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04.08.2009
 

Zehnmal Deutschland

Kuss vom Neandertaler

Von Antje Blinda

Richtig was erleben? Dann ab ins Museum. Auf Sylt und im Saarland, in Mettmann und München begeistern moderne Mitmach-Ausstellungen für das Thema Mensch und Natur. SPIEGEL ONLINE zeigt zehn Wissenschafts-Museen in Deutschland, die Sie besuchen sollten.

Wenn der Seestern Hunger hat, geht's der Miesmuschel an den Kragen. Der vielarmige Stachelhäuter stülpt sich über seine Mahlzeit, saugt sich fest - und zieht. Manchmal stundenlang. Bis die Muschel sich dem Stärkeren ergibt, öffnet, und letztlich nur die ausgelutschte Schale zurückbleibt. Ein stilles Drama am Meeresboden der Nordsee, in phantastischen Bildern verfilmt und zu sehen im "Erlebniszentrum Naturgewalten" in List auf Sylt.

Das Museum am nördlichsten Hafen der Insel hat sich ganz dem Leben an und in der Nordsee verschrieben. 13 Partner haben sich für Konzeption und Umsetzung zusammengetan - darunter das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven, Nabu und WWF. Nach gut zehn Jahren Vorbereitung konnte der Bau Ende Februar eröffnen.

Nicht nur Seesterne und Muscheln liefern sich im kalten Wasser der Nordsee tödliche Kämpfe, auch Kegelrobben streiten sich bis aufs Blut um ihren Harem - "ein Anblick, mit dem man in der Nordsee nicht rechnet", wie der Sprecher des Audioguides trocken bemerkt. Ums reine Überleben ihrer Art dagegen kämpfen die europäische Auster, der der Klimawandel zu schaffen macht, und der kleine Schweinswal, die Walart vor nordeuropäischen Küsten.

Drei Themenbereiche decken die Ausstellungsmacher von "Naturgewalten" auf 1500 Quadratmetern ab: Tiere und Pflanzen im Watt und im Meer rund um Sylt, das Leben mit den "Kräften der Nordsee" und das globale Klima. Überzeugend ist die Ausstellung dort, wo sie die unmittelbare Umgebung beschreibt: in den Filmen über den "Seestern-Muschel-Battle", den wunderbaren Impressionen der Sylter Welt, die über eine kinoähnlich große Leinwand flimmern, oder etwa einem Schweinswal-Sichtungs-Computerspiel.

Auch wer per Kopfhörer der Zeitzeugin lauscht, die im friesischen Tonfall erzählt, wie der Hof ihres Bruders von der Sturmflut ergriffen wurde, erfährt Neues von der Waterkant. Oder wer Stürme im Wind-Wellen-Kanal toben lässt. Immer noch pädagogisch wertvoll und didaktisch gut aufgearbeitet ist die Klima-Sektion. Doch wer von globalen Themen wie Golfstrom, Klimawandel und Hurrikanen schon mal gehört hat, ist schnell gelangweilt.

Das Erlebniszentrum ist erstaunlicherweise ein stilles Museum: Erklärungen und Film-Kommentare erhalten die Besucher, indem sie sich mit einem Kopfhörer-System an Hörstationen einstöpseln. Für jüngere Kinder, für die immerhin ein Eintritt von 6,50 Euro bezahlt werden muss, sind die Ausstellungen daher weniger geeignet. Vieles ist noch nicht mal in Augenhöhe der Kleinen arrangiert, zu tun und anzufassen gibt es für sie noch wenig.

Dennoch: Viele Museumsgäste der ersten Wochen verbrachten vier bis fünf Stunden bei den "Naturgewalten". Gerade an stürmischen Tagen bietet das Zentrum eine gute Zuflucht - und wenn der Regen gegen das Fenster platscht, dann ist die Botschaft der Ausstellung beruhigend, dass mit Hurrikanen vor der Nordseeküste nicht zu rechnen ist. Noch nicht, wie Klima-Paniker sagen würden.


Erlebniszentrum Naturgewalten Sylt
Hafenstraße 37
25992 List/Sylt
Telefon: 04651-83619-0

Öffnungszeiten:
Täglich von 10 bis 18 Uhr
Juli und August von 10 und 22 Uhr

Eintritt:
Erwachsene 11 Euro, Kinder (ab 4 bis 15 Jahre) 6,50, Familienkarte (zwei Erwachsene, bis drei Kinder) 28 Euro

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insgesamt 12 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
21.08.2010 von liyucmh:

Auch Freilichtmuseum, die uns verschiedene Bauernhaustypen zur Besichtigung offenhalten, können lehrreich sein; das erste dieser Art, das ich als Schüler noch besichtigt habe, befand sich in unmittelbarer Nähe der U-Bahnstation [...] mehr...

08.08.2010 von Websingularität: Bin ein Labersack!

Allgemein, oder nur Mensch und Natur? Zum Thema Mensch sollte angeblich "Körperwelten" ganz interessant sein. Ich war selbst noch nicht drin und finde diese Leichenfledderei/-schänderei auch langweilig. Ausserdem [...] mehr...

08.08.2010 von I'm a Substitute:

Die Foristin erinnert sich also an die erste Adresse des Erotic-Art-Museum (http://de.wikipedia.org/wiki/Erotic_Art_Museum_Hamburg)s in der Bernhard-Nocht-Straße, von wo es für einige Zeit an eine "bessere" Adresse am [...] mehr...

07.08.2010 von GinaBe: Das EROTIK-MUSEUM in HAMBURG ist ein ausgiebiger Besuch wert.

Es liegt sehr idyllisch und kein bißchen schmuddelig- sondern eher mit sehr deutlichem Lokalkolorit geschmückt- in der Nähe der einst so berüchtigten Hafenstrasse. Auf 3 Etagen in einem schmalen und krummen Altbau sind [...] mehr...

12.08.2009 von I'm a Substitute:

Das Thema scheint ja auf nicht so gewaltiges Leserinteresse zu stoßen. Museen, das sind in Deutschland mittlerweile entweder in staatlicher Trägerschaft organisierte Schausammlungen mit meist lokalhistorischem Bezug, die jedoch [...] mehr...

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