Wo heute das Kloster steht, zog sich der Philosoph und Theologe Ramon Llull bereits Mitte des 13. Jahrhunderts als Einsiedler zurück, bevor er als Missionar in die Welt zog. Auf dem Tafelberg von Randa verfasste er mehr als 27.000 Seiten seiner Texte über Philosophie und Religion. Llull gilt als Vater der katalanischen Sprache.
Die letzten Tagesausflügler verlassen das Kloster, Ruhe kehrt ein. Franziskanermönch Emilio streift durch den Innenhof und schaut auf die Bucht von Palma. Die untergehende Sonne taucht die balearische Hauptstadt in ein sanftes Rot.
Kontrastreicher ist der Unterschied zwischen Tag und Abend wohl nur noch im Kloster Lluc bei Escorca, dem bekanntesten Kloster Mallorcas. Mit Souvenirgeschäften, Restaurants, einer Apotheke und einem Geldautomaten herrscht hier tagsüber schon fast stressiger Wallfahrtsbetrieb. Das Bildnis der schwarzen Jungfrau von Lluc zieht im Sommer täglich mehrere tausend Besucher an. Sobald die letzten Touristenbusse abgefahren sind, kann man aber ganz alleine durch die Klostergänge ziehen und auf den Steinstufen zum Mysterienkreuz gehen.
Würden die Ordensbrüder nicht um 19 Uhr ihre Zellen verlassen, um zur Abendmesse in die Basilika zu kommen, hätte man die schwarze Madonna ganz für sich allein. Bevor es in die mit Bad und Fernseher eingerichtete Mönchszelle geht, sollte aber auch noch Zeit für einen Abendspaziergang in der Umgebung des Klosters sein - das Tramuntana-Gebirge gehört den wenigen Gästen dann ganz alleine.
Vom Kloster zum Landhotel
Im Südwesten der Gebirgskette können Urlauber zwischen Sòller und Deià im Son Bleda unterkommen. Das ehemalige Kloster aus dem 12. Jahrhundert stand beinahe 40 Jahre lang leer, bis zwei Kölner es kauften und zu einem exklusiven Landhotel herausputzten. Mandel-, Oliven- und Zitronenbäume umgeben das alte Gebäude. Aus dem Kräutergarten steigt der Duft von Lavendel, Rosmarin und Thymian hoch. Im Sommer finden auf der riesigen Terrasse Kerzenlicht-Abende mit klassischer Livemusik und Gedichten von Rainer Maria Rilke statt, der jahrelang im nahegelegenen Valldemossa lebte und dichtete.
Nicht minder exklusiv geht es im Convent de la Missio inmitten der quirligen Altstadt von Palma de Mallorca zu. Das Klostergebäude aus dem 17. Jahrhundert grenzt an die gleichnamige Klosterkirche. Das minimalistisch eingerichtete Designhotel ist immer noch ein Hort der Ruhe - nur dass sich im Speisesaal heute eine Kunstgalerie befindet, in der Kapelle ein Konferenzsaal und in der Küche kein Mönch in schwarzer Kutte mehr kocht, sondern der Sternekoch Marc Fosh.
Viel bescheidener lebt es sich dagegen in der Einsiedlerei Castell d'Alaró. Hier gibt es kein Restaurant, und die Einsiedelei ist nur zu Fuß zu erreichen. Dafür aber bietet die Herberge neben den alten Burgruinen in 822 Metern Höhe Blicke bis nach Palma. Fast auf jeder Bergspitze im Hinterland Mallorcas gibt es solche abgeschiedenen, romantisch schönen Klöster und Einsiedeleien, in denen Urlauber die schönsten Ausblicke der Insel in Ruhe genießen können.
Manuel Meyer, dpa
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