Sonntag, 22. November 2009

Reise



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25.07.2008
 

Loire-Schlösser

Majestät, Euer Zimmer!

Prunkvolle Paläste, romantische Gärten und festliche Lichterspiele: An der Loire versprühen Schlösser aus der Zeit der Renaissance ihre besonderen Reize. In einigen Gemächern dürfen sich sogar Urlauber königlich betten.

Blois - Wer träumt nicht von einem Leben im Schloss? An der Loire in Frankreich kann dieser Traum zumindest für ein paar Urlaubstage wahr werden: Morgens können Touristen die stattlichen Renaissancepaläste besichtigen, nachmittags durch deren Parks streifen, abends "Schloss-Spektakeln" beiwohnen und sich nachts in einem Schlösschen königlich betten.

Viele Schlösser erleben bei Tag und bei Nacht - kaum irgendwo sonst geht das so gut wie an der Loire. Wenn es Nacht wird in Blois, versammeln sich viele Menschen im Schlosshof im Zentrum der alten Königsstadt. Wenn es dann richtig dunkel ist, tauchen die vier Fassaden in ein Meer aus Farben und die Zuschauer tief in die Geschichte Frankreichs ein: Die "Son-et-Lumière-Aufführung", eine Schau aus Lichtprojektionen, Musik und Erzählung lässt Dramen, Kriege und Geheimnisse des Hofes aufleben.

Gleich beim Eingang über dem Portal begrüßt König Ludwig XII. die Besucher als lebensgroßes Reiterstandbild. "Blois war einst königliche Hauptresidenz", erzählt Catherine Garrigon und zeigt auf die gemeißelten Lilien auf den Säulen, das Emblem der französischen Könige. Dann schreitet die Schlossführerin den achteckigen Treppenturm hinauf, der sich spiralförmig nach oben windet.

Sandbänke und Giftschränke

Legenden ranken sich um den Ort: Dienten die Geheimfächer im holzgetäfelten Renaissancekabinett tatsächlich als Giftschrank für Katharina von Medici, die 1589 in Blois starb? Geschah das heimtückische Blutbad am Herzog von Guise während der Religionskriege wirklich im königlichen Schlafgemach? Führerin Catherine Garrigon schüttelt da nur den Kopf.

Hofstaat und Adel ließen sich im Tal der Loire einst auch wegen seiner Naturschönheit nieder. Die Flusslandschaft hat sich viel an Ursprünglichkeit erhalten. Ähnlich wie ein Schlossbesuch wirkt ein Spaziergang durch die breiten, grünen und wild bewachsenen Uferauen wie ein Flanieren durch vergangene Zeiten. Vögel bevölkern die Sandbänke mitten im Wasser. Frankreichs längster Fluss wurde nie begradigt oder kanalisiert, Natur und Kunst vereinen sich hier.

Neben den großen Schlössern gibt es in der Region viele kleinere Herrenhäuser, etwa das Château de la Rue in der Gemeinde Suèvres nahe Blois. "Das Gebäude wurde im 18. Jahrhundert von meinen Vorfahren gebaut", erzählt Véronique Bazin de Caix, bei der Touristen auch übernachten können. Die Gastgeberin gibt gerne Tipps für Ausflüge: "Liebhabern origineller Gärten empfehle ich das Château de Chaumont-sur-Loire."

Schönheit, Farbe, Licht und Schatten

Und so spazieren im Sommer mehr Menschen durch die Gärten von Chaumont, als über die Zugbrücke die Anlage aus dem 15. Jahrhundert betreten. Beides zusammen bildet einen starken Gegensatz: Hier steht die spartanisch eingerichtete, teils dunkle Burg - dort sind die üppigen, kreativen, phantasievollen Gärten unter freiem Himmel zu bewundern, die sich wie ein Spiegel der Moderne geben.

"Das Festival des Jardins, unser Internationales Gartenfestival, wurde 1992 gegründet", erläutert Julie Cabedoce, die Führungen auf Deutsch durch das Gartenreich anbietet. "Künstler aus der ganzen Welt gestalten moderne Gärten jedes Jahr aufs Neue und immer unter einem anderen Motto." Das Thema für 2008 lautet: "Gärten der Teilung". Damit ist das Teilen zwischen Mensch und Natur gemeint, aber auch das Teilen von Erfahrungen im Garten, von Schönheit, Farbe, Licht und Schatten sowie perfekten Momenten.

Im Gegensatz zu diesen Gärten der Gegenwart lassen sich im Park von Château Chenonceaux zwei typische Renaissancegärten besichtigen: Einer wurde von der Königin Katharina von Medici angelegt, der andere von ihrer Rivalin, der königlichen Mätresse Diane de Poitiers, die von vielen Dichtern ihrer Schönheit wegen besungen wurde.

Diese Lustgärten des Adels mit ihren von Rosen gesäumten Beeten und den geschwungenen Rasenmustern wirken wie irdische Paradiese, wären da nicht die Besuchermassen in den Sommermonaten. Auch im Heckenlabyrinth, das nach einem historischen Vorbild angepflanzt ist, drängen sich Erwachsene und Kinder - und amüsieren sich königlich.

