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09.05.2010
 

Aschewolke aus Island

Alle deutschen Flughäfen wieder geöffnet

Aschewolke über Südeuropa: Airports geschlossen, Flüge gestrichen
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DPA

Die Lage im deutschen Luftraum hat sich am Sonntagabend entspannt: Der Münchner Airport war seit 21 Uhr wieder freigegeben, am Flughafen Stuttgart durften ab 18 Uhr erneut Flugzeuge starten und landen. Die Lufthansa erklärte die mehrstündigen Flugverbote für falsch.

Hamburg/München/Frankfurt - Die Deutsche Flugsicherung (DFS) hat am Sonntagabend den kompletten Luftraum über Deutschland wieder für den Flugbetrieb freigegeben. Seit 21 Uhr dürfen auch in München, Augsburg und Memingen Maschinen uneingeschränkt starten und landen.

Für Montag plant die DFS plant vorerst keine Sperrungen des deutschen Luftraums wegen der isländischen Aschewolke. Alle Flüge können wie geplant stattfinden, sagte der DFS-Sprecher Axel Raab am Montag in Langen bei Frankfurt.

Allerdings reiche die aktuelle Prognose nur bis Dienstagmorgen, so dass er zunächst keine längerfristigen Aussagen machen könne. Derzeit befindet sich die Aschewolke über dem Atlantik, wo sie Flugzeuge im Nordamerika-Verkehr zu Umwegen zwingt.

Der Grund für die zwischenzeitlichen Flugverbote war den Angaben der DFS zufolge nach wie vor eine hochkonzentrierte Aschewolke, die vom isländischen Vulkan Eyjafjallajökull herüberwehte. Im Flugverkehr kam es am Sonntag zu massiven Behinderungen im Süden Deutschlands. Zwischen 15 und 21 Uhr waren weder Sicht- noch Instrumentenflüge in München erlaubt.

Der Luftraum um Stuttgart war bereits ab 18 Uhr wieder für den Flugbetrieb freigegeben worden. Der Betrieb an den Flughäfen Friedrichshafen am Bodensee und am Baden-Airpark in Rheinstetten wurde bereits um 17 Uhr wieder aufgenommen. Es werde nach allen derzeitigen Erkenntnisse "bis auf weiteres" keine neuen Einschränkungen im deutschen Luftraum geben, sagte eine DFS-Sprecherin zu SPIEGEL ONLINE.

Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) kann am Montag noch über der Mitte Deutschlands Vulkanasche auftreten, ab Dienstag wird es dann aber keine Behinderungen mehr geben. Da jedoch weiterhin mit Behinderungen über dem Atlantik gerechnet werden müsse, könne es auch auf deutschen Flughäfen zu Verspätungen kommen, teilte der DWD weiter mit.

Viele abgesagte Flüge in München

In München kam es im Tagesverlauf nach Angaben des Flughafens zu 460 Ausfällen bei Starts und Landungen; damit mussten fast die Hälfte der sonst üblichen rund tausend Flügen gestrichen werden. Der Münchner Airport ist der zweitgrößte Deutschlands und neben Frankfurt das wichtigste Drehkreuz der Lufthansa.

Auch Österreich und die Schweiz meldeten Probleme im Flugverkehr. Starts und Landungen sind nicht möglich auf den österreichischen Airports Innsbruck, Salzburg, Linz und Wien, teilte die Flugaufsichtsbehörde Austro Control mit. Die Schweiz hat sich der Sperrung weiter Teile des europäischen Luftraums zwar nicht angeschlossen. Dennoch fielen am Sonntag zahlreiche Flüge in Genf, Basel und Zürich aus. Erneut gesperrt wurden fünf Flughäfen in Westirland; die drei größten Flughäfen des Landes in Dublin, Cork und Shannon waren weiter in Betrieb.

Lufthansa kritisiert Flugverbote

Die Deutsche Lufthansa hält die Flugverbote in Süddeutschland für falsch. "Es gibt keinen konkreten Hinweis auf eine Gefährdung", sagte Lufthansa-Sprecher Klaus Walther am Sonntag. Erneut seien für die Entscheidung nur Computersimulationen herangezogen worden. Die Schweiz, die eigene Messungen durchgeführt habe, lasse weiter den Flugverkehr zu. In Deutschland habe man dagegen keine Messflüge gestartet. "Das ist kein der Sache angemessenes Krisenmanagement", sagte Walther.

