Donaudelta in Rumänien: Bullerbü auf Hartz IV

Von Françoise Hauser

2. Teil: Ceausescu und Kanalprojekte: Gefahren für die Idylle des Donaudeltas

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In den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts wäre es fast vorbei gewesen mit der Abgeschiedenheit, denn der Diktator Nicolae Ceausescu hatte wenig übrig für die Schönheit des Deltas. Seine Vision von Europas größtem Feuchtgebiet waren eher pragmatischer Natur: Vermeintlich nutzlose Sumpf- und Wasserflächen ließ er eindeichen, trocken legen und schließlich in Äcker verwandeln. Rund ein Fünftel des Deltas, vor allem am nördlichen Chilia-Arm der Donau, wurde so bis 1986 zerstört. Für den Rest erträumte er sich eine industrielle Zukunft.

Im Süden von Crisan sind am Rande des Caraorman-Naturschutzgebietes noch heute die Reste einer gigantischen verfallenen Goldwaschanlage zu sehen, die nie in Betrieb genommen wurde. Rund ein Zehntel der trocken gelegten Flächen wurden seit 1991 wieder renaturiert, und auch für die restlichen Gebiete sind größtenteils Wiederherstellungsmaßnahmen vorgesehen.

Zum großen Ärger der rumänischen Deltabewohner und Naturschützer bahnt sich jedoch längst das nächste Ungemach an: Im Mai 2004 begann die Ukraine mit dem Bau des Bystroye-Kanals im Norden des Deltas. Aus ukrainischer Sicht ist das eine echte Sparmaßnahme, denn bisher konnten größere Schiffe nur gegen Gebühr über den rumänischen Donauarm Braul Sulina ins Schwarze Meer gelangen.

Für den Wasserhaushalt des Deltas ist das jedoch eine echte Bedrohung, deren Ausmaß sich erst nach Ende der Bauarbeiten erweisen wird. Laut World Wildlife Fund (WWF) drohen Küstenerosion, Verlandung und die Zerstörung vieler Brut- und Nistplätze.

Das schrille Kreischen der Pelikane

Doch noch kann Florin vom Boot aus rechts und links immer wieder auf einzelne Tiere deuten - an Kormoranen, Reihern, Störchen und schillernd-türkisen Eisvögeln vorbei plätschert das Boot langsam über den Bogdaproste-Kanal. Das Ziel sind die Pelikan-Kolonien des Trei-Iezere-Sees.

In Bilderbüchern sind Pelikane immer putzig. In Wirklichkeit sind sie vor allem eines: unglaublich groß. Und zahlreich. Wenn Tausende von Pelikanen schwerfällig ihre zweieinhalb Meter Flügelspannweite ausstrecken, dann geht das nicht leise oder harmonisch vor sich. Unter schrillem Gekreische und Geflatter nehmen die schweren Tiere Anlauf, unter ihnen ein paar Kormorane, die wie Kinder unter Fußball-Hooligans wirken.

Mit ihrer gewichtigen Präsenz sind die Pelikane wohl die spektakulärsten Bewohner des Deltas, und doch nur eine Spezies von vielen: Rund tausend Pflanzenarten wachsen auf dem Territorium, 3500 Tierarten leben hier – die richtige Adresse also für alle, die einen Nerz ohne Knopf und Kragen erleben wollen oder nach Adler, Fischotter, Biber oder Wildkatze suchen.

Doch fernab aller Zahlen ist es die schiere Größe des Deltas, die den Besucher verstummen lässt: Wer auf einem der Seen den Motor ausschaltet, erlebt eine Stille, wie sie im besiedelten Westeuropa einfach nicht mehr existiert.

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  • Datum: Freitag 29.08.2008 | 06:21 Uhr
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