Damenschloss mit Renaissanceküche

Das Schloss Chenonceaux selbst gilt als eines der herrlichsten Bauwerke in der Loire-Region. Es wirkt ganz so, als würde es über dem Wasser schweben, denn seine Galerie wurde auf Pfeilern über den Fluss Cher gebaut, einem Seitenarm der Loire. So erkunden Touristen den Prachtbau auch vom Boot aus und rudern unter dem Schloss hindurch.

Chenonceaux prunkt auf drei Etagen mit Kaminen, Himmelbetten und Gemälden, darunter ein Porträt der Diana von Poitiers als Jagdgöttin Diana mit nacktem Oberkörper. Im Unterbau befindet sich eine große Renaissanceküche. Sie ist voll eingerichtet, so als würde gleich ein Regisseur rufen: "Film ab!". Das "Schloss der Damen", wie Chenonceaux genannt wird, strahlt Heiterkeit und Lebenslust aus. Bei einem nächtlichen Spaziergang mit historischer Musik fällt es leicht, sich die rauschenden Feste der Vergangenheit vorzustellen.

In Frankreich kann ein Château auch "nur" ein Herrenhaus sein, eine Villa oder ein Gut. "Unser Château de la Herserie stammt von 1852", erklärt Hausherr Laurent Dujardin und unterbricht das Rasenmähen. Das Haus steht in der Nähe von La Croix-en-Touraine und besitzt einen 13 Hektar großen Park im Stil eines englischen Landschaftsgartens des 19. Jahrhunderts. Auch hier können Touristen übernachten. Im Garten wird dann vor dem Diner und unter einer Schutz einer mächtigen Atlas-Zeder ein abendlicher Aperitif eingenommen.

Mehr als 420 prunkvolle Räume

Ein weiteres Schloss ist das Château de Cheverny in der Sologne südlich der Loire. Es ist gut erhaltenen, seit Jahrhunderten im Besitz der Familie Hurault und verfügt über eine große Sammlung von Originalmöbeln. Das ist eine Seltenheit an der Loire, weil die Möbelstücke früher auf Reisen von Schloss zu Schloss mitgenommen wurden. Hier aber wirken die Privatgemächer, als wären sie gestern noch benutzt worden. Die Wände sind mit Leder bespannt, mit Wandteppichen aus Flandern und der Gobelinmanufaktur in Paris geschmückt, oder sie verfügen über eine ausgefallene Holzvertäfelung.

Unter den heutigen Schlossherren an der Loire gibt es auch Bürgerliche wie Cécile und Axel Fontaine. Sie haben 1981 das Château de Chémery gekauft, eine kleine Burg aus dem Mittelalter inklusive Wassergraben, die etwa 30 Kilometer südlich von Cheverny liegt. "Nach und nach haben wir die Säle renoviert und Gästezimmer eingerichtet", erzählt das Architektenpaar. Gespeist wird hier an einer langen Tafel in einem Saal mit hohen Decken, im riesigen Kamin lodert ein Feuer.

So persönlich wie in Chémery ist die Atmosphäre auf Château Chambord nicht. Es gilt als die Krönung aller Schlösser an der Loire. Das Renaissancebauwerk aus weißem Kalktuffstein ist so groß, dass sich mancher Besucher darin verläuft. Das Schloss der Superlative ist 156 Meter lang, 56 Meter hoch und hat mehr als 420 Räume. Selbst das Dach mit seinen Hunderten von Türmchen, Kaminen und Ziergiebeln bietet genug Platz zum Herumspazieren. Trotz der Größe wirkt die Anlage verspielt wie ein Märchenschloss. Echte Könige und Prinzen waren hier allerdings nur höchst selten zu Gast.

Das nächtliche Lichtspektakel von Chambord

Im 18. Jahrhundert gehörte Chambord einem Deutschen, dem Marschall Moritz von Sachsen. Für mehr als 200 Pferde ließ er hier Stallungen bauen, in denen heute farbenfrohe Reiterspektakel der Hohen Schule stattfinden. Für den Choreographen Julien Patrick ist das eine Selbstverständlichkeit an diesem Ort: "Zu einem richtigen Schloss gehören eben auch Pferde."

Das meinen auch die Touristen, die sich in der Pferdekutsche ausfahren lassen. Chambord hat keinen Garten, sondern liegt inmitten eines Wildschutzgebietes, das so groß ist wie die Innenstadt von Paris. Eine 32 Kilometer lange Mauer umgibt die Domaine de Chambord, in der sich Hirsche und Wildschweine tummeln.

Und dann wird es wieder Nacht. Musik erklingt vor der Hauptfassade des Schlosses. Die Stunde schlägt für "Les Clairs de Lune", das nächtliche Lichtspektakel von Chambord. Es führt die Zuschauer zurück in die Zeit der Renaissance und zieht sie in eine Welt der Feste und des Prunks. Einen Hauch von diesem alten höfischen Glanz kann der Besucher an der Loire auch heute noch erhaschen.

Daniela David, dpa

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