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24.05.2010
 

WM-Trainingslager in Südtirol

Knödel in schwarz-rot-gold

Aus Eppan berichtet Martin Cyris

Trainingslager in Eppan: Von Südtirol nach Südafrika
Fotos
Martin Cyris

Das Trainingslager in Eppan ist für die DFB-Elf ein Heimspiel. Die meisten Südtiroler sind Fans der deutschen Mannschaft. Deshalb haben sie sogar ihr Nationalgericht an den Besuch aus dem Norden angepasst. Es gibt nun Knödel in den Farben schwarz-rot-gold.

Franz packt die Grätsche aus: "So, Buben, jetzt seid's mal a wen'g leiser!" Der Pizzeria-Boss fordert ein paar feixende Jungs auf, den Ball flach zu halten. Die Buben gehorchen wie Fußballer auf die Kabinenpredigt ihres Trainers. Für die Dorfjugend ist die Girlaner Bürgerstube ein beliebter Treff, um vorzuglühen. Bei ein paar Gläsern Rotwein, einer Pizza Capricciosa oder Pizza Sauna - mit schweißtreibend scharfer Salami - macht man sich hier cliquenweise heiß fürs Wochenende.

Franz ist der Kaiser, der Pizza-Kaiser. Bei ihm mampfen Touristen eine saftige Calzone und schütten Espresso oder Cappuccino hinterher. Einheimische bestellen stilecht Girlaner Wein und die sogenannte Budlpizza. Das ist ein Riesenfladen, angerichtet auf einem drehbaren Holzteller, von dem jeder am Tisch nach Herzenslust schnabulieren darf. Aus den Lautsprechern dudelt Radio Tirol und beglückt die Gäste mit Musik von der Spider Murphy Gang, von Pur und Roger Whittaker.

Franz Boscheri ist "unheimlich stolz", dass die deutsche Fußballnationalmannschaft ihr Trainingslager in Eppan abhält. So stolz, dass er den Bus mit den Spielern bei der Ankunft am vergangenen Freitag abpassen und die Mannschaft mit einem Aperitif begrüßen wollte. Doch den Plan hat er wieder fallen lassen - "die dürfen wahrscheinlich keinen Alkohol trinken".

Südtiroler fiebern für deutsche Mannschaft

Ein paar hundert Meter von der Girlaner Bürgerstube entfernt steht das Hotel Weinegg. In dem Fünf-Sterne-Haus logieren die DFB-Stars inmitten von Weingärten. In direkter Nachbarschaft reifen Vernatsch, Lagrein und Weißburgunder. Damit keiner der Spieler beim Anblick der Reben auf dumme Gedanken kommt, wurden auf Geheiß der DFB-Funktionäre die Minibars trockengelegt und die Grappasammlung im Restaurant Arena entfernt.

Mike, Chef-Barista und ein Tresenpädagoge der alten Schule mit reduzierter Mimik und Hornhaut auf dem Trommelfell kennt kein Pardon: "Wenn die Spieler die WM gewinnen, dann mixe ich ihnen gerne einen Long Island Ice Tea", verspricht er, "aber vorher gibt's nichts". Zumindest nichts Hartes. Auch nicht für unzufriedene Reservespieler, die ihren Frust runterspülen wollen.

Mike handelt im eigenen Interesse. Denn der gebürtige Südtiroler ist Fan der deutschen Elf. "Zwei Drittel der Südtiroler sind für die deutsche Mannschaft", schätzt er. Viele Südtiroler Muttis haben ihre Kinder in diesen Tagen mit Trikots der deutschen Kicker ausstaffiert. Die Rücken der Kleinen zieren nun Schriftzüge wie "Schweinsteiger" oder "Podolski".

Hin und wieder lassen sich die Helden an der Umzäunung des Hotels blicken. Einheimische und Kinder holen sich Autogramme und lichten sich mit den Stars ab. Manuel Neuer lächelt in Digitalkameras, Heiko Westermann, Stefan Kießling und Co. kritzeln eifrig ihr Servus auf Käppis, T-Shirts, Poster - unter den strengen Augen der Security und der Carabinieri. Sobald der Spielerbus in Bewegung gesetzt wird, herrscht auf der engen Straße vorm Hotel akute Staugefahr. Manch Nachbar tuckert deshalb lieber mit dem Mofa oder dem Rad ins Dorf.

Das Hotel war schon ausgebucht

Ansonsten ist die Atmosphäre ausgesprochen locker. Was auch den Verantwortlichen die Arbeit erleichtert. "Die Spieler, das sind nette Jungs", sagt Wilfried Albenberger vom Organisationskomitee, "die sagen sogar 'Bitte' und 'Danke'." Bedankt haben sie sich bei Albenberger vor allem für den Trainingsrasen in der Sportzone Rungg. Das Geläuf kam gerade rechtzeitig in Topform. Weil die erste Maihälfte in Südtirol ziemlich verregnet war, hatte Albenberger "einige unruhige Nächte". Doch nun herrscht Kaiserwetter und das Aufatmen bei den Eppanern darüber ist fast spürbar.

Für den Zeitraum des Trainingslagers war das Hotel Weinegg übrigens schon voll ausgebucht. Doch fast keiner der Gäste beschwerte sich über die Stornierungen. "Im Gegenteil", sagt Hotelchef Bruno Moser, "viele sind sogar stolz, dass in 'ihrem' Hotel die deutschen Fußballer absteigen". Umso erstaunlicher wenn man bedenkt, dass sich darunter auch Stammgäste aus Italien befinden, dem Erzrivalen der deutschen Nationalmannschaft.

Vom Zimmerbalkon aus genießen die Spieler einen Blick auf Swimming Pool, Olivenbäumchen und Palmen. Die Vegetation ist mediterran, Eppan hat ein ähnlich mildes Klima wie der nördliche Teil des Gardasees. Und man sieht zahlreiche Burgen und Schlösser. Eppan ist die burgenreichste Region Europas. 180 dieser Bauwerke stehen auf 60 Quadratkilometern Fläche. Natürlich fein verteilt - schon in früheren Zeiten wurde hier offenbar ein gekonntes Stellungsspiel aufgezogen.

Bewährtes 9-1-0-System

Was lag da für die deutsche Nationalmannschaft näher, als sich wenige Kilometer südlich von Bozen auf die Fußball-WM vorzubereiten? Genauer gesagt in Girlan - dieser feine Unterschied ist vor allem für die alteingesessenen Girlaner wichtig. Girlan ist einer von neun Ortsteilen Eppans. Als Großgemeinde spielt Eppan ein bewährtes 9-1-0-System: Neun Ortsteile, eine Gemeinde, null Hektik.

Eines der imposantesten Gebäude der Umgebung ist Schloss Hocheppan - ein beliebtes Ausflugsziel für Einheimische und Feriengäste. Der Weg hinauf führt durch liebliche Obstgärten und urwüchsigen Wald. Wer das mächtige Tor von Hocheppan durchschreitet, zu dessen Füßen breitet sich die Großgemeinde Eppan an der Weinstraße aus. Es bietet sich ein phantastischer Ausblick auf die umliegenden Hügel, Bergflanken und Gipfel.

Der Blick auf die Speisekarte ist nicht weniger phantastisch. Speck, Kräutersalami oder Apfelstrudel lassen das Wasser im Mund zusammenlaufen. Alles hausgemacht, ausschließlich mit Eigengewächsen aus regionaler Nachwuchsarbeit.

Schräg oberhalb der Schlossruine schlängelt sich der Mendelpass waghalsig zum Mendelkamm hinauf. Ein echter Steilpass, um es in der Fußballersprache zu sagen. Bei Radfahrern ist die Mendelstraße gleichermaßen geliebt und gefürchtet. Von unten betrachtet erinnert der Mendelkamm an den berühmten Tafelberg in Kapstadt - Halbfinalort bei der Fußball-WM.

Ein gutes Omen? Markus Tschigg ist Wirt auf Hocheppan. Er und seine Frau Moni haben der restaurierten Schlossruine wieder Leben eingehaucht und den Innenhof in einen bezaubernden Ort verwandelt. Zwischen Klettergewächsen und Olivenbüschen strecken Wanderer ihre müden Knochen aus und genießen Küche und Aussicht.

Um wieder auf Vordermann zu kommen, empfehlen sich deftige Knödel aus der Schlossküche. Knödel sind das Nationalgericht der Südtiroler. Auch für Markus Tschigg sind die runden Dinger ein Heiligtum. Es gibt sie bei ihm in vielen Varianten. Und seit ein paar Tagen sind sie nicht nur rund, sondern auch bunt: Als Hommage an den hohen Besuch aus Deutschland gibt es sie in drei neuen Geschmacks- und Farbrichtungen: schwarz-rot-gold.

Das "DFB-Knödelpfandl" hat Tschigg eigens für die Dauer des Trainingslagers kreiert. Nebenan in der uralten Schlosskapelle ist übrigens die weltweit allererste Darstellung eines Knödels zu sehen. Auf einer Freske aus dem 13. Jahrhundert schiebt sich eine Frau einen Knödel in den Mund.

Womöglich hat die Dame damals mit Wein nachgespült. Denn der Weinanbau hat eine lange Tradition in der Gegend. In Girlan etwa reiht sich ein Weinfass ans andere. Angeblich ist das Winzerdorf unterirdisch größer als über der Erde. Wegen der vielen Weinkeller. Hoffentlich kein Wink für unterirdischen Fußball in Südafrika.

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insgesamt 15 Beiträge zum Forum...
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26.05.2010 von glücklicher südtiroler: WM-Trainingslager in Südtirol...

Ich halte es für eine sehr gute Investition und gerade die Werbung mit Events schlägt sich viel mehr im WWW nieder als herkömmliche Werbung(zB. Printmedien, TV-Werbeschaltungen)... Zum Rest... Hinzuzufügen könnte man noch, [...] mehr...

25.05.2010 von eth_problembär: kitschig

Naturlich klingt so ein Artikel für einen Einheimischen ein wenig kitschig und lächerlich. Aber einem (deutschen) Tourist gefällt das und macht das nächste Mal Urlaub in Südtirol. Kann schon sein, dass 2006 ein paar Azzurri [...] mehr...

25.05.2010 von rockfreak1979: etwas viel Werbung...

Ungeachtet der Tatsache, was das Land sich den Spaß kosten lässt, finde ich den Artikel teilweise lächerlich... Aber ich vertrete dem Tourismus ggü. ohnehin eine sehr kritische Haltung... Abgesehen davon glaube ich, dass [...] mehr...

24.05.2010 von eth_problembär: ,,,jaja...

---Zitat--- Wichtig für die Wirtschaft ist, daß Kultur und Umgebung nicht zu kurz kommen... ---Zitatende--- ... wenn es der Wirtschaft nicht gut geht, dann gehts der Kultur und Umgebung mit Sicherheit auch nicht gut... mehr...

24.05.2010 von eth_problembär: Eine solche Chance bekommt man nicht zweimal

Meine Quote stammt auch nicht aus einer Umfrage, sondern ist mein supjektives Empfinden, wenn ich so meinen Bekanntenkreis anschaue. Natürlich kann sein, dass diese Zahl auch variieren. Eine solche Chance bekommt man auch nicht [...] mehr...

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Staatsform: Parlamentarische Republik

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