Ferienwohnung für eine Woche leisten können, finden im Hinterland - und dennoch unweit der Küste - günstige Unterkünfte. Wenn sie möchten, haben sie sogar Familienanschluss - zum Beispiel an der Ostküste in der Nähe der Küstenstadt Orosei, eineinhalb Autostunden vom Flughafen Olbia entfernt. In kleine Dörfer wie Irgoli oder Galtelli verlaufen sich nur wenige Touristen. Einheimische vermieten Zimmer, Ferienwohnungen oder Häuser hier zu Preisen ab 15 Euro pro Person und Nacht. Wer hier spontan anreist, sollte sich auf dem Hauptplatz eines Dorfes oder im Café am Platz einfach nach Privatunterkünften erkundigen.
Selbstgemachter Grappa von Giovanna
In Irgoli etwa bieten sich Pietro und Giovanna als Gastgeber an. Die beiden haben mehrere Jahre in Deutschland gelebt und vermieten das kleine Häuschen, in dem einst ihre Eltern wohnten. Die Unterkunft ist einfach, aber es ist alles vorhanden: Bad, mehrere Schlafzimmer, Küche, Geschirr und ein Grill im Garten. Dort können die Kinder spielen, Weintrauben pflücken und mit dem Gartenschlauch beim Blumengießen helfen. Die Vermieter versorgen ihre Gäste mit Zucchini, Tomaten, selbst gemachten Wein und Grappa.
Jeden Tag geht es an einen anderen Strand - auf Sardinien zweimal am gleichen Platz im Sand zu liegen, grenzt an Verschwendung, gibt es doch die Möglichkeit, jeden Tag eine neue Bucht zu entdecken. In der Umgebung von Orosei liegen etwa 15 Strände, einer schöner als der andere und keiner wirklich überlaufen. Wer sich etwas von den Parkplätzen entfernt und durch die Pinienwälder läuft, findet einsame Buchten, in denen nur ein paar Familien sind.
Eine kurvenreiche Panoramastraße führt zum Ferienort Cala Gonone in der Nähe von Dorgali im Osten der Insel. Von dort starten Boote in Buchten, die über den Landweg nicht erreicht werden können, etwa den halbrunden Sandstrand Cala Luna. Stündlich spuckt das Boot Urlauber aus, die es sich an dem Strand mit dem glasklaren Wasser gemütlich machen. Da aber immer wieder Badende aufbrechen und zurück nach Cala Gonone fahren, ist es selbst hier nicht überlaufen. An den Felsen gleich hinter dem Strand erklimmen Freeclimber die steile Wand. Wer mit Kindern ein besonderes Abenteuer erleben möchte, kann von Cala Gonone aus auch einen Abstecher per Boot in die Grotta del Bue Marino machen - rund 900 Meter der Tropfsteinhöhle kann man besichtigen.
Von Claudia Steiner, dpa
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