Auch von Flughafenbetreibern kam Kritik. "Die Entscheidungswege sind schwer nachvollziehbar", sagte Friedrichshafens Flughafenchef Hans Weiss. Im benachbarten schweizerischen Altenrhein am Bodensee sowie in Zürich war der Luftraum freigegeben, während an den Flughäfen Stuttgart, Friedrichshafen und Karlsruhe/Baden-Baden rund 90 Flüge ausfallen mussten. Auch dass Sichtflüge nicht erlaubt waren, konnte Weiss nicht nachvollziehen.

DFS-Sprecher Raab wies die Kritik zurück: Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt sei bereits am Nachmittag zu einem Messflug gestartet. Mit Ergebnissen rechne man in der Nacht oder am Montagmorgen. Die Einrichtung des Flugverbots in Süddeutschland entspreche der Einigung der EU-Verkehrsminister, betonte Raab. Einige andere Lufträume in Deutschland waren am Sonntag nach Einstufung der Flugsicherung "potenziell kontaminiert". Dort waren Flüge nach einem vom Bundesverkehrsministerium festgelegten Plan weiter möglich, doch mussten Airlines dann alle besonderen Vorkommnisse melden und Flugzeuge unverzüglich auf mögliche Schäden untersuchen.


Am Wochenende war der Flugverkehr in Teilen Südeuropas bereits empfindlich beeinträchtigt. Airports in Spanien, Italien, Portugal und Frankreich blieben zeitweise gesperrt. Der Flugverkehr war am Sonntag besonders in Norditalien gestört: Zahlreiche Airports im Nordwesten des Landes mussten geschlossen werden - auch der der bei Touristen beliebten Stadt Mailand. In Südfrankreich fürchtete man ebenfalls weitere Behinderungen.

Ausläufer der Aschewolke sorgten auch auf der iberischen Halbinsel für Probleme. In Nordspanien sollten nach Angaben der Flugaufsicht vier Flughäfen bis zum Sonntagnachmittag gesperrt bleiben. 20 Flughäfen hatten am Samstag schließen müssen, darunter der Airport von Barcelona. 600 Flüge wurden gestrichen, betroffen waren Zehntausende Passagiere.

In Portugal konnten in Porto keine Maschinen landen und abfliegen. Seit Samstagabend ist insbesondere der Transatlantik-Flugverkehr von Portugal aus eingeschränkt. Viele Flüge mussten umgeleitet werden, was zu längeren Flugzeiten führte. Wie die portugiesische Luftfahrtbehörde (NAV) mitteilte, gelten die stärksten Einschränkungen für die neun Azoren-Inseln: Deren sechs Flughäfen würden im Verlauf der Nacht geschlossen, der Transatlantik-Verkehr ab 19 Uhr eingeschränkt. Die Azoren liegen 1500 Kilometer westlich von Portugal.

Mitte April hatte der isländische Vulkan Eyjafjallajökull fast den gesamten europäischen Luftverkehr rund eine Woche lang lahmgelegt, weil die Partikel der Vulkanasche eine Gefahr für Flugzeuge darstellen. Hunderte Airports mussten schließen, mehr als acht Millionen Reisende saßen fest. Die Ausfälle führten zu Schäden in Milliardenhöhe.

Piloten üben scharfe Kritik an Sichtflügen

In dieser Situation erlaubten die Aufsichtsbehörden in Deutschland sogenannte Sichtflüge (siehe Kasten links), um wenigstens einen Teil der gestrandeten Passagiere aus ihrer Notlage zu befreien. Doch jetzt zeigt sich: Die Maßnahme war und ist unter Flugzeugführern hoch umstritten.

