ThemaWinterurlaubeRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
11.03.2009
 

Pulverschnee-Top-Ten

Die schönsten Skitouren der Alpen

Von Robert Demmel

Hier lohnt sich der stundenlange Aufstieg: Die Leser der Fachzeitschrift "Alpin" haben ihre Lieblings-Skitouren gewählt. Mit dabei sind einige der berühmtesten Alpengipfel - doch Bronze geht überraschend an einen vergleichsweise mickrigen Berg in Bayern.

1. Wildspitze, 3772 Meter - Ötztaler Alpen

And the Oscar goes to…

... Österreich, genauer gesagt nach Tirol. Wohin auch sonst, wenn nicht ins Land der Berge. Mit weitem Abstand haben die Alpin-Leser die Ötztaler Wildspitze zum perfektesten Skitourenberg gewählt. Und das aus gutem Grund.

Zur Großansicht
Franz Faltermaier

Sie ist eine Königin, zweifellos. Wenngleich sie in ihrem Reich die Herrschaft nicht unumschränkt ausübt. Zu zahlreich ist die Gipfelprominenz in den Ötztaler Bergen, als dass die Wildspitze sich allein über alle anderen erheben würde. Hier gibt es Skitourenberge zu Hunderten: große, kleine, lange, kurze, steile und schwierige, aber auch genussreiche und technisch einfache Ziele für Einsteiger. Fast ausschließlich liegen die Gipfel jenseits der 3000er-Marke. An weit über 300 Ötztaler Gipfeln kann man auch im Winter und im Frühling die dünne Höhenluft schnuppern.

Über sie alle ragt - zumindest ein bisschen - die Wildspitze hinaus. Mit ihrer 3772 Meter hohen Nordgipfelhaube (der Südgipfel streckt sich nur zwei Meter weniger hoch empor) ist sie der höchste Gupf im Tiroler Land - zumindest aus Nordtiroler Sicht, denn die Südtiroler verweisen diesbezüglich auf den Ortler.

Kaum ein Gipfel vergleichbarer Höhe ist so bequem und auf so vielen unterschiedlichen, technisch einfachen Routen erreichbar wie die Ötztaler Wildspitze. Von der Vernagt- und der Breslauer Hütte, vom Taschachhaus und dem Pitztaler Gletscherskigebiet laufen die Routen fast sternförmig am Gipfelaufbau zusammen. Früher ist man auch noch von der Braunschweiger Hütte gestartet - aber dieser Weg ist ziemlich aus der Mode gekommen, müsste man doch quer über die Pitztaler Pisten aufsteigen.

Schnelle Tagestourengeher - und das sind mittlerweile die meisten - kommen aus dem Pitztal zur Wildspitze. Was zu Großvaters Zeiten noch eine ausgedehnte Wochenendtour nahezu westalpinen Zuschnitts war, ist mit Hilfe des Pitzexpresses und der anschließenden Liftanlagen ins Mittelbergjoch zur Halbtagstour geworden. Leichte Beute für all jene, die Samstagabend zur Sportschau schon wieder zu Hause sein wollen. Entsprechend häufig wird dieser Wildspitz-Anstieg unterschätzt, zumal die anschließende Mega-Abfahrt über den im unteren Bereich wild zerklüfteten Taschachferner auch von den Pistenskifahrern gerne genutzt wird.

Alpen-Quiz

swiss-image.ch
Haben Sie schon von "Frau Montblanc" oder vom Sennentuntschi gehört? Die Alpen liegen zwar vor unserer Haustür, doch sie stecken voller Geheimnisse. Testen Sie Ihr Berg-Wissen im Reise-Quiz von SPIEGEL ONLINE!
Wir haben uns diesmal ein ganzes Wochenende für die Wildspitze Zeit genommen, um uns der Majestät mit dem gebührenden Respekt anzunähern und obendrein eine schöne Rundtour zu unternehmen. Ausgangspunkt für diesen vielleicht nicht mehr ganz zeitgemäßen, aber erlebnisreichen Trip ist Vent in einem Seitental des Ötztals. Wählt man die Vernagthütte als Stützpunkt, so sind summa summarum sieben bis acht Stunden Gehzeit auf Tirols höchsten Gipfel zu veranschlagen.

Mit den fein taillierten und obendrein recht leichtgewichtigen (so etwas gibt's!) Tourencarvern fällt auch das ziemlich leicht. Nach einer allzu rustikalen Nacht im überfüllten Lager der Vernagthütte spuren wir noch zu nachtschlafender Zeit über den flachen Vernagtferner ins Brochkogeljoch.

Wir erreichen die sanfte Einschartung zwischen der Petersenspitze und den Brochkögeln mit dem Sonnenaufgang - was für ein Erlebnis, der Berg gehört uns ganz allein. Ein eisiger Wind staubt um die Gipfel, über ein Hochplateau geht es hinüber zum Gipfel-Firntrapez - und für die letzten Meter über den Südwestgrat müssen sogar noch die Steigeisen aus dem Rucksack.

Die Ski nehmen wir auf den Südgipfel mit, denn wir wollen die Wildspitze überschreiten. Dazu tasten wir uns am überwechteten Verbindungsgrat erst mal auf die geringfügig höhere Firnkuppel des Nordgipfels hinüber. Dort ist mit Alpinismus Schluss und zu unserer Überraschung hat sich auch noch der Wind gelegt. Also Brotzeitbüchse raus, Thermosflasche auf und den einmaligen Moment genießen. Schließlich sitzen wir mutterseelenallein auf einem der beliebtesten Skiberge der Ostalpen - und das bei (fast) wolkenlosem Himmel. Erst als wir in Richtung Rofenkarferner abfahren, formieren sich drunten am Taschachferner die Hundertschaften zum Sturm auf den Thron.

Über einen extra steilen Rücken kurven wir nach Nordwesten hinab und queren unter der Nordwand hindurch. Drunten am Taschachferner zieht die lange Karawane dahin. Manch einer hat abreißen lassen müssen, erste Lücken entstehen, als wir unbekümmert auf den Rofenkarferner entschwinden. Einsame Bergwelt, ringsum nur Gipfel, kein Laut, nur zwei alte Spuren, denen wir begeistert in direkter Abfahrt hinunter nach Vent folgen. Die Königin hat uns eine Privataudienz gewährt - exklusiv und unvergesslich.

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Reise
alles aus der Rubrik Europa
alles zum Thema Winterurlaube

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP