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02.05.2009
 

Norwegen

Design für den Rastplatz

2. Teil: Architektur mit Charakter

Einheimische Architekten haben die Anlagen entworfen, die nicht nur zweckmäßig sein, sondern auch die natürlichen Reize jedes Ortes unterstreichen und ihm "einen Namen und Charakter geben" sollen. So hat es Karl Otto Ellefsen, Professor der Architektur- und Designschule Oslo, in einem von Statens vegvesen herausgegebenen Bildband formuliert.

Ein Architekturausschuss hat daher auch über die ästhetische Güte der geplanten Bauten entschieden. Ob diese Ziele immer erreicht wurden, muss jeder Tourist für sich selbst beurteilen. In jedem Fall sind die modernen Kleinbauwerke wohltuende Blickfänge, wenn an trüben Tagen die Wolken die Berge abschneiden und sich die Landschaft hinter einem grauen Regenschleier verliert - auch im norwegischen Sommer geschieht das oft.

Keine halbe Autostunde vom Trollstigen entfernt, in Richtung Geiranger, unterquert ein Bach in einer engen Schlucht die Straße. Das ist auf jeden Fall einen Stopp wert: Eine neue Brücke mit durchsichtigem Boden führt über die Schlucht und ein wellenförmig geschwungenes Stahlgeländer unterstützt den dynamischen Charakter des Ortes. In dieser Gegend zeigen sich aber auch die Schwierigkeiten des ambitionierten Projekts: Wenn bei der Bauausführung geschlampt wird, wirken die Straßendesignstücke lächerlich. So wie die rechtwinkligen Elemente aus Glas und Beton oberhalb der Schlucht: Weil sie nicht gleichmäßig ausgerichtet wurden, neigen sie sich nun mit unterschiedlichen Winkeln gegeneinander und zur Schlucht hin.

Ein Fjord als Weltnaturerbe

Bei Ornesvingen offenbart sich das Grandiose der Fjordlandschaft: In einer langgezogenen S-Kurve erreicht der Geirangerfjord den gleichnamigen Ort. Der von den Eiszeitgletschern perfekt U-förmig ausgeschmirgelte Fjord gilt als einer der Vorzeigefjorde Norwegens und ist von der Unesco als Weltnaturerbe anerkannt. Im Hafen von Geiranger drängen sich zuweilen mehrere Kreuzfahrtschiffe, die die Gebäude des Ortes deutlich überragen.

Auf der anderen Fjordseite führt von Geiranger aus ein Wanderpfad zu einem nicht minder berühmten Ort: nach Skagelfa, einem verlassenen Gehöft, das auf einem grünen Sattel über dem Fjord thront. Auf der gegenüberliegenden Seite stürzen die "Sieben Schwestern" genannten Wasserfälle in die Tiefe. Wenn dann noch gerade einer der weißen Ozeanriesen um die Ecke kommt, ist das Postkartenmotiv perfekt.

Nicht zu übersehen ist Stegastein, ein "Utsiktspunkt med toalett" (Aussichtspunkt mit Toilette) am Rande der alten Passstraße Aurlandsvegen, die auch zur Nationalen Touristenstraße werden soll. Wie eine Schanze ragt dort eine Konstruktion aus hellem Holz vom Fahrbahnrand aus mehr als 35 Meter weit ins Nichts. Am Ende soll statt eines Geländers eine Glasplatte Sicherheit geben. Steht man direkt davor, ist es wie auf der Spitze eines Sprungbretts zu stehen - nur, dass es hier bis zum Wasser mehrere hundert Meter sind.

Wer den kurvigen Weg über das Gebirge nach Stegastein scheut, kann eine Alternativroute nehmen. Sie geizt zwar mit Ausblicken, beweist aber, dass Norwegen in Sachen Baurekorden durchaus mit den Scheichs in Dubai mithalten kann: Durch den Berg führt der Laerdalstunnel. Er ist mit 24,5 Kilometern der längste Straßentunnel der Welt.

Arnd Petry, dpa

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