Nach Informationen des SPIEGEL bedauert der Sicherheitspilot der Lufthansa, Jürgen Steinberg, in einem internen Aushang gegenüber Kollegen seine Zustimmung zu den Sichtflügen, die deutsche Fluglinien Ende April während des Vulkanasche-Alarms geflogen sind: "Das darf sich nicht wiederholen. Heute würde meine Empfehlung in der gleichen Situation lauten: Don't do it."

Heikel war die Lage vor allem am Dienstag, dem 20. April, als über Norddeutschland eine Regenfront mit tiefhängenden Wolken die Flugzeuge zwang, weite Strecken in extrem niedrigen Höhen zu fliegen. Air Berlin und Lufthansa beteuern, sichere Abstände zu Flugzeugen und Wolken seien jederzeit eingehalten worden. Man habe im Übrigen "das Verfahren im Vorfeld gemeinsam mit dem Verkehrsministerium, dem Luftfahrtbundesamt sowie der DFS erarbeitet und von diesen Behörden genehmigt bekommen", so Lufthansa-Bereichsvorstand Raps gegenüber dem SPIEGEL.

mbe/kgp/wit/AFP/dpa/ddp/apn

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12.05.2010 von edln: Fragen

[QUOTE=sysop;5396432]Nach dem europaweiten Reise-Chaos dauert die Diskussion über den Umgang mit dem Vulkanausbruch weiterhin an. Inzwischen erscheinen die Entscheidungen zweifelhaft. War die radikale Sperrung des Luftraums [...] mehr...

11.05.2010 von larsen_k:

Auch nich finde, dass man hier nichts auf die leichte Schulter nehmen sollte, schließlich gilt gerade im Flugverkehr "Safety First". Klar, es ist ärgerlich, dass es zum vorrübergehenden Stillstand kommt, auch ich war [...] mehr...

11.05.2010 von de.nada:

Das heißt, das ich, wie des öfteren wirres und zusamenhangloses Erfahren habe, und mir beim besten Willen nicht vorstellen kann, daß sich daraus bei, mittlerer Schulbildung und praktischen Bezügen zu seiner Umwelt, eine Gefahr [...] mehr...

11.05.2010 von SPON_2000: VFR bzw. CVFR

Am 25.04. war der Luftraum meines Wissens nach wieder ganz normal nach IFR geöffnet, also kann das auch andere Gründe gehabt haben. Gerade aus Süden muss man schon immer recht früh runter in den unteren Luftraum, also unter [...] mehr...

11.05.2010 von SPON_2000: Typische Argumentation

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Ausbreitung der Aschewolke: Die aktuelle Prognose



Vulkan Eyjafjallajökul

Der 1666 Meter hohe Vulkan Eyjafjallajökull im Süden Islands liegt großteils unter Eismassen verborgen. Er war bislang weniger aktiv als andere Vulkane Islands. Nur vier Eruptionen wurden seit der Besiedelung Islands dokumentiert. Sie verliefen anscheinend weniger explosiv als die aktuelle Eruption. Der Vulkan verfügt über einen vier Kilometer breiten Krater. Lava und Asche strömen zudem aus Klüften und Spalten, die sich über Dutzende Kilometer erstrecken.

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Was ist ein Sichtflug?

Grundprinzip des Sichtfluges ist - der Name lässt es vermuten -, dass der Pilot genügend Sicht nach draußen hat. Flüge in Wolken sind also verboten. Normalerweise fliegen so nur kleine Propellerflugzeuge.

Allein der Pilot ist für die Sicherheit von Maschine und Passagiere zuständig. Er muss im unteren Luftraum auch ohne Lotsenhilfe Mindestabstände zu anderen Flugzeugen und den Wolken einhalten. Dabei kann er aber Funkfeuer und Satelliten-Navigation nutzen. Die Lufthansa-Flüge sollen als sogenannte kontrollierte Sichtflüge durchgeführt werden. Radarlotsen unterstützen dabei die Piloten.

Im Sichtflug können wesentlich weniger Flugzeuge gleichzeitig unterwegs sein als unter Kontrolle der Flugsicherung, die sie staffelt und in Luftkorridore einreiht. Außerdem verbrauchen die Jets im unteren Luftraum viel mehr Kerosin, weil der Luftwiderstand größer ist.




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