Hitchhiken in Irland: Vom Straßenrand ins Niemandsland

Zufallstour per Anhalter: In Irland stellte sich Tim Maxeiner an den Straßenrand und ließ sich mitnehmen, wohin die Fahrer wollten. Auf haarsträubenden Touren lernte er jede Menge über Irland und seine Menschen - und erlebte Abenteuer zwischen Schweinestall und Golfclub.

Mathieu - indischer Reggae auf der Gegenspur

"How are you, my friend?", sagt der Fahrer und öffnet die Tür. Ohne nach meinem Ziel zu fragen, deutet er mit einem freundlichen Lächeln auf den Beifahrersitz. Gerade mal fünf Minuten stand ich an der Nationalstraße N 71 außerhalb von Cork,und hielt den Daumen in die Höhe, bis meine erste spontane Mitfahrgelegenheit in Irland stoppte.

Mathieu, der aus Indien stammt, ist genauso wenig an meinem Ziel interessiert wie ich selbst. Meine Reisephilosophie für diese Zelttour durch Irland ist nämlich ganz einfach: Du darfst kein festes Ziel haben. Überlasse es dem Zufall, wohin du mitgenommen wirst. Alles Weitere wird sich ergeben.

So fahren wir Richtung Westen, begleitet von krächzender indischer Volksmusik. Mein Chauffeur erzählt mir von seiner Karriere als Krankenpfleger, von seiner Familie, die bald auch nach Irland kommen wird und seiner neu eingerichteten Wohnung. Ich komme nicht viel zu eigenen Wortbeiträgen, denn unsere Unterhaltung wird alle 30 Sekunden von den Anrufen seiner Frau aus Indien unterbrochen. Besonders wichtig können diese nicht sein, denn Mathieu macht keinerlei Anstalten, das Radio leiser zu drehen. Die Musik hat mittlerweile etwas von indischem Reggae.

Mein Fahrer pflegt die unangenehme Angewohnheit, während der Telefonate in eine leichte Lenkstarre zu fallen: Unser Fahrzeug nähert sich dann immer wieder der Gegenfahrbahn. Da wir in Deutschland ohnehin auf dieser Straßenseite fahren, beunruhigt mich das zunächst nicht in einem der Situation angemessenen Maße.

Doch alles geht gut. Ehe Mathieu sich vollends für die falsche Straßenseite entscheidet, erreichen wir Skibbereen, ganz unten im Süden Irlands. Um genau zu sein, den örtlichen Aldi-Parkplatz. Mathieu verabschiedet mich mit einem kräftigen Händedruck und den Worten: "This is paradise, my friend!" Sein Gesichtsausdruck verrät mir, dass er nicht den Lebensmittel-Discounter, sondern das Land meint, dessen Bewohner er als "good people" ins Herz geschlossen hat.

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  • Datum: Montag 19.01.2009 | 05:40 Uhr
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