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11.03.2010
 

Shetland-Inseln

Ponyhof der Kuscheltiere

Von Angelika Franz

Shetland-Inseln: Paradies für Tiere
Fotos
Tommy und Mary Isbister

Dicke Bäuche, kurze Beine und ein ganz weiches Fell - die Natur hat auf den Shetlandinseln fast alle Tierrassen nach dem gleichen Bauplan gefertigt. Hier geht es zu wie in einem natürlichen Streichelzoo. Reise in eine Welt mit einer etwas anderen Biologie.

Es ist leicht für junge Mädchen, auf den Shetlands die erste große Liebe zu finden. Elisabeths Liebe heißt Vire. Vorsichtig trägt Vire die Vierjährige durch den Nieselregen über den unebenen Heideboden. Seine großen schwarzen Augen blitzen trotz des böigen Dezemberwindes vergnügt unter dem dichten Haarschopf hervor. Elisabeth lehnt sich vor und riecht an seiner Mähne. "Hmmm!", sagt sie seufzend und schließt vertrauensvoll die Augen.

Vire ein Shetlandpony. Beidseitig ist es Liebe auf den ersten Blick, denn Elisabeth ist mit June gekommen, der Vorsitzenden der Pony Breeders of Shetland Association - Vire ist einer ihrer Zuchthengste, und die beiden haben einen Eimer Futterpampe mitgebracht. Elisabeths preisgekrönte Ponys leben das ganze Jahr im Freien. "Wenn es zu nass wird, suchen die Ponys Schutz unten am Strand an der Abbruchkante", sagt June. "Die lieben das Wetter hier." Einmal, erzählt sie, hat ein Züchter vom Festland seine Ponys eine Saison lang auf ihrer Weide untergestellt "und es nicht übers Herz gebracht, sie wieder wegzunehmen. Er sagte, sie hätten noch nie so glücklich ausgesehen wie in ihrer natürlichen Umgebung hier".

Die Shetlands liegen am obersten Ende Schottlands. Von den rund 100 Inseln zwischen der Nordsee und dem Atlantik sind nur 15 bewohnt. Die Winter sind lang und dunkel, dafür verschwindet während des "Simmer Dim" in den Sommermonaten die Sonne kaum hinter dem Horizont. Nass ist es hier immer, der Unterschied zwischen Regen und Gischt verwischt. Ohne "Wellingtons", wie die Gummistiefel im britischen Englisch genannt werden, braucht man dann gar nicht das Haus zu verlassen. Immerhin, die Nässe wird nie richtig kalt, dank der recht hohen Wassertemperatur des Nordatlantikstroms.

Für diese Landschaft hat die Evolution die Körper der Shetlandponys perfektioniert. Gedrungener breiter Rumpf, kurze Beine - Kraftpakete durch und durch.

Im Verhältnis Kraft zu Körpergröße sind die Shetlandponys die stärkste aller Pferderassen. Sie können das Doppelte ihres Körpergewichts ziehen - ein großes Zugpferd, wie sie oft vor Brauereiwagen gespannt werden, schafft gerade die Hälfte des eigenen Gewichts. Auch auf dem Rücken kann ein Shetlandpony bis zu 60 Kilo transportieren. Bei vielen Reitern in dieser Gewichtsklasse bedeutet das, dass die Füße auf dem Boden schleifen würden.

Dazu kommt das dichte Fell. Trotz des Regens sind Vires schwarz-weiße Haare nur oberflächlich nass. Die kürzeren darunter sind, wenn man die Finger hineinschiebt, warm und weich und trocken.

"Halt, Tess, lass die armen Schafe doch in Ruhe fressen"

Die Ponys sind nicht die einzige Tierart, die auf den Inseln eine besondere Konstitution haben. Am nächsten Tag treibt Elisabeth mit Tessa Schafe zusammen - Tessa, ebenfalls schwarz-weiß, ebenfalls dunkle treue Augen, ist ein Border Collie. Die beiden jagen bellend und jauchzend über die Weide des Burland Croft Trail. "Halt, Tess, lass die armen Schafe doch in Ruhe fressen!", ruft Mary Isbister dem Hund hinterher. Sie züchtet mit ihrem Mann Tommy shetländische Nutztierrassen, baut einheimisches Gemüse und Getreide an. "Jetzt will Tessa angeben", sagt sie und lacht. "Sie will Elisabeth unbedingt vorführen, wie gut sie Schafe zusammentreiben kann."

Die Schafe in Tessas Herde sind ein weiteres Produkt des kargen Heidebodens und des rauen Klimas der Inseln - Shetland Sheep. Ähnlich wie bei den Ponys hat die Evolution sie mit dicken Bäuchen, kurzen Beinen und einer robusten Natur ausgestattet. So können sie das ganze Jahr über draußen leben.

Sie sind genügsam und bringen ohne große Schwierigkeiten ihre Lämmer selbst auf der Weide zur Welt. Und auch sie haben ein kuschelig weiches dichtes Fell, das in mehr als 30 registrierten Farben vorkommt. Jede Schattierung hat ihren eigenen Namen, die meisten davon im shetländischen Dialekt. Ein "yuglet" ist ein hellfelliges Schaf mit einer pandabärartigen Dunkelfärbung um die Augen. Ein "smirslet" hat um die Schnauze eine weiße Markierung.

Dicke Bäuche, kurze Beine, klein

Das Shetländische ist überhaupt eine Sprache voller Überraschungen. Stark geprägt von der nordgermanischen Sprache Norn, die auf den Shetlands und Orkneys bis ins 18. Jahrhundert Landessprache war, erinnert es oft an das Plattdeutsche - und ist zumindest für Norddeutsche angenehm verständlich im Gegensatz zum festlandschottischen Akzent.

Kühe heißen auf den Shetlands nicht "cows", sondern "kye". Von ihren "kye" hat Mary gerade an diesem Morgen ein Kalb aufs Schiff gebracht und zu einem Käufer gen Festland verschickt. Jetzt steht die Mutterkuh traurig im Stall und ruft nach ihrem Kind. Kommt der Winter, müssen jedes Jahr die meisten von Marys Kühen ihre Kälber hergeben. Denn die reinrassigen Shetland Cows des Burland Croft Trail sind begehrte Ware bei Züchtern.

Auch sie haben den typischen Körperbau aller einheimischen Rassen: dicke Bäuche, kurze Beine, klein. Wie die Ponys und Schafe sind sie extrem hart im Nehmen. Im Lauf der Geschichte wurden die kargen Böden der Shetlands immer wieder von schweren Missernten gebeutelt. Historischen Berichten zufolge wurden schwache Kühe in Schlingen gepackt und so aufrecht im Stall stehend gehalten. Sie haben die schweren Zeiten überlebt. Und nur deshalb überlebten auch ihre Besitzer.

Nur Shetland Sheepdogs werden hier nicht gezüchtet

Wenn Tommy Isbister gerade nicht mit den Tieren beschäftigt ist, baut er Geigen. Er tue das aus Spaß, sagt er, doch seine Instrumente werden inzwischen auch in Irland, England und den USA gespielt. Die Fiddle-Musik ist eine eigenwillige Mischung aus norwegischen Volksliedern, schottischen Tänzen und Mitbringseln shetländischer Fischer aus Irland, Deutschland, Nordamerika und Grönland. Familienhund Tessa liebt es, wenn Tommy auf der Geige zu spielen beginnt. Ihr Kopf ruht dann auf den Pfoten, aber ihre Ohren zucken interessiert auf und ab. "Sie ist ein sehr musikalischer Hund", sagt Mary. "Sie hat sogar ein Lieblingsstück - sie jault dann immer und versucht, die gleichen Töne zu treffen."

Tessa ist kein Shetland Sheepdog, kein "Sheltie". Kein Wunder - die Shelties sind die einzige heimische Tierrasse, die gar nicht auf der Insel gezüchtet wird. Ein Shetland Sheepdog hat einen dünnen Bauch und für einen kleinen Hund verhältnismäßig lange Beine. Das passt nicht wirklich zur Tierwelt der Insel.

"Ich kenne niemanden, der Shetland Sheepdog züchtet", sagt Ponyzüchterin June Brown - und bei rund 22.000 Einwohnern der Inseln bedeutet das, dass es vermutlich wirklich niemanden gibt.

Als zum Ende des Urlaubs das Flugzeug auf dem Sumburgh Airport auf die Startbahn rollt, presst Elisabeth ihr schwarz-weißes Plüschpony fest an sich, das aussieht wie Vire. June hat es ihr geschenkt - es ist Handarbeit aus einem Familienbetrieb. Plötzlich kullern dicke Tränen Elisabeths Wangen herunter. "Ich möchte nicht weg von hier", sagt sie mit zitternder Stimme. "Können wir nicht für immer hier bleiben?"

Die erste große Liebe zurückzulassen, tut weh.

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Ponyurlaub auf den Shetland Inseln

Mit British Airways über London nach Aberdeen, Edinburgh oder Glasgow. Weiter mit Flybe nach Sumburgh, 40 Kilometer südlich der Hauptstadt Lerwick